Geführte Touren in der Mongolei: Die Vor- und Nachteile

Die Mongolei ist eines der am dünnsten besiedelten Länder der Welt, gerade einmal 2 Einwohner pro km² leben in dem zentralasiatischen Land. Eine Reise auf eigene Faust gilt in der Mongolei als beschwerlich und aufwendig.


Mongolische Tourfahrzeuge gibt es in allen Formen und Größen

Deshalb entscheiden sich die meisten Touristen dafür, eine geführte Tour zu buchen um die Sehenswürdigkeiten der Mongolei erleben zu können. Aber ist das überhaupt notwendig? Sind die Straßen und die Infrastruktur wirklich so schlecht, dass man es nicht auf eigene Faust probieren kann?


Und wie authentisch ist das Reiseerlebnis noch, wenn gefühlt 90% der Touristen die gleichen Strecken abfahren und in den gleichen Camps übernachten?


Wir versuchen dir in diesem Blogartikel Antworten auf diese Fragen zu geben und etwas Licht ins Dunkel zu bringen, welche Vor- und Nachteile eine geführte Tour durch die Mongolei hat.



Die Mongolei ist riesig, so riesig, dass Deutschland fast 4,5 mal hinein passen würde und beherbergt dabei gerade einmal 3,1 Millionen Einwohner. Allein in Ulaanbaatar leben 1,5 Millionen Menschen und die übrigen 1,6 Millionen verteilen sich im restlichen Land.


Richtige Autobahnen gibt es keine, keine Fast-Food-Ketten, wenig westliche Cafés und die Netzabdeckung funktioniert meist nur in Ortschaften. Toiletten sind gerade auf dem Land eigentlich nur Gruben mit einem Balken drüber, geheizt wird mit alten Brennöfen und gegessen wird meist Fleisch mit Fleisch und etwas Beilage. :)


Es gibt asphaltierte Straßen in der Mongolei, die große Ortschaften und die Hauptsehenswürdigkeiten verbinden (Infografik von mapz.com)

Wenn diese Infos Unbehagen und Stress in dir auslösen, ist die Mongolei vielleicht nicht das richtige Reiseland. Wenn aber deine Augen jetzt funkeln, du das Abenteuer förmlich spüren kannst und ein leichtes Kribbeln im Bauch verspürst, dann ist die Mongolei genau das Richtige.


Aber leider bedeutet fehlende Infrastruktur auch, dass es schwerer ist sich auf eigene Faust durch das Land zu bewegen, als in anderen, höher entwickelten Ländern.


Deshalb entscheiden sich die meisten Touristen in der Mongolei für eine geführte Tour, zu der meist ein eigener Fahrer und ein Guide gehören, um die mal größere und mal kleinere Reisegruppe sicher durch die Mongolei zu befördern.


Die Guides und Fahrer sind fast immer Mongolen und kennen die oft sehr schlechten Straßen, Feldwege und Abkürzungen, wissen wo man unterwegs etwas zu essen bekommt und wo die “besten” Übernachtungsmöglichkeiten liegen.



Was kostet eine geführte Tour durch die Mongolei?


Eine geführte Tour durch die Mongolei kostet von 20 Euro bis 200 Euro pro Tag, pro Person. Normalerweise sind in diesem Preis ein Fahrer mit Fahrzeug, Benzin und Verpflegung enthalten.


Bei günstigen Angeboten kann es vorkommen, dass die Unterkünfte in den Gercamps (Ger heißen die traditionellen, zeltartigen Unterkünfte in der Mongolei) noch extra bezahlt werden müssen.


Es gilt die einfache Formel: Je weniger Personen an einer Tour teilnehmen, desto teurer ist sie.

Das meiste Sparpotential ist vorhanden, wenn man sich auf eine geführte Tour mit mehreren Personen begibt.


Zu authentischen, abgeschiedenen Gercamps gelangt man am besten mit einer geführten Tour

Darüber hinaus kosten Extrawünsche etwas mehr als die vorgefertigten Touristenrouten. Die klassisch angebotenen Routen sind meist einwöchige Touren, die in Ulaanbaatar starten und entweder in Richtung Süden zur Gobi Wüste oder in Richtung Norden in die Khovsgol-See-Region führen.



