Reisebericht Tokio: Zwischen Traditionen und Wahnsinn

Aktualisiert: 14. Juli 2019


Voller Kultur und Traditionen, aber auch voll von verrückten und einzigartigen Dingen, die einen wie damals als Kinder mit strahlenden Augen dastehen lassen, das ist Tokio. Kontrastreicher, abgefahrener und vollgebauter: die Stadt der Superlative. Ca. 14 Millionen Menschen nennen Tokio ihr Zuhause. Im gesamten Ballungsgebiet leben sage und schreibe um die 38 Millionen Menschen. Unser Reisebericht zwischen Traditionen und Wahnsinn.

Wir hatten alle Hotels in Japan im Voraus gebucht, was eigentlich untypisch für uns ist, wir wollten aber wiegesagt das maximale aus den vier Wochen unseres Aufenthalts herausholen. Es war oft eine Herausforderung diese dann auch zu finden, Google Maps hatte da so einige Probleme, wir auch. Wir kamen an der Tokio Station, dem Hauptbahnhof in Tokio aus Richtung Nozawa Onsen an, wo wir die letzten Tage im Schnee mit Snowboarden verbracht hatten. Der riesengroße Bahnhof, die Menschenmassen, man könnte denken, es würde absolut chaotisch zugehen. Nicht in Japan, diese Ruhe und Ordnung trotz der Unmengen von Menschen, die uns umgaben, war erstaunlich. Es geht respektvoll und gesittet zu, ohne Drängelei oder Pöbelei. Wir waren im ersten Moment etwas überfordert mit der gesamten Situation und wussten nicht genau, wir wir den Bahnhof verlassen sollten. Es gibt elektronische Schranken, an die man sein Ticket hält und beim Aufleuchten des grünen Lämpchens einfach durchgehen kann. Probierten wir aus, ist aber leider nicht für den Japan Rail Pass (JRP) freigeschaltet. An jedem Ein- und Ausgang zu den Shinkansen Bahnsteigen befindet sich ein kleiner Schalter, an dem man seinen JRP vorzeigt und nach kurzer Kontrolle passieren darf. Wir verliessen schließlich den Bahnhof und begaben uns auf die Suche nach unserem Hotel. Es dauerte keine 15 Minuten und wir hatten uns das erste mal verlaufen, sodass wir erstmal in eine kleine Superette gingen und uns nach jemandem umschauten, der so aussah, als würde er Englisch verstehen. Wir fanden dann Gott sei Dank diesen einen Mitarbeiter, der uns mit gebrochenem Englisch, seinem Handy und einer anderen App zu verstehen gab, das unser Hotel nur 100m entfernt liegt und wir schon dran vorbei gelaufen waren. “Willkommen in Tokio”. :) Unser Hotel lag zentral und mit super Anbindung an die U-Bahn. Die Zimmer waren recht klein, aber ausreichend. Mir gefiel besonders gut, dass dort im Badezimmer Shampoo, Spülung und Duschgel von Shiseido in 500 ml Spendern zur Verfügung stand. Die Rezeptionistin gab uns ausserdem verschiedene Gesichtsmasken, Lotionen und Cremes zum “Probieren” mit. Tee und Kaffeestationen gab es im Zimmer, gratis Internet auch. Frühstück hatten wir hier nicht dazu gebucht, wir wollten lieber auswärts essen. Die beste Möglichkeit sich in Tokio fortzubewegen ist die U-Bahn und die Yamanote-Line (Ringlinie durchs Zentrum) bzw. die Chuo-Sobu-Linie. Wir hatten glücklicherweise direkt eine Haltestelle vor dem Hotel. Die erste Fahrt am nächsten Morgen war ein bisschen verwirrend, wir haben uns direkt verfahren, aber hey, das gehört zu einem Japanbesuch dazu. Wir merkten es zum Glück relativ schnell und fuhren einfach wieder zurück. Beim Ticketkauf am Automaten nicht gleich aufgeben, es laufen Angestellte umher, die gerne helfen. Einer hatte wohl die Fragezeichen in unseren Augen gesehen und kam direkt zur Hilfe.


