Unsere Pläne nach 2 Jahren auf Weltreise: Auf in die Zukunft!


Auf dem Blog haben wir unsere Pläne für unser Leben nach der Weltreise noch gar nicht offiziell geteilt. Das muss sich unbeding ändern!


Die große Frage war bei uns nämlich auch irgendwann: Was kommt eigentlich danach?


Dadurch, dass wir ohne Route, Plan oder Enddatum gereist sind und wir unsere Köpfe komplett frei von Verpflichtungen und Gedanken an das „Danach“ haben wollten, fiel diese Entscheidung bei uns erst knapp 18 Monate nach Start der Reise.


Aber erst mal von vorne!


2017, Fitzroy Crossing, Australien. Kurz vor Start unserer Reise! Die Vorfreude war grenzenlos!

Backflash 10.11.2017


Unser letzter Arbeitstag in Australien ist angebrochen, die Vorfreude grenzenlos und den letzten Arbeitstag erleben wir wie in Trance. Ein Jahr zuvor haben wir auf unserer kleinen Terrasse mitten im australischen Outback entschieden:


Ja man! Wir machen das! Eine open-end Weltreise!


Und jetzt, um 20:30 Uhr ist es tatsächlich soweit. Nach 3,5 Jahren im Land steht ein Abschied bevor, aber auch ein Anfang! Der Anfang von etwas ganz Großem!


Als wir am nächsten Tag vollgepackt den Schlüssel in unserer Zimmertür umdrehen, uns ein letztes Mal wehmütig anschauen und zum Auto laufen, überkommt mich ein komisches Gefühl. Ich habe sooo lange auf den Moment gewartet, an dem die Weltreise beginnt, mir die schönsten Geschichten ausgemalt und teilweise (shame on me) das Outback verteufelt..aber:


Ich spürte tief in mir eine Wärme und das Gefühl: Das ist nicht das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben Australien! Und ich meinte damit keinen Urlaub.


Ein Wahnsinnsgefühl! Was wir in dieser Zeit erlebten, toppte komplett ALLES, was wir uns zuvor ausgemalt hatten. Niemals hätten wir gedacht, während der Reise Palau oder Kasachstan, Usbekistan oder die Mongolei zu bereisen! Klar hatten wir Ideen, aber genau so schnell verflogen diese auch wieder.


Wenn man die Wahl hat, alles zu machen worauf man Bock hat, fällt es unglaublich schwer, sich zu entscheiden. Aber: Ohne Route und Plan um die Welt zu reisen, war das Beste, das wir hätten machen können!



Dennoch kam nach knapp einem Jahr, ich glaube, wir waren zu der Zeit in Kirgistan, die große Frage auf:


Und danach?


Über das „Danach“ hatten wir uns bis dahin eher wenige Gedanken gemacht. Was wir allerdings wussten: Dass es für uns nach so vielen Jahren, die wir mittlerweile im Ausland lebten und um die Welt reisten, nicht infrage kam, zurück nach Deutschland/Europa zu gehen. Wir hatten uns seit 2012 an unseren Lebensstil gewöhnt und wollten ihn gegen nichts eintauschen:


Ein paar Monate/Jahre hart arbeiten und danach ein paar Monate/Jahre reisen. Genau so stellen wir uns unsere Zukunft vor.

In Deutschland mag dieser Lebensstil viele Fragen aufwerfen: Was ist mit dem Job? Versicherungen? Wohnung? Usw. Im Ausland, gerade in Australien und Neuseeland leben viele Menschen diesen Lifestyle und es ist überhaupt kein Problem (auch lange) Lücken im Lebenslauf zu haben.


Und es war klar: Wir fliehen nicht aus unserem Leben und wollen/werden nach der Reise wieder als Köche arbeiten!


Unser Hirn ratterte, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt (noch) keine richtige Antwort auf diese Frage.



April 2019: Die Idee ist geboren!


Es dauerte mehrere Monate, in denen wir mal intensiver, mal oberflächlicher über das Thema Leben nach der Weltreise sprachen. Eine kleine Idee war geboren, der Samen gepflanzt, aber wir brauchten ewig, um uns beide 100% dafür zu entscheiden.