Welche Vorteile hat eine geführte Tour?


  • Die Vorteile einer geführten Tour liegen ganz klar darin, die Reise nicht selber organisieren zu müssen.


Nach Absprache mit dem Touranbieter, wohin es denn in der verfügbaren Zeit gehen soll und was man gerne sehen möchte, kann man sich zurücklehnen und den Fahrer die Arbeit machen lassen, während man genug Zeit hat, sich die atemberaubende Landschaft der Mongolei anzuschauen. Die Eintritte in die Nationalparks werden bezahlt, es gibt drei Mahlzeiten täglich, zwischendurch Snacks und Tee, man wird mit Infos versorgt und muss sich nicht um die Unterkünfte kümmern oder Preise aushandeln.


Falls unterwegs Reparaturen am Auto anfallen sollten, muss man dafür selbstverständlich auch nichts extra bezahlen.


Bei den teilweise sehr schlechten "Straßenverhältnissen" sind Reifenschäden vorprogrammiert

Mit einem erfahrenen Fahrer ist die Navigation durch die endlosen Steppen und Halbwüsten der Mongolei kein Problem. Oft gibt es keine richtigen Wege und es wird einfach querfeldein gefahren, bis man auf eine Straße oder einen Schotterweg trifft.



Welche Nachteile hat eine geführte Tour?


  • Die Nachteile einer geführten Tour durch die Mongolei sind fehlender Individualismus und Authentizität.


Das liegt unserer Meinung und Erfahrung nach ganz einfach daran, dass die meisten Touristen die Mongolei so günstig wie möglich bereisen wollen. Das hat dann zur Folge, dass die meisten Touren sich auf den Osten des Landes konzentrieren. Hier ein bisschen Gobi Wüste da ein bisschen Khovsgol See. Hier mal ein Gercamp und dort ein bisschen Naadam Festival.


Dadurch dass sich die meisten Touristen diese Sehenswürdigkeiten in der Mongolei anschauen, hat sich rund um und in diesen Regionen eine große Tourismusbranche entwickelt. Es gibt riesige Gercamps, in denen man sich oftmals fühlt wie im Schullandheim.


Es gibt viele (sehr) große Camps in denen man Abend abgeladen wird

Dutzende “Traveller” stapfen mit Abenteuerkleidung oder feinen Kleidchen an den landschaftlichen Sehenswürdigkeiten entlang, um ein paar Selfies zu machen. Die einsamen Weiten sind dann plötzlich gar nicht mehr so einsam, wenn sich Dutzende Tourfahrzeuge auf denselben Wegen durch die Steppe bewegen, nur um an den gleiche Stopps Halt zu machen und die Touristen am Abend in den gleichen Camps abzuladen, wo sie dann auf den dort geparkten Kamelen noch eine Runde drehen können.


Wenn man sich dann noch seine Tour mit mehreren fremden Menschen teilt, mit denen man eventuell nicht gut auskommt, kann aus dem Abenteuer Urlaub in der Mongolei leider sehr schnell eine kleine Enttäuschung werden.


Braucht man einen eigenen Fahrer?


Das kommt ganz darauf an, was man in der Mongolei sehen möchte. Nach unserer Erfahrung würden wir sagen: Jein!


Möchtest du “nur” die klassischen Sehenswürdigkeiten besuchen wie die Sanddünen der Gobi und den Khovsgol See, dann könntest du das auch ohne Tour machen und dir vor Ort einen eigenen Mietwagen nehmen. Denn die bekannten Sehenswürdigkeiten im Osten des Landes sind fast immer über asphaltierte Straßen zu erreichen.


Wenn man nicht selber fahren muss, hat man mehr Zeit sich die einzigartige Umgebung anzuschauen

Generell gibt es recht viele asphaltierte Straßen, über die man fast alle großen Orte des Landes erreichen kann.


Hinweis: Der Weg zu den Touristencamps an der Gobi Wüste ist allerdings sehr sandig und könnte ohne Erfahrung schwierig zu befahren sein.


