Stepantsminda: Wanderung zum Gergeti Gletscher

Aktualisiert: 7. Dez 2019


Einem Gletscher nahe kommen oder ihn doch lieber aus der Ferne bewundern? Entscheide selbst, denn beide Varianten sind bei der Wanderung zum Gergeti Gletscher in Stepantsminda in Georgien möglich.

Im kleinen Örtchen Stepantsminda, unweit der russischen Grenze, beginnt diese lohnenswerte Tageswanderung - dabei gibt es zwei Startmöglichkeiten: Entweder direkt vom Stadtzentrum aus, oder als kleine Abkürzung ab der Gergeti Dreifaltigkeitskirche.


Beide Wege werden wir dir hier vorstellen, dir die Aussichten schmackhaft machen, dir Landschaft und den gigantischen Blick auf den Gergeti Gletscher zeigen, den wir bei fast wolkenlosem Himmel bewundern durften.


In diesem Blogpost kannst du alles über die Anreise nach Stepantsminda, die Lage, Infos zur Wanderung und den Schwierigkeitsgrad nachlesen. Alles Wissenswerte und unser ganz persönlicher Wanderguide zum Gergeti Gletscher.



In diesem Artikel findest du:


Infos zur Wanderung Schwierigkeitsgrad Ausblicke Anreise nach Stepansminda Lage und Infos zum Ort Unser Fazit



Infos zur Wanderung


Es gibt zwei Varianten für diese Wanderung, bei beiden geht man denselben Weg hinunter, den man aufgestiegen ist.


  • Von Stepantsminda zum Gergeti Gletscher.

  • Von der Gergeti Dreifaltigkeitskirche zum Gergeti Gletscher.



Ab Stepantsminda


  • Länge der Wanderung: 7-8 Stunden

  • Höhenmeter: Knapp 1500

  • Entfernung: 20 Kilometer

Ab Stepantsminda legt man ca. 1500 Höhenmeter hin und 1500 Höhenmeter zurück. Die gesamte Wanderung dauert ca. 7-8 Stunden, je nach Fitnesslevel. Ca. 5 Stunden geht es bergauf und anschließend 2-3 Stunden wieder hinunter. Die Entfernung beträgt hin und zurück insgesamt ca. 20 Kilometer.


Man wandert von einer Höhe von knapp 1800 Metern auf 3200; wenn man sich dazu entschließt, weiter als bis zum Aussichtspunkt zu laufen, noch höher. Wenn man früh losgeht, was wir unbedingt empfehlen, sind die Chancen recht groß die Gergeti Kirche ohne die Menschenmassen bewundern zu können.


Die Gergeti Dreifaltigkeitskirche in Stepantsminda

Der Ausgangspunkt der Wanderung ist das Schild, welches nach der Brücke stadtauswärts "Gergeti Trinity Church" anzeigt. Einfach links abbiegen. Zuerst geht es an einer Straße an Häusern entlang, dann durch einen Wald, bevor sich der Weg langsam zur Kirche hinaufschlängelt.


Ab der Gergeti Dreifaltigkeitskirche


  • Länge der Wanderung: 6-7 Stunden

  • Höhenmeter: Knapp 1000

  • Entfernung: 12 Kilometer

Für diese Variante haben wir uns entschieden. Es geht 1000 Meter hoch, 1000 Meter runter, ca. 12 Kilometer und etwa 6-7 Stunden lang; auch hier liegt es natürlich am Fitnesslevel, wie lange man im Endeffekt unterwegs ist.


Ausgangspunkt ist der Parkplatz an der Dreifaltigkeitskirche auf ca. 2200 Metern Höhe. Entweder man lässt sich ab Stepantsminda mit dem Mitsubishi Offroad-Taxi hochfahren - Preis ab 50 GEL pro Taxi (17,50 €), oder man fährt selber hoch. Hierfür ist allerdings unbedingt ein Allradwagen zu empfehlen.


Es gibt eine Passage, bei der man ohne 4x4 aufgeschmissen ist, nicht weiterkommt und sich mit großer Wahrscheinlichkeit festfährt oder sein Auto schrottet. Selbst unser Allradwagen hatte zwei Mal richtig zu kämpfen und wir hätten uns fast festgefahren. Durchdrehende Reifen und stinkender Gummigeruch inklusive.