Als die Idee immer konkreter wurde und wir keine Ahnung hatten, ob und vor allem wie das alles überhaupt klappen soll, folgten schlaflose Nächte. Wir wälzten uns in unserer Airbnb Bude in Hanoi hin und her, das Kopfkino spielte einen Film nach dem anderen. Tagelang. Die Augenringe wurden immer größer...Aber irgendwann war der Moment gekommen:


Wir saßen am Tisch. Schauten uns an. Außen war es ruhig. Die innere Aufregung sprudelte allerdings fast über. Und wir spürten, dass genau jetzt der Zeitpunkt gekommen war, das Ganze laut auszusprechen und anzufangen, uns darum zu kümmern.


Wir wollen auswandern! Nach Australien!


Wer hätte das gedacht!? Hermann hatte es über die Zeit immer mal wieder in den Raum geworfen und für ihn war es schon lange eine Option gewesen, für mich stand die Rückkehr nach Australien allerdings lange nicht zur Debatte.


Aber je länger ich darüber nachdachte, die ganzen positiven Aspekte bedachte und mich während der Reise auf vielen Ebenen weiterentwickelte, machte plötzlich alles Sinn. So, als ob jemand einen Schalter umgelegt hatte.



Die große Frage, die jetzt im Raum stand: Wie machen wir das?


Wir konnten ja nicht einfach nach Australien reisen, uns einen Job suchen und dortbleiben. Wir wussten, dass wir ein Sponsor brauchen, um mit unserem Job in der Gastro permanent im Land bleiben zu können.


2015 wurden wir schon einmal von einem Arbeitgeber gesponsert (d. h. uns wurde ein Arbeitsvertrag und Visum angeboten, auf dem wir legal im Land leben und arbeiten konnten), vielleicht klappt das ja jetzt auch.


Angespannt tippten wir die Zeilen runter, suchten richtige Worte und fragten vorsichtig bei unserem alten Arbeitgeber im Outback nach, ob überhaupt Interesse besteht, uns zwei wieder zurück und permanent ins Land zu holen.


Klick. Abgeschickt! Oh mein Gott!


Stoßgebete wurden Richtung Himmel geschickt. Dann warten. Und hoffen! Und bangen! Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, obwohl nur wenige Stunden später die Antwort kam.


Sure guys. Would love to have you both back. Let's work out the options!


Stand das da gerade wirklich? Waaah! Feuerwerke im Körper, das Kopfkino fing wieder an, Filme zu spielen und es fühlte sich an, als ob das Visum schon durch ist und wir morgen einreisen können. Es war zum Greifen nah! Was für ein Moment!


Wir sprangen durch die Wohnung, strahlten bis über beide Ohren und wussten, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten! Es fühlte sich gut an! 100% richtig. Bei beiden von uns.


In all der Euphorie suchten wir uns direkt einen Immigration Anwalt, erklärten ihm unsere Lage, welches Visum wir gerne beantragen würden und warteten ab. Nach ein paar Monaten, einigem Hin und Her, Absprachen mit unserem Arbeitgeber und nachdem wir uns oberflächlich mit den neuen Visaregularien (sie wurden 2018 geändert) auseinandersetzten, wurde schnell klar:


Wir brauchen eine stabile und permanente Internetverbindung, um das alles zu starten. Und Zeit!

Nach Vietnam reisten wir dennoch weiter nach Taiwan, Japan und die Mongolei.



Als wir dann eines Tages in Ulaanbaatar saßen...Bing, Sie haben Post. Ich klickte die Mail an. Sie war von unserem Anwalt. Ich las laut vor. Und dabei zog sich mein Magen komplett zusammen. Unser Anwalt erläuterte detailliert, was wir mit dem Visum, das wir beantragen wollen, genau für Schritte und Regularien erfüllen mussten. Plötzlich schien alles ganz weit weg!


Es traf uns wie ein Schock. Wir hatten uns vor der Weltreise Anfang 2017 schon mit dem Thema Permanent Residency auseinandergesetzt und hatten die Regularien von damals im Kopf. Seitdem hatte sich allerdings gefühlt ALLES verändert und die Bestimmungen wurden verschärft.