Es gibt von Ulaanbaatar aus auch viele Busrouten, die in die Richtung der Sehenswürdigkeiten führen. Man müsste sich dann allerdings vor Ort wieder einen Fahrer suchen, der/das dich die letzten Kilometer bis an das Ziel/zu den Camps oder Sehenswürdigkeiten bringt. Oder man kauft sich ein Pferd und macht sich damit auf Erkundungstour. :)


Zuverlässiger an das gewünschte Ziel kommt man mit eigenem Fahrer.


Hast du vor, die Mongolei abseits der Touristenrouten zu erkunden, lohnt sich eine Tour (es sei denn du hast deinen eigenen 4WD). Denn bist du erstmal weg von der Hauptstraße, gibt es eigentlich nur noch Schotterpisten. Oft im guten Zustand aber auch oft in einem miserablen. Ebenso führen viele Wege einfach querfeldein und es sind keine Fahrbahnen zu erkennen. Ein bisschen Erfahrung in Navigation und Offroadfahren wären hier also von Vorteil.


Hinweis: Nach heftigen Regenfällen können ganze Regionen unpassierbar werden. In solchen Situationen ist ein erfahrener Fahrer Gold wert. Sie kennen die meisten Gegenden und bringen dich unbeschadet an dein Ziel.



Braucht man einen eigenen Guide?


  • Auch hier lautet die Antwort Jein!


Wenn du durch die Mongolei reist, um die top Sehenswürdigkeiten abzugrasen und ein paar Bilder davon zu machen, brauchst du nicht unbedingt ein Guide.


Die Geschichte vieler Orte lässt sich dank Internet heutzutage einfach recherchieren, während ein Guide für Touristen mit schmalem Budget nur zusätzliche Kosten verursacht.

Wir würden dir einen Guide empfehlen, wenn du vorhast wirklich in die mongolische Kultur einzutauchen und du etwas hinter den Vorhang des Landes schauen möchtest.


Die Sanddünen der Gobiwüste lassen sich prima ohne Guide erkunden. Es gibt eine Vielzahl von Touristencamps in der Umgebung

Viele der lokalen Guides machen diese Arbeit seit Jahren und kennen fast jede Ecke des Landes. Manche von ihnen sind in der Steppe aufgewachsen und haben noch Verwandtschaft oder Freunde dort, zu denen sie einen dann teilweise sogar mitnehmen.


Diese Guides können dir Einblicke in das authentische und traditionelle Leben der Mongolei gewähren, welche du sonst nirgendwo nachlesen oder erleben kannst.


Vor allem im rustikalen Westen des Landes kann es von Vorteil sein, jemanden dabei zu haben der die Sprache spricht, sich auskennt und im Gelände orientieren kann, sofern man nicht über die Erfahrung für mehrtägige Trekkingtouren verfügt.



Wie du den richtigen Touranbieter findest


Den richtigen Touranbieter für deine Reise durch die Mongolei zu finden ist wahrscheinlich die größte Herausforderung und schwieriger als es erst einmal scheint.


Möglichkeit # 1: Das Internet


Es gibt im Internet viele Seiten, die dir einen Überblick der Touranbieter in der Mongolei vermitteln können. Die Touranbieter haben Profile, in denen du nachlesen kannst, was angeboten wird, wieviel es kostet und wie lange die Reise geht. Außerdem findest du dort Bewertungen von anderen Reisenden und kannst die Anbieter auch direkt anschreiben und Fragen stellen.


Eine der bekannteren so funktionierenden Seiten ist indy-guide. Auf der Seite gibt es hunderte von einfachen und spezialisierten Touranbietern.


  • Egal ob für private Touren

  • Touren in den klassischen UAZ Vans

  • 4WD, wie Landcruisern

  • Fototouren

  • Adventuretouren usw.


Hier kannst du sogar eine Art eigenes Profil erstellen, in welchem du deine Reisepräferenzen angibst, sodass sich anschließend praktisch die Touranbieter bei dir “bewerben”.


Mit diesem vermeintlichen Vorteil geht aber auch ein großer Nachteil einher: Die meisten wollen einfach nur dein Geld, denn die Konkurrenz ist groß.