Highlights unseres Tokio Aufenthalts:

Ginza Sky Tree Asakusa Shibuya Harajuku Akihabara Maid Café Tsukiji Fischmarkt Kaiserpalast



Ginza

Ginza, der Stadtteil für den etwas besser betuchteren Reisenden, war vom Hotel aus gut zu Fuss erreichbar. Wir waren gleich noch am ersten Abend dort um uns schon mal umzuschauen und uns langsam an so eine riesige Stadt zu gewöhnen. Wir hatten das gesamte Jahr vor unserem Japanbesuch im Outback von Australien gelebt und ca. 400 km um uns herum war einfach mal nichts, abgesehen von den 1.000 Einwohnern in unserem Dorf. In Ginza gibt es viele westliche High End Ketten, aber auch viele traditionelle Geschäfte, viele Bäckereien und Sweet Shops, die Gebäck und Süßigkeiten in Perfektion anbieten. Lust auf einen 10$ Kaffee? Auch den wird man dort finden. Außerdem viele Kunstgalerien, Nachtclubs und Bars. Nachts haben Großstädte meistens ihre ganz eigene Atmosphäre, so auch Tokio. Alles glitzert, flackert und blinkt, überall Reklametafeln, viele Autos und die typischen japanischen Taxis, aber vor allem Menschenmassen. Egal, wo man hinschaut: Menschen.

Sky Tree Als erstes besuchten wir den Sky Tree, einen der höchsten Fernsehtürme der Welt (634 m) mit jeweils einer Besucherplattform auf 350 und 450 m. Die Ticketpreise haben es allerdings in sich. Man kann im Eingangsbereich nur die Tickets für die erste Plattform auf 350 m (das Tembo Deck) kaufen. Will man auf die zweite auf 450 m (die Tembo Gallery), kauft man die Tickets auf dem Tembo Deck. Wie überall in Japan wird man auch hier von vielen freundlichen Mitarbeitern begrüsst, die einem den Weg weisen und einem einen schönen Aufenthalt/Tag wünschen. Weil wir schon vor der Öffnung des Sky Tree ankamen und mit als erste hineingingen, wurden wir Zeuge des morgendlichen Einstimmungsliedes, das die Mitarbeiter täglich kurz nach der Öffnung singen. Verstanden haben wir allerdings nix.


Auf der ersten Plattform angekommen standen wir erstmal mit großen Augen vor den Glasscheiben. Häuser wohin das Auge reicht. Überall. Alles voll!

Wir hatten großes Glück mit dem Wetter. Strahlend blauer Himmel, wir konnten den Fuji-San am Horizont sehen. Wir liefen einmal im Kreis, vorbei an kleinen Souvenirshops, Cafés und einem Glasboden, von dem man den gesamten Blick nach unten “genießen” konnte. Es machte keinen Unterschied, in welche Richtung wir schauten, alles war voller Gebäude. Wir wollten natürlich noch auf die höher gelegene Besucherplattform. Zack, Tickets gekauft und hoch. Oben angekommen hat man nochmal einen etwas besseren Blick auf Tokio. Es gibt dort so etwas wie einen verglasten Tunnel, der außen am Gebäude entlangführt und den man entlang spazieren kann. Den “World's Highest Skywalk”. Nachdem wir unsere Runden gedreht hatten, wollten wir den Ausblick noch bei einem Kaffeechen genießen. Wir ergatterten einen Fensterplatz mit Ausblick auf den Mount Fuji. Snacken kann man dort oben auch, die Preise sind etwas teurer, aber noch im Rahmen.

Bevor wir uns an diesem Tag auf den Weg zum Sky Tree machten, hatten wir im Internet von stundenlangem Anstehen gelesen und waren daher schon kurz vor Öffnung dort. Menschenmassen und Warteschlangen haben wir keine gesehen und wir waren mit die ersten, die oben ankamen. Die Fahrt zur ersten Besucherplattform dauert nur wenige Sekunden, im Fahrstuhl spielt - wie man sich das so aus Japan vorstellt - kitschige Musik. Nachdem man wieder unten angekommen ist, laden in der direkten Umgebung riesige Shopping Komplexe, ein Aquarium und viele Restaurants zum Verweilen ein, und man kann den Sky Tree nochmal in Ruhe auf sich wirken lassen. Asakusa Asakusa liegt relativ nahe am Sky Tree und so war dies unser nächster Stopp. Von der U-Bahn-Haltestelle geht man einige Minuten zu Fuß bis zum Kaminari Tor mit seinen riesengroßen Laternen, das den Eingang darstellte. In Asakusa ist ein wenig der Atmosphäre des alten Tokio's erhalten geblieben.

