Authentisch Himba erleben: Abseits vom Menschen Zoo

Aktualisiert: 17. Dez 2019


Als wir uns dazu entschlossen Namibia zu bereisen, wussten wir nicht viel über das Land. Das einzige, das in unseren Köpfen schwebte und die einzige Erfahrung die wir hier unbedingt machen wollten, war ein Treffen mit dem Ureinwohner-Stamm der Himba.

So authentisch wie möglich, weg vom Menschen-Zoo, weg vom Mainstream und weg von den gekünstelten für die Touristen hochgezogenen Dörfern, die jeden Tag von Campern und Busladungen voll Menschen nur für das eine Foto besucht werden. Ohne Rücksicht auf die Kultur und ohne Rücksicht auf Verluste.

Uns war von vornherein klar: Wenn wir nichts authentisches finden, lassen wir es sein.

Wirklich geplant hatten wir nichts, wir wussten aber, dass die größte Chance authentische Himba zu treffen, im Nordwesten weit abseits der Asphaltstraßen und weit abseits der größeren Dörfer liegen würde. Die Schotterpisten werden mit jedem Kilometer, den man Nord-Westlich fährt schlechter und wirklich viele Touristen verirren sich dort dann nicht mehr hin. Zu unserem Glück!

Für uns wichtig: Wir werden dir in diesem Artikel unsere Erfahrungen schildern und dir mehr über die Himba, ihre Kultur und Lebensweise erzählen. Was du in diesem Artikel nicht finden wirst, ist der genaue Ort, an dem wir die Himba besucht haben. Wir wollen den Menschen, die wie wir abenteuerlustig und frei das Land erkunden, diese authentische Erfahrung nicht kaputt machen und die Kultur der Himba nicht mit unserem Blog ausbeuten und zerstören.

Unser Tipp: Fahr weit weg von den Hauptschotterpisten. Stell dich auf lange, holprige und anstrengende Fahrten ein. Halte deine Augen offen. Genauso haben wir es auch gemacht und wurden dafür belohnt. Mit zwei unvergesslichen Begegnungen mit den Himba.

All das worüber wir hier schreiben haben wir erlebt und erfragt. Die Informationen über die Himba wurden uns von unserem Himba Guide übersetzt.


Wer sind die Himba und wie leben sie?

Die Himba sind ein Ureinwohner-Stamm, die bis heute einem nomadischen Lifestyle nachgehen. Sie leben vorwiegend im Nordwesten Namibias in der Kunene Region, auch bekannt als Kaokoland. Diese Region hat nur etwa 2 Einwohner pro Quadratkilometer. Sie zieht sich vom Kunene Fluss, an der Grenze zu Angola lang, bis hin zum nördlichen und weitgehend unberührten Teil der Skeleton Coast. Viel von der Region ist bis heute unberührt und nur sehr schwer bis gar nicht zu erreichen.

Die Himba leben in einer Großfamilie, die aus einem Stammesführer (dem ältesten Mann), seinen Frauen und den Kindern besteht. Sie leben nomadisch, heißt, sie ziehen von einem Ort zum anderen und bauen sich dort wieder ihr eigenes, kleines "Dorf" (onganda) auf. Es gibt allerdings ein Hauptdorf, zu dem sie immer wieder für ein paar Monate im Jahr zurückkommen. Du musst dir das Dorf so vorstellen:

Die Himba benutzen abgebrochene, große Äste als Zaun, an denen teilweise noch ausgetrocknetes Laub hängt, um ihr Dorf abzugrenzen, sich zu schützen, aber auch, damit das Vieh nachts nicht abhaut. In der Mitte des Dorfes liegt zudem ein kleiner abgezäunter Bereich, in dem über Nacht das Vieh untergebracht wird und ein Feuerbereich, der den Ahnen gewidmet ist und eine große Bedeutung im Leben der Himba hat.


Um das Zentrum des Dorfes sind dann mehrere, einfache Hütten gebaut. Die Himba bauen sie aus Kuhdung, Wasser und Sand. Mischen das zusammen und benutzen Stöcke als Stützen. Alle Hüttenausgänge blicken in die Mitte der Siedlung, aus einem einfachen Grund: So können die Himba sofort sehen, falls Tiere ausbüxen. Die Tiere sind der wertvollste Besitz, den die Himba haben. Je mehr Vieh, desto mehr Wohlstand.