Anmerkung: Im Moment wird eine Asphaltstraße zur Kirche gebaut, d.h. dass spätestens in ein, zwei Jahren jeder ganz easy hochfahren kann.


Um 06:20 Uhr machten wir uns auf den Weg. Das erste Stück ging es steil hinauf. Prustend setzten wir einen Fuß vor den anderen. Der innere Schweinehund war allgegenwärtig. Als wir nach ein paar Minuten unser Tempo gefunden hatten, gingen wir langsamer, aber stetig hinauf. Atmen. Nicht darüber nachdenken. Einfach laufen! 2 Stunden und zwanzig Minuten später standen wir dann am Aussichtspunkt.


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Die Wanderung hat kein offizielles Ende, man kann entweder nur bis zum Aussichtspunkt mit dem kleinen Steinhaufen und dem Kreuz drauf wandern und von dort die Aussicht genießen - wir brauchten bis hierher 2:20 Stunden - wahlweise kann man noch ca. 40 Minuten weiter bis zum Camp an der Holzhütte, die gerade gebaut wird und wahrscheinlich in Zukunft eine Einkehrmöglichkeit für Wanderer sein wird, wandern. Wenn man dann immer noch nicht genug hat, kann man weiter bergauf bis zur Wetterstation steigen. Oder eine Nacht am Holzhäuschen campen und sich am nächsten Tag auf den Weg machen.


Schwierigkeitsgrad

Die Wanderung an sich würden wir mit mittel beschreiben. Anfangs geht es über Feldwege, später über Geröll und danach immer nur steil und stetig bergauf. Es gibt keine schwierigen und anspruchsvollen Passagen, geklettert o.ä. werden muss nicht. Ausdauer und Durchhaltevermögen sind von Vorteil, denn gerade bei den steilen Passagen zum Ende hin hat man das Gefühl, dass man nicht vorankommt und dass der Weg niemals enden wird.

Zusätzlich hat man noch damit zu kämpfen, dass die Luft, je höher man kommt, konstant dünner wird. Wir legten viele Pausen und Fotostopps ein, um unsere pochenden Herzen etwas zu schonen und die wunderbaren, menschenleeren, friedlichen Aussichten zu genießen.


Wir hatten das große Glück, dass um diese Uhrzeit noch niemand außer uns unterwegs war und wir somit den wolkenfreien Gipfel des Kasbek in seiner vollen Pracht bewundern durften.


Auf dem Rückweg sah das Ganze dann anders aus. Auf dem gesamten Weg sahen wir Wanderer, die von weitem wie kleine Ameisen aussahen. Paare, große Gruppen, es waren wirklich viele Leute unterwegs und auf dem Rückweg gaben wir uns mehr als nur ein Mal high-fives, dass wir so früh losgewandert waren und die menschenleeren Ausblicke auf den Kasbek genießen konnten.

Ausblicke auf die Traumkulisse


Die Ausblicke auf der gesamten Wanderung sind der absolute Wahnsinn. Wir hatten Glück mit dem Wetter und als wir morgens um 5:30 Uhr aus dem Fenster schauten, konnten es kaum fassen. Keine einzige Wolke am Himmel und das, obwohl Gewitter vorhergesagt waren. So ist das in den Bergen und deshalb hatten wir in Stepantsminda vorsichtshalber drei volle Tage eingeplant.

Wir gingen bei aufgehender Sonne los, die den schneebedeckten Gipfel in leuchtendes orange färbte. Vor uns der mächtige Kasbek, die umliegenden Berge, grüne Wiesen und Tausende Gebirgsblumen. Hinter uns der Ausblick auf Stepantsminda und die Gergeti Kirche. Kurzum: 360 Grad Traumkulisse.


Die gesamte Wanderung ging es dann so weiter, vor uns summende Bienchen, Vögel, die den neuen Tag begrüßten. Wir waren umgeben vom Kaukasus, wie er uns schöner hätte nicht begrüßen können. Die teils schneebedeckten Gipfel, die schroffen Steinwände, die staubigen Wege.