Wenn man durch das Tor hindurch geht, kommt man an die schön dekorierte Nakamise Straße, die direkt zum Tempel führt. In dieser Shopping Straße kann man z.B. Souvenirs kaufen, kleine japanische Snacks probieren oder auch dabei zusehen, wie diese hergestellt werden. Die Seitenstraßen, die von der Hauptstraße abgehen sind nicht so überlaufen und man kann dort bessere Schnäppchen machen, egal ob Snacks oder Souvenirs. Tipp: Wenn man in Asakusa die Touristenwege verlässt und in die kleinen und sehr engen Seitengassen geht, kann man erahnen, wie Tokio vor langer Zeit einmal ausgesehen haben muss.


Nach unserem Tempelbesuch in Nozawa Onsen sahen wir nun unseren zweiten großen Buddhatempel: Der Senso-ji Tempel, der im 7. Jahrhundert erbaut wurde, ist umgeben von vielen kleineren Gebäuden und einer fünfstöckigen Pagode. Die Japaner kommen zum beten hierher, man kann Räucherstäbchen kaufen und in eine überdimensionierte Räucherschale stecken. Der Tempel, so wie er heute zu sehen ist, wurde aber rekonstruiert. Im Tempel selbst befindet sich eine große Buddhastatue und ein wunderschöner, güldener Altar.

Wir verbrachten eine ganze Weile dort, zündeten Räucherstäbchen an, besichtigten den Schrein und schossen ein paar Fotos, als auf einmal ein kleines Mädchen in Begleitung eines älteren Mannes auf uns zu kam. Beide lächelten uns an und der ältere Herr schob das Mädchen behutsam in unsere Richtung. Sie fragte uns schüchtern auf Englisch, wo wir herkommen und was wir hier in Japan machen. Sie war sichtlich nervös.


Es stellte sich heraus, dass der Mann ihr Englischlehrer war und sie nun in einem Feldversuch ihr erlerntes Englisch an Touristen ausprobieren durfte. Zum Dank, dass wir uns die Zeit nahmen und all ihre Fragen beantworteten, überreichte sie uns zwei selbstgefaltete Papierkraniche und bedankte sich höflich. Wir winkten zum Abschied und steckten die Papierkraniche ein, diese sollten später auf unserer Reise noch Verwendung finden.

Shibuya Wenn man an Shibuya denkt, fällt einem sicher zuerst die berühmte Kreuzung ein, die je nach Tageszeit tausende von Menschen zur gleichen Zeit überqueren. Sie liegt direkt vor dem Hachiko Ausgang der Shibuya Station und ist wohl einer der populärsten Fotospots in ganz Tokio.

Wir waren natürlich auch da, (leider) nicht zur Rush Hour, dennoch waren Horden von Menschen dort, die mit uns gemeinsam die Straße überquerten. Direkt neben der Kreuzung steht die berühmte Hachiko Hundestatue. Der treue Hund kam jeden Tag um die gleiche Uhrzeit zur Shibuya Station, um seinen Menschenfreund zu begrüßen und abzuholen. Als dieser dann eines Tages verstarb, kam Hachiko weitere 7 Jahre jeden Tag vorbei, um zu schauen, ob er wohl heute endlich wieder da sein wird. Die Statue ist ein beliebter Treffpunkt bei Japanern.