U. a. mussten wir jetzt in einem Assessment Center (eine Art Abschlussprüfung) beweisen, dass wir tatsächlich Köche sind und auf einem Niveau kochen können, das Australien verlangt.


Die Länder, in denen es möglich ist, so einen (sehr teuren) Testen zu machen, standen allerdings nicht auf unserer Reiseliste. In Europa z. B. ist das Assessment für gastronomische Berufe nur in England und Irland möglich. Wow! Die Köpfe ratterten. Wir sprachen kein Wort miteinander. Jeder war in seiner kleinen Welt damit beschäftigt, diese Info zu verarbeiten.


Wir brechen unsere Weltreise ab!


Echt jetzt? Innerlich brach eine Welt zusammen! Komplettes Programm! Denn wir hatten schon das Flugticket ins nächste Land gebucht. Es sollte zurück nach Kasachstan und dann weiter nach Tadschikistan gehen. Soweit die Idee.

Aber der nächste große Traum, das Auswandern, stand in den Startlöchern! Außerdem wurde unser Geld knapper und wir hätten sowieso nur noch bis Ende 2019/Anfang 2020 reisen wollen.


Minuten der Stille vergingen, aber wir kannten beide die Antwort! Es brauchte keine Worte.Wir entschieden den nächsten Schritt noch auf dem Sofa, auf dem wir sassen, als wir die Mail vom Anwalt gelesen haben.


Es fiel uns (besonders mir) extrem schwer, die Entscheidung zu akzeptieren. Die nächsten Tage verliessen wir die Wohnung nur selten, sprachen wenig und mussten erst mal klarkommen. Aber jedes Ende bringt Platz für Neues und wir wussten, dass es der einzig richtige Weg war. Auch wenn dieser Tag rückblickend der schlimmste unserer gesamten Reise war.


Die letzten Tage in der Mongolei. Da hatten wir noch keine Anung, dass unsere Reise bald vorbei sein wird!

Zurück in Deutschland


Eine Woche später landeten wir in Berlin. Völlig perplex, völlig verpeilt und durch den Wind aaaaber:


Wenn wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben, wird alles dafür gegeben! So auch dieses Mal.

Wir absolvierten unsere IELTS-Tests (ein Englisch Test für das Visum, den man mit einer gewissen Punktzahl bestehen muss), meldeten uns für das Assessment Center an, suchten alle Dokumente und Unterlagen zusammen und sortierten alles, was wir für die Auswanderung brauchen.


Dazwischen wechselten wir zwei Mal unseren Anwalt, bis wir endlich jemand gefunden hatten, bei dem wir das Gefühl hatten, bei jemand kompetenten gelandet zu sein.


Es dauerte ewig, bis wir ein Datum für unser Assessment in Belfast bekamen, erst im Februar 2020 war es soweit. Innerlich stieg die Anspannung und wir waren aufgeregt ohne Ende, denn:


  • Das Assessment war echt teuer und wenn wir es nicht bestehen, dürfen wir noch mal bezahlen und nach Nordirland fliegen.

  • Gefühlt war das unsere größte Hürde! Wir mussten es einfach schaffen! Unsere gesamte Zukunft hing mit an dieser Prüfung.


Hermann war zuerst dran, drei Wochen später dann ich. Dutzende Fragen zu unserem Job wurden uns gestellt. Der Druck war extrem hoch!


Hermann bekam Ende Februar sein positives Ergebnis, wir waren gerade in einem kleinen Homestay irgendwo in Irland; ich durfte am 12.3. in Hannover jubeln!


Wir hatten es tatsächlich geschafft und waren ENDLICH bereit für den nächsten Schritt. Wahnsinn! Es ging echt voran! And again: Das positive Testergebnis fühlte sich innerlich wieder so an wie die Bestätigung der permanenten Aufenthaltsgenehmigung. Wir hatten das Gefühl, dass uns nichts und niemand mehr aufhalten konnte!


Wir hatten unser Assessment in Belfast erfolgreich hinter uns und waren bereit für den nächsten Schritt!