Hast du dein Profil erstellt, werden dich innerhalb kürzester Zeit sehr viele Anbieter anschreiben und das “beste” Angebot für dich haben. Du wirst feststellen, dass 90% davon immer und immer wieder dieselben Routenvorschläge sind. Quasi eine Garantie dafür, in einem der riesigen Touristencamps zu landen.


Du kannst natürlich verhandeln - und das solltest du auch. Schnell wirst du feststellen, welche Touranbieter ein offenes Ohr für deine Anliegen haben und welche nicht. Welche auf deine Bedürfnisse eingehen, sich Mühe mit ihrer Antwort geben und welche eher kurz angebunden sind und irgendwann einfach gar nicht mehr antworten.


Schlussendlich kannst du dich für den “besten” Anbieter entscheiden. Aber der vermeintlich einfache Weg dorthin gestaltet sich über das Internet oft schwieriger als man glaubt.



Möglichkeit # 2: Vor Ort buchen


Falls du vor hast, im Osten des Landes zu bleiben und die bekannten Sehenswürdigkeiten der Mongolei zu erleben, würden wir dir empfehlen deine Tour vor Ort zu buchen.


Plane einfach ein oder zwei extra Tage in Ulaanbaatar ein, um dir einen geeigneten Anbieter zu suchen. Du wirst dir eine Menge Nerven und Geld sparen, redest vor Ort mit den Anbietern und bekommst ein Gefühl für das Unternehmen und die Menschen dahinter.


Etwas, das im Internet natürlich nicht so einfach ist, denn da musst du dich darauf verlassen, was geschrieben wird.


Die meisten Unterkünfte können dich an Anbieter vermitteln oder führen selbst Touren durch. Es wimmelt in Ulaanbaatar nur so von Touranbietern und vor Ort lässt es sich auch besser verhandeln als über das Internet.


Sofern du in Gästehäusern oder Hostels absteigst, wirst du mit großer Sicherheit mit anderen Reisenden ins Gespräch kommen, die entweder schon Touren gemacht haben oder auch gerade nach einer suchen. Ein Erfahrungsaustausch ist garantiert und vielleicht bekommst du ja einen hilfreichen Tipp.


Für längere und speziellere oder aufwendigere Touren (Fototouren, Bergsteigen, Expeditionen) würden wir aber die Kommunikation und die Buchung über das Internet empfehlen.



Unser Fazit


Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich eine geführte Tour in der Mongolei lohnen kann und auch für die meisten Touristen lohnen wird.


Puristen werden sich vielleicht ein Pferd kaufen, aber damit schafft man es leider nicht, in ein oder zwei Wochen das Land zu erkunden.


Mit einer geführten Tour zwar auch nicht, dafür kann man sich aber zurücklehnen und die Schönheit der Mongolei sorgenfrei und mit vorher bekannten Kosten genießen.


Wenn man genug Geld in die Hand nimmt, gelangt man mit dem richtigen Touranbieter und Guide auch zu Orten, über die man noch so gut wie nichts im Internet nachlesen kann.



Wem das jetzt zu langweilig klingt, kann sich selbstverständlich mit seinem eigenem Allradfahrzeug auf den Weg machen oder sich einen 4WD vor Ort in Ulaanbaatar mieten und auf eigene Faust durch die Weiten der Mongolei ziehen.


Die Infrastruktur der Mongolei verbessert sich stetig und in ein paar Jahren stellt es wahrscheinlich kein großes Problem mehr da, die Mongolei auf eigene Faust zu bereisen.



In Zentralasien gibt es noch weitere faszinierende Länder zu entdecken:


Wandel auf den Fährten Dschingis Khans durch Kasachstan. Mit unseren Reisetipps und unserem Reiseführer steht deinem Abenteuer nichts mehr im Weg.



Mystisch und wunderschön, so lässt sich Usbekistan beschreiben. Das faszinierende Land an der alten Seidenstraße lässt sich bequem und günstig mit dem Zug bereisen.



Rau und abenteuerlich. Auf dem Rücken eines Pferdes Kirgisistan entdecken.




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Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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