Je weiter wir nach oben kamen, desto erschöpfter wurden wir. Die Beine wurden müder, die Atmung schneller. Es ging seit einiger Zeit nur bergauf. Wann kommt der Gletscher? Wann können wir ihn endlich sehen? Hermann war schon an der nächsten Gabelung angekommen, ich noch einige Höhenmeter weiter unten.

Was kommt da? Noch ein steiler Aufstieg? Nein! Mach die Kamera an und komm hoch! Wir haben es geschafft!

Und tatsächlich! Hermann stand schon da und als ich um die Kurve bog, eröffnete sich der Blick auf den Kasbek, wie er schöner nicht hätte sein können. Unsere Blicke wanderten zum Gipfel, zum Gletscher, zum Wasserfall, zum Schnee, der sich noch auf den umliegenden Bergen befand.


Wir musterten alles, wollten nichts auslassen, alles aufsaugen und standen einfach nur da. Über Minuten. Schweigend.

Hörten dem Donnern des Gebirgsflusses zu, dem Rauschen der vielen Wasserfälle, die sich vom Gletscher ins Tal stürzten und blendeten alles um uns herum aus. Den Moment genießen. Etwas, das man viel öfter in seinem Leben tun sollte.

Wir schauten uns an und in dem Moment waren alle Strapazen vom steilen Aufstieg dahin. Einige Schritte weiter fanden wir ein schönes Plätzchen - wobei alle Plätzchen dort oben schön waren - ließen unsere Rucksäcke fallen und legten uns ins Gras. Schüttelten die Beine aus, stärkten uns ein wenig und genossen die Aussichten.


Wir sahen eine Holzhütte auf einem Hügel vor uns, von der wir dachten es sei die Wetterstation - aber als wir nach 40 Minuten ankamen, sahen wir, dass es eine Hütte ist, die gerade gebaut wird. Wahrscheinlich als Einkehrmöglichkeit für Wanderer.

Von dort oben hat man einen noch besseren Blick auf den Gletscher, die Wasserfälle, den Kasbek. Auch hier ließen wir uns auf die Wiese fallen - umgeben von den buntesten Blümchen - und saugten die Schönheit der Natur auf. Wir hatten überlegt noch weiterzugehen, entschieden uns dann allerdings dagegen.


Unser Tipp wäre, sich Equipment zu mieten (oder gleich selbst mitzubringen), eine Nacht dort oben zu übernachten und dann am nächsten Morgen weiterzulaufen. Wären wir noch weiter bis zur Wetterstation gelaufen, hätte die Tageswanderung locker um die 11 Stunden gedauert.

Anreise nach Stepansminda


Die Anreise nach Stepansminda (bzw. Kazbegi) gestaltet sich als relativ einfach und günstig.


Mit der Marschrutka


Wenn du ohne eigenen Wagen unterwegs bist, gibt es z.B. Kleinbusse (Marschrutki), die dich von Tiflis aus ab der Station Dibude in ungefähr 3 Stunden nach Stepantsminda bringen. Die ersten Busse fahren morgens ab 8 Uhr los und zwar immer dann, wenn sie voll sind. Kostenpunkt 10 GEL (3,50 €). Die Fahrt bietet tolle Ausblicke, man fährt anfangs über eine Landstraße, die sich im später entlang majestätischer Berge in den Kaukasus schlängelt.

Der Gebirgsfluss, kleine verschlafene Dörfer, aber auch viele Cafes, Souvenirstände und Restaurants erwarten einen auf der Fahrt. Wir machten mit unserem Mietwagen mehrere Fotostopps und Pausen. Mit der Marschrutka wird dies nicht möglich sein, sodass man an dem Staudamm, dem Anguri Kloster und dem Denkmal der Freundschaft zwischen Russland und Georgien mit großer Wahrscheinlichkeit vorbeifahren wird.

Denkmal der Freundschaft zwischen Russland und Georgien

Mit dem Taxi


Alternativ wäre noch ein Taxi zu empfehlen, wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist. Preise hierfür normalerweise ab 100 GEL (35 €). Verhandeln geht immer, inwieweit man den Preis dann im Endeffekt drückt, bleibt den Verhandlungskünsten überlassen. Vorteil hier: Pausen und Fotostopps können jederzeit eingebaut werden.