Unser heimlicher Plan


Wir wollten Ende März/Anfang April 2020 auf einem Touristenvisum nach Perth reisen und vor Ort den Visaprozess starten. Vorteil: Wir kriegen ein Überbrückungsvisum und können direkt anfangen zu arbeiten.


Es sollten nur noch ein paar Ärzte in Deutschland abgeklappert werden und dann wollten wir eigentlich schon im Flieger sitzen und uns heimlich verkrümeln.

Dann kam Corona


Wow! Was sollen wir sagen? Es war, als ob uns jemand komplett den Boden unter den Füßen wegreißt. Wie ein Wirbelsturm, der ein Mal durch uns durchpeitschte und alles auf den Kopf stellte.


Panisch wollten wir für den 16.3 noch einen Flug nach Perth ergattern und beantragten sogar das Touristenvisa, das auch genehmigt wurde. Dann war klar: Die Grenzen schließen! Etwas, das wir uns zuvor niemals hätten vorstellen können. Für uns war es selbstverständlich, kurz online zu gehen, einen Flug zu buchen und uns auf den Weg zu machen. Plötzlich änderte sich ALLES. Bei allen!


Was folgte, war der Supergau!

Unser Arbeitgeber steckte tief in der Krise und roten Zahlen, die Grenzen waren dicht, keine Touristen, die bekocht werden wollen. In unseren Köpfen Chaos, ABER! Wir ließen uns nicht unterkriegen. Blieben positiv, das Bauchgefühl war weiterhin gut. Wir blieben mit unserem Arbeitgeber in Kontakt, der uns versicherte: Sobald sich die Lage einigermaßen entspannt hat, starten wir.


Die Lage blieb aber kritisch.


Es vergingen Monate, die nicht einfach waren. Die uns nächtelang wach liegen ließen. In denen wir anfingen zu zweifeln. Es lag nicht mehr in unserer Hand. Wir hatten ALLES für den nächsten Traum gegeben, es fehlte nur noch der allerletzte Schritt. Die Beantragung des Visums.


Wir änderten unseren Masterplan und werden das Visum nun aus Deutschland beantragen, denn die Grenzen für Touristen werden wahrscheinlich noch lange geschlossen bleiben.


Sobald unser Permanet Residency Visum bestätigt ist, was aktuell 4-5 Monate dauert, können wir einreisen. Das ist für Citizens und Permanent Residents möglich. Auch wenn die Grenzen zu sind.


Das Outback in Australien. Dort zu leben? Unser großer Traum!

Unser Fokus!


Wir bleiben positiv. Auch wenn es zwischendurch schwer war und ist.

Wir fokussieren uns auf das Gute in der Situation...z. B., dass wir mehr Zeit mit unseren Lieben verbringen, einen kompletten Sommer in Deutschland bleiben können und gesund sind. In jeder Situation gibt es was Gutes und das ganze Chaos weltweit wird für irgendwas gut sein. Auch, wenn wir es jetzt noch nicht erkennen.


Außerdem versuchen wir, für uns rauszufinden, was diese Situation uns persönlich sagen möchte.

Mittlerweile sind uns einige Dinge klar geworden und wir sind dankbar. Dankbar in dieser Zeit, genau hier zu sein! Aber:



Irgendwann kommt der Tag und wir werden aus der Ferne das Ortsschild von Fitzroy Crossing sehen. Werden immer näher kommen und an alles zurückdenken, was seit unserer Weltreise, ach was sag ich...seit 2012 alles passiert ist. Es wird mit Sicherheit auch das ein oder andere Tränchen kullern und: Es wird sich ein weiterer Kreis auf unserer Lebensreise schließen!


Wir freuen uns drauf!


Auf laue Sommerabende am Lagerfeuer, die Ruhe im Outback, darauf unsere Kochjacken überzuwerfen, uns einen Kaffee durchzulassen, mit Messertasche unterm Arm in die Küche zu gehen, tief durchzuatmen und loszulegen.


In unserem neuen alten Leben in Australien!




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Kati &   Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben.

 

Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

Kati + Hermann

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