Sie leben als Jäger und Sammler, bauen, wenn es die Fruchtbarkeit der Erde zulässt Gemüse an, sammeln Kräuter, produzieren eine Art Käse aus der Ziegenmilch oder fertigen Schmuck an, den sie dann an Interessierte verkaufen.

Die verschiedenen Frauen des Stammesführers leben mit den Kindern in verschiedenen Hütten. Es gibt kleine überdachte Bereiche zum Spielen für die Kinder, der Großteil des Lebens spielt sich draußen ab. Es wird geweidet, gekocht, gequatscht, Zeit miteinander verbracht.

Wir hatten das große Glück, eine der Hütten von innen zu besichtigen. Der Eingang ist recht tief, sodass wir nur geduckt reingehen konnten. Innen ist es ziemlich dunkel, es gibt keine Fenster. An den Wänden hingen überall die Kleidung der Frauen, Lederröcke, Kopfverzierung, Ketten. Der typische Geruch der Himba lag in der Luft.

Eine der Himba Frauen zeigte uns, wie sich die Frauen "waschen". Sie vermischen abgeriebene Ochre Steine mit Ziegenfett und reiben sich damit ein.

Als Sonnenschutz, als Mückenschutz und aus ästhetischen Gründen. Den Geruch musst du dir vorstellen wie einen Wachsmalstift oder eine Kerze.


Total angenehm, und das, obwohl sich Himba Frauen nicht mehr mit Wasser waschen, nachdem sie zur Frau werden, heißt ab dem Zeitpunkt, an dem sie ihre Periode zum ersten Mal bekommen. Danach reiben sie sich nur noch mit der Paste ein und haben ein spezielles Parfüm (verschiedene Kräuter, mit denen sie sich einräuchern), das sie benutzen. Männer hingegen dürfen sich ihr ganzes Leben ganz normal waschen.


Unser Treffen oder: Ein Traum wird wahr

Als wir erfuhren, dass unser Traum am nächsten Tag Realität werden wird, waren wir den gesamten Abend aus dem Häuschen. Wir gingen mit unserem Guide zum Shop in einem kleinen nahegelegenen Ort (eher wie ein Wohnzimmer, aus dem Essen verkauft wird) und besorgten Geschenke für die Himba.


Ohne Lebensmittel dabei zuhaben ist die Chance, in ein Himba Dorf gelassen zu werden, sehr gering. Sie wollen kein Geld, Essen hingegen ist ein Muss.

Wir freuten uns die ganze Fahrt über auf die Himba, überlegten uns unsere Fragen und hofften einfach, dass wir eine gute, ehrliche Zeit haben werden. Unser Guide war auch ein Himba, seine Familie wohnte 150 km entfernt. Schon auf der Fahrt mit unserem Auto konnten wir nicht anders, als Informationen aus ihm zu quetschen.

Wir fuhren (mit unserem Auto, da Himba keine Autos besitzen oder selbst fahren können) über Schotterpisten, dann über immer enger werdende, kleine und überwucherte Wege landeinwärts. Um uns herum nichts. Keine Shops, keine Dörfer. Einfach nur Natur. Wir sahen Himba Kinder, die Ziegenherden hüteten und uns musterten. Normalerweise haben uns Kinder oft am Straßenrand gewunken, die Himba Kinder waren aber eher skeptisch.


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Als wir ankamen, kam der Stammesführer zu uns, nickte uns zu und bequatschte etwas mit unserem Guide. Wir hatten Gastgeschenke im Wert von ca. 15 € gekauft. Maismehl, Öl, Zucker. Wir öffneten unsere Ladefläche und zeigten unsere Mitbringsel. Dann wieder Gerede. Einige Minuten dauerte es, bis er sagte: Ok, ich sag nur schnell allen Bescheid, dass ihr gleich ins Dorf kommt. Wir sahen von außen schon die Lehmhütten, die Kinder umherspringen und eine Frau mit ihren markanten, rötlichen Lehmhaaren.

Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein konnten, prallten aufeinander. Wir mit unseren dicken Kameras, vor uns die Himba. Nackt, nur mit etwas Leder um die Hüften und ihren Kindern auf dem Schoß.

Die Haare, der Schmuck, ihre handgefertigte Kleidung. Wir wollten nicht unhöflich sein und sie anstarren, sondern uns respektvoll verhalten. Deshalb blieben die Kameras anfangs aus. Aber wie macht man das am besten in so einer abgefahrenen Situation?