Mit dem Mietwagen

Wenn du mit deinem eigenen Wagen unterwegs bist: Jackpot. Du hast hier natürlich die große Freiheit, überall und so lange anzuhalten, wie du gerne möchtest.


Vielleicht wäre ja auch das Paragliding in Gudauri etwas für dich? 8-10 Minuten Flugzeit kosten 250 GEL (87 €) pro Peron. Wir waren interessiert und wollten es auf dem Rückweg eigentlich starten, hatten den Preis sogar schon auf 200 GEL pro Peron gedrückt, aber das Wetter spielte bei uns dann leider nicht mehr mit. Schade.

Der Rückweg von Stepantsminda nach Tiflis ist der gleiche. Die Marschrutki fahren ab dem Stadtzentrum (direkt an der Hauptstraße gelegen) zu jeder vollen Stunde ab. 6 Uhr morgens fährt die erste, 18 Uhr die letzte. Kostenpunkt auch hier wieder 10 GEL (3,5 €).



Lage und Infos zu Stepantsminda


Das Örtchen Stepantsminda, das als Ausgangspunkt für dieGergeti Gletscher Wanderung gilt, liegt an der Heeresstraße, einem Teil der einstigen Seidenstraße und ist umgeben von den mächtigen Bergen des Kaukasus. Diese Fernstraße, die Russland und Georgien miteinander verbindet, ist viel befahren und manchmal hat man Schwierigkeiten die langsamen Kolosse auf den sich schlängelnden Gebirgsstrassen zu überholen.

Gästehäuser gibt es wie Sand am Meer, die meisten liegen in den ruhigeren Nebenstraßen mit tollem Blick auf die Umgebung. Preise ab 35 GEL (12,15 €) pro Zimmer. Preise für die Unterkünfte gelten in Georgien immer für das Zimmer und nicht pro Person.


Restaurants, das Visitor Information Centre und kleine Geschäfte erwarten einen entlang der belebtenHauptstraße. Wanderequipment kann man sich hier ebenfalls ausleihen. Preise hierfür: Zelt 10 Lari (3,50 €), Schlafsack 5 GEL (1,74 €), Isomatte 3 Lari (1,05 €).

Achtung: Wenn man das Equipment ungereinigt zurückgibt, wird eine Gebühr von 20 GEL (7,00 €) fällig.

Die Realität an der Gergeti Kirche. Von idyllischer Ruhe keine Spur

Obwohl man an diesem Ort besonders merkt, dass der Tourismus im Land gerade boomt, fanden wir ihn trotzdem recht authentisch. Abseits der Hauptstraße sind die Wege teils mit tiefen Schlaglöchern versehen, die Pflasterstraßen sind in schlechtem Zustand.


Mitten auf der Hauptstraße stehen Kühe, die sich selbst vom wilden Gehupe und dichtem Auffahren der Autos nicht aus der Ruhe bringen lassen. Auf der Brücke stadtauswärts haben sie ihren Lieblingsplatz gefunden und bringen immer mal wieder den gesamten Verkehr zum erliegen.

Viele der Gästehäuser haben keine Schilder am Eingang und man hat das Gefühl, bei Freunden unterzukommen, so herzlich wird man hier empfangen. Wir bekamen in unserer Unterkunft sogar ein Frühstück gratis und das, obwohl wir gar keins dazugebucht hatten. Kosten hierfür normalerweise 10 GEL (3,50 €).


Unser Fazit

Diese Wanderung ist absolut empfehlenswert! Wenn du eine Reise nach Georgien planst und unschlüssig darüber bist, ob sich eine Wanderung zum Gergeti Gletscher in Stepantsminda lohnt, hoffen wir deine Entscheidung mit unserem Blogpost erleichtert zu haben.

Wir hatten einen grandiosen Tag, an dem wir die gesamte Palette der Gefühlswelt durchlebten. Adrenalin, Bekämpfung des Schweinehundes, Stolz, Lebensfreude, Spaß, Anstrengung, Erleichterung.

Und am Ende - auf 3200 Metern - wurden wir mit einer der schönsten Aussichten unserer in Georgien belohnt.

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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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