Die Shibuya Station ist eine von Japans belebtesten Bahnhöfen, mit täglich mehreren Millionen Pendlern. Außerdem ist Shibuya einer von Japans farbenfrohen, bunten und ausgeflippten Stadtteilen, toll zum Shoppen, es gibt all den verrückten Kram, den man mit Japan in Verbindung bringt. Hier werden Trends geboren, es ist einer DER Stadtteile, in denen die Jugend auf der Suche nach Fashion und Trash ihre Zeit verbringt. Sehen und gesehen werden, flanieren durch die riesigen, mehrstöckigen Shoppingmalls: Einige nur für Damen, einige nur für Herren. Kleine, verwinkelte Gassen mit verrückten Shops, die z.B. nur bedruckte Socken verkaufen (da konnte ich nicht widerstehen.). Hello Kitty, Little Twin Stars, Pompompurin, My Melody oder Gudetama (mein Favorit). Merchandise im Überfluss, verrückte Souvenirshops mit schwachsinnigem Klimbim, den man eigentlich nicht braucht, aber trotzdem kauft, oder kleine Zoohandlungen, in deren Schaufenstern kleine, flauschige Welpen zur Schau gestellt werden. Es gibt in Shibuja einen Bereich, der den Love Hotels gewidmet ist: Love Hotel Hill. Diese einzigartigen Hotels erkennt man meist an ihrem kitschigen Design und den verrückten Namen. Sie werden gerne und oft von japanischen Paaren in Anspruch genommen, die ungestört einige Stunden zu zweit verbringen wollen. Aufgrund der Wohnsituation in japanischen Städten ist es meist bequemer, sich für einige Stunden in den Love Hotels zu treffen.


Man kann sie tagsüber für ein paar Stunden mieten (rest) oder für eine Nacht (stay). Sie haben oft Themenzimmer, egal ob Hello Kitty oder SM, und man kann z.B. Kostüme ausleihen. Der gesamte Ablauf vom Einchecken bis zum Auschecken läuft meist anonym ab. Am Eingang drückt man einen Knopf, um sich das jeweilige Zimmer auszusuchen, geht dann zur Rezeption, wo bezahlt wird. Man sieht sich gegenseitig nicht, weil durch das winzige Fenster dort wirklich nur das Geld oder die Kreditkarte durchpasst. Harajuku Uns persönlich hat Harajuku besser gefallen als Shibuya, denn dort war es noch einen Tick verrückter. Harajuku ist das Zentrum des Cosplay und der Teeniefashion. Es wirkte auf uns alles ein bisschen extremer. Die Jugend trifft sich auch hier um zu sehen und gesehen zu werden. Gestylt, als ob sie gerade aus einem Computerspiel in die reale Welt gehüpft wären. Ich wollte bei unserem Tokio Aufenthalt unbedingt Harajuku Girls sehen, und wurde nicht enttäuscht. Ihre quietschbunten Outfits, Perücken, krass und knallbunt geschminkt, hohe Plateauschuhe! Super! Als ob sie sich stundenlang für diesen einen Moment gestylt hätten, auf der Takeshita Straße auf und ab zu laufen. Auch hier, auf der Takeshita Dori und ihren vielen, kleinen Seitenstraßen findet man trendige und verrückte Shops, Klamotten, Trash, Assessoires, aber auch Crêperien oder Food Malls. Es reihen sich Geschäfte dicht an dicht, vollgestopft mit Krimskrams, Merchandise, verrückten Klamotten, alles ist knallbunt, laut, es spielt Musik. So wie die Shops einzigartig sind, so sind es auch die Snackmöglichkeiten. Eistüten, so groß und bunt, wie wir sie noch nie zuvor gesehen hatten, Crêpes Stände mit allen erdenklichen Toppings von Obst, Sahne, Streusel über Sossen in verschiedensten Geschmacksrichtungen, auch Wasabi. Die Teenies stehen Schlange.



Die Straße wird in den Nachmittagsstunden brechend voll, man schiebt sich regelrecht vorwärts, dennoch ist sie unbedingt einen Besuch wert. Egal, was dein Favorit in der Kindheit war oder immer noch ist: Tamagotchi, mein kleines Pony, Arielle die Meerjungfrau, Hello Kitty, Super Mario... du wirst es hier finden. Wir gingen die Straße einige Male auf und ab, konnten nicht genug von der Crazyness bekommen und entdeckten jedes Mal etwas neues, das wir davor noch nicht gesehen hatten.