Unser Himba Guide griff ein und übernahm das Ruder. Erklärte uns alles mögliche, wir fragten nach, suchten Augenkontakt, lachten miteinander und je mehr Zeit wir im Dorf verbrachten, desto mehr tauten beide Seiten auf.


Obwohl wir so fremd waren, fühlten wir uns irgendwann so nah und merkten, dass wir im Grunde gar nicht so unterschiedlich sind.

Die Dinge, die für die Himba wichtig sind, waren es für die westliche Welt einst auch und wir hoffen inständig, dass sich die Welt wieder in die Richtung drehen wird, in der Zusammengehörigkeit und Liebe mehr zählen, als das neuste Handy oder man selbst.

Die Kinder und älteren werden hier genauso in den Familienalltag integriert und sind vollwertige, geachtete Mitglieder der Familie. Kinder hüten die Tiere, kochen. Die älteren kümmern sich um die Kinder, fertigen Schmuck oder frisieren die tollen Lehmhaare.


Wir hatten das Glück zu sehen, wie eine Himbafrisur entsteht. Uns wurde erklärt, dass Himba heutzutage Kunsthaare dazukaufen um diesen puscheligen Abschluss der Lehmhaaren hinzubekommen. Und dass die Haare erst ab einem gewissen Alter „eingelehmt“ werden. Davor haben die Mädchen die Haare als zwei Striemen dicht am Kopf nach vorne geflochten. Die Jungs nach Hinten, oder sie tragen Glatze.


Der Kopfschmuck und der Schmuck spielen eine große Rolle und zeigen Alter und sozialen Status in der Familie. Mädchen, die in die Pubertät kommen und ihre Periode bekommen haben, kriegen zu dieser Zeit ihren ersten Kopfschmuck.


Je älter sie werden und je nachdem, ob sie verheiratet sind, Kinder haben etc. ändert sich auch das Aussehen des Kopfschmucks. Himba Frauen werden erst als vollwertige Frau angesehen, nachdem sie ein Kind geboren haben. Männer hingegen werden ab der Beschneidung und Pubertät als vollwertiger Mann angesehen.

Was uns außerdem total inspiriert hat, war: Als wir fragten, wie alt Himba eigentlich werden, kam die Antwort, dass sie es nicht genau wissen. Himba zählen nicht. Bei ihnen geht es nicht um Zahlen, sondern um Lebensabschnitte, die prägnante Momente im Leben widerspiegeln. Z.B. die erste Periode, Heirat, Geburt der Kinder.

Die Himba leben polygam, im Schnitt hat ein Mann zwei Frauen. Die erste Frau wird vom Vater ausgesucht, die weitere(n) Frau(en) darf sich der Mann selber aussuchen. Die Mädchen, die vom Vater ausgesucht werden, werden im Alter von nur ein paar Jahren versprochen. Sie wachsen dann in der Familie des zukünftigen Mannes auf (der in der Regel etwas älter ist). Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife wird dann das Eheleben 'begonnen'.

Als wir mit den Himba vor ihren Hütten saßen und quatschten, hatten wir so viele Fragen im Kopf. Wir waren so fasziniert von dem einfachen Leben, von der Tatsache, dass sie so glücklich und herzlich sind, obwohl sie fast nichts besitzen.


Die Himba hatten alle so ehrliche und so gute Augen. So unverdorben, so rein.

Die Himba waren aber mindestens genauso interessiert an uns, wie wir an ihnen. Es fielen Fragen wie: Ihr könnt nur eine Frau haben? Dann Gelächter und Kopfschütteln. Und ganz viel zu meinen Tattoos. Ob es weh tut? Ob man betäubt wird? Ob es wieder abgeht. Und: Warum ich das gemacht habe.


Als ich sagte, ich fände es schön, sagte der Stammesführer zu mir: Bei uns gelten ausgeschlagene Zähne bei Männern als schön und zeigte mir sofort seine Beißer. Die männlichen Himba schlagen sich die unteren vier Vorderzähne aus und schleifen die Schneidezähne zu Dreiecken ab.

So stellten wir fest, dass jeder von uns andere Schönheitsideale hat... und ich sagte, dass ich Zähne abschleifen ohne Narkose um einiges schmerzhafter finden würde, als Tattoos. Wir lachten herzlich und besonders die Frauen und Kinder waren angetan von meinen Bemalungen, wollten alle mal anfassen und versuchen sie am Ende sogar wegzurubbeln.