Reizüberflutung hoch zehn.

Für mich war Harajuku ein Highlight, weil ich dort voll auf meine Kosten gekommen bin und hemmungslos all das einkaufen konnte, was ich schon immer von meinen Lieblingscharakteren haben wollte. Die Auswahl ist riesengroß, deshalb nimm genug Zeit und Geld mit!

Unweit der Takeshita Straße liegt die Omotesando Straße, die eher das ältere und gut betuchte Klientel anlocken soll. Viele bekannte Modefirmen wird man hier finden. Wir sind nur einmal durchgelaufen, uns interessierte mehr der Trash. Zum Essen gingen wir an diesem Tag in ein etwas größeres Restaurant in Harajuku. Englische Brocken wurden verstanden, aber auch hier halfen uns die Bilder weiter, wobei wir teilweise nicht genau wussten, was genau das da auf den Bildern sein sollte. Wie in Japan üblich, bestellten wir uns viele kleine Gerichte zum Teilen. Highlight des Tages war für uns das Pferde Sashimi. Ja Pferde Sashimi. Rohes Pferdefleisch: zart und super lecker!

Wir gingen in Japan fast immer in den kleineren Seitenstraßen essen, nie direkt an den Hauptstraßen. Wir landeten dabei nicht selten in Lokalen, in denen niemand Englisch sprach und wir nach Bildern aussuchten bzw. mit ein paar Brocken Japanisch versuchten, etwas essbares zu bekommen. In vielen Restaurants gibt es ein Display aus Fake Food. Quasi das Gericht aus Plastik/Gummi nachgebaut, damit man direkt sieht, was es dort gibt und ob es einen anspricht. Fanden wir super! Einfach drauf zeigen und schon hat man's bestellt.

Akihabara Akihabara ist eines der Elektronikviertel von Tokio. Berühmt für seine vielen Shops, in denen man alles rund um das Thema Elektronik kaufen kann, aber auch zum Thema Anime, Manga und Cosplay. Dazu auch Sammlerstücke und Retro-Videospiele. Es gibt viele Game Stores, in denen man versuchen kann, an Greifmaschinen verschiedene Figuren, Süßigkeiten oder z.B. Kissen aus den Automaten zu ziehen, oder wo man seine Lieblingscomputerspiele zocken kann. Wir verbrachten einige Stunden dort und fühlten uns, als wären wir wieder 10 Jahre alt. Unser Favorit waren diesbezüglich die Sega Play Stores.


Viele Japaner verbringen ihre Pausen dort, um abzuschalten. Vorsicht, macht süchtig. Wir haben nach vielen Versuchen und viel investiertem Geld eine Manga Figur “gewonnen”. Wir hätten für denselben Betrag eine in den umliegenden Manga Stores kaufen können, aber dann wäre es nicht so spaßig gewesen. Es gab dort mehrere Etagen, mit verschiedenen Spielekonsolen und Automaten. Von Streetfighter bis hin zu Ballerspielen ist alles vertreten. Man sollte allerdings beachten, dass wenn man in Akihabara Elektronik einkaufen möchte, die Netzspannung in Japan nur 100 V beträgt und es somit technische Differenzen zu europäischen Produkten gibt. Ein in Japan gekauftes Gerät könnte also z.B. beim Anschluss in Deutschland durch die dort höhere Netzspannung von 220 V im schlimmsten Fall zerstört werden. Es gibt in Akihabara allerdings einige Shops, die sich auf ausländische Touristen spezialisiert haben und Dinge verkaufen, die ohne Probleme im Ausland genutzt werden können. Tax free Shops gibt es auch zur Genüge. In Akihabara findet man auch das bekannte Robot Restaurant. Wir hatten davon mal in einer TV Doku gehört, hatten aber leider keine Zeit, dorthin zu gehen. Vielleicht beim nächsten mal.

Maid Cafe

Stattdessen waren wir in einem Maid Café. Wir hatten die ganze Zeit überlegt, ob wir das machen sollen oder nicht. Da kam uns gerade recht, dass eine Maid uns auf der Straße ansprach und uns animierte, hineinzugehen. Sie war süß zurechtgemacht und sehr freundlich, da konnten wir einfach nicht nein sagen. Unserer Meinung nach kann man sich das aber sparen. Vielleicht haben wir einfach ein schlechtes erwischt, aber uns hat es überhaupt nicht gefallen. Überteuerte Speisen und Getränke, alles frittiert und aus der Tiefkühltruhe. Die Mädels, die oben im Café arbeiten, sahen trotz Schminke fertig und müde aus. Das Ambiente und die Deko wirkten abgenutzt und lieblos. Wir hatten das Gefühl, abgefertigt zu werden. Schnell was essen und trinken, dann das obligatorische Foto und schnell Platz machen für die nächsten Touristen. Man wurde zu einem Tisch gebracht und bekam die Speisekarte. Nach kurzer Zeit kam die Maid, man musste mit ihr ein Gedicht aufsagen, bekam einen Haarreif mit Tierohren aufgesetzt und musste ein Lied mit ihr singen, bevor man bestellen durfte. Es war irgendwie süß, aber zur gleichen Zeit irgendwie so gezwungen, so als ob sie überhaupt keine Lust hatte, dort zu sein. Obwohl sie mit uns am Tisch stand und ihre Show ablieferte, schaute sie sich ständig um und wirkte abwesend. Schade. Wir hatten uns eigentlich total auf das Foto mit der Maid gefreut, dafür mussten wir dann aber am Ende noch extra bezahlen. Die Preise waren astronimisch, egal ob für den Kaffee oder das Foto mit der Maid. Wir hatten uns irgendwie mehr versprochen. Falls du bei deinem Japanbesuch in einem tollen Maid Café warst und positive Erfahrungen machen konntet, lass es uns bitte wissen. :)

Wir sind dann weiter in einen Shop mit Fotoautomaten. Total verrückt und komplett anders, als die, die man in Deutschland so stehen hat. In Japan sind sie riesengroß. Ich glaube, der Automat, in dem wir waren, war locker 10 qm groß. Man wird mit Musik begrüßt, kann aussuchen, wieviele bzw. welche Fotos man machen lassen will. Leider war dort alles auf Japanisch, wir hatten dennoch Spass (oder gerade deswegen). Man kann dort an den Automaten alles an sich verändern, die Augen, Haare, selbst die Gesichtsform, die Haut glattbügeln, verrückte Dinge hinzufügen. Hahaha, wir haben uns totgelacht. Wir sahen irgendwann aus, als kämen wir aus einem Anime. Als wir fertig waren, versuchten wir rauszufinden, wo man die Fotos abholt. Sie wurden dort nicht wie in Deutschland einfach unten am Automaten ausgedruckt, sondern es gab einen extra Bereich, in dem man die Fotos abholen konnte. Das haben uns zum Glück die Cosplay Teenies erklärt, die sich gerade kichernd ihre Fotos anschauten. In Akihabara gibt es Unmengen an Manga & Game Stores, wir waren in einigen drin. Wenn man sich mit der Materie nicht auskennt, ist man verloren zwischen den verschiedenen Figuren, Kostümen, Comics und Merchandise. Eine total andere Welt, der man unbedingt einen Besuch abstatten sollte. Man findet dort Japaner aller Altersklassen, es gibt unzählige Geschäfte, in denen auf mehreren Etagen tausende von kleinen und großen Animefiguren verkauft werden.

Wir verbrachten auch einige Zeit in Cosplay und Manga Stores, in denen man Perücken und Outfits kaufen konnte. Der absolute Hammer. Die Perückenfarben, die es dort gab, würde ich auf 200 schätzen. Locker! Es gab dort alle Haarlängen, die man sich vorstellen kann, Zöpfe, Clip in Pony's, alles was das Herz begehrt. Alles von hoher Qualität und made in Japan. Kein Ramsch aus China. Hauptkundschaft dort waren junge Mädels, die total süß zurechtgemacht waren, mit viel Liebe zum Detail. Dort erlebten wir Japaner, die mal etwas aus sich rauskamen, sich freuten, laut lachten oder Späße machten. Etwas, das man sonst selten in der Öffentlichkeit sieht. Tipp: In Japan sind Geschäfte