In dem Moment fühlte ich mich gar nicht mehr so komisch, die Himba mit ihren wunderschönen Haaren anzuschauen, denn sie taten das Gleiche mit uns. Und da haben wir es wieder. So verschieden wie wir denken, sind wir alle gar nicht.


Unser Himba Treffen auf eigene Faust

Am Tag vor unserem Treffen mit dem Himba Guide hatten wir schon einmal Himba getroffen. Dieses Mal auf eigene Faust, als wir einen Schotterweg (Straße konnte man das nicht mehr nennen) befuhren, der dann aufgrund von Tiefsand zu heikel wurde und wir umkehren mussten.

Mitten im Nirgendwo sahen wir auf einmal ein Dorf und eine Himba, die mit ihrem Baby auf dem Arm an den Büschen vorbeispazierte. Was meinste? Sollen wir mal anhalten? Gesagt, getan. Da standen wir also, mitten im Nirgendwo in Namibia und begegneten den Himba das erste Mal.

Verständigen konnten wir uns nicht, was auch nicht wirklich nötig war. Wir wussten, dass sie Essen von uns wollten und kramten alles zusammen, was wir hatten. Mehl, Zucker, Maismehl, Wasser und Dosen. Wir glauben, die Dosen waren keine gute Idee, wie sollen sie die überhaupt öffnen? Wir zeigten auf unsere Kamera und dann Daumen hoch und runter. Sie nickte. Als Hermann die Fotos schoss, kamen immer mehr Frauen und Kinder. Sie zeigten auf die Kamera und wollten das Foto sehen.


Als Hermann es ihnen zeigte, brabbelten sie etwas, wir glauben, dass sie das Foto gerne gehabt hätten... wir versuchten mit Händen und Füßen zu erklären, dass das nicht so einfach geht und wir es nicht aus der Kamera holen können. Verstanden haben sie es aber wahrscheinlich nicht.

Wir sind uns auch nicht sicher, ob sie uns in ihr Dorf einladen wollten. Sie redeten untereinander, woraufhin eine Frau in Richtung Dorf verschwand und die anderen uns etwas erklären wollten. Aber auch hier verstanden wir nichts. So verbrachten wir noch einige Zeit ohne viel Gequatsche zusammen. Wir schauten sie an, sie schauten uns an und auch hier versuchten sie meine Tattoos wegzurubbeln.


Ein kleiner Junge lief aufgeregt mit einer halbtoten Taube herum und hielt sie vor unsere Gesichter. Wir glauben er war stolz und wollte uns zeigen, dass er sie gleich rupfen und zubereiten wird.


Für uns war dieses Treffen mit den Himba eine der authentischsten Erfahrungen, die wir auf unseren Reisen bis jetzt machen durften.

Okuheba liebe Himba!



Die Zukunft der Himba

Auch die Himba können sich vor Einflüssen von außen nicht schützen und obwohl sie immer noch größtenteils die authentische Lebensweise von früher praktizieren, können wir für ihre Zukunft nur hoffen, dass sie sich so lange es geht den westlichen Einflüssen entziehen können.


Mittlerweile kaufen sie Dinge wie Sandalen für die Kinder, oder Materialien, um ihre Arts und Crafts herzustellen, die dann wiederum an Touristen verkauft werden. Wir hoffen sehr, dass die Himba noch so lange wie möglich ihre Traditionen beibehalten werden und sie nicht für einen westlichen Lebensstil aufgeben. Es wäre so schade um ihre Kultur und um ihr besonderes und für uns so wunderschönes Erscheinungsbild.

Wenn du Himba sehen willst, aber keine Lust oder vielleicht zu viel Respekt hast, diese weit abgelegenen und beschwerlichen Schotterpisten alleine zu fahren: Gerade in und um Opuwo kann man Himba auch so sehen. Zwar nicht in ihrer natürlichen Lebensweise, sondern beim Einkaufen, im Krankenhaus oder einfach beim chillen am Straßenrand. Sie interagieren mit anderen Stämmen wie z.B. den Herero, mit anderen ethnischen Gruppen und natürlich mit Touristen. Einfach mal anhalten und dazusetzen. Ganz viel Spaß dabei. :)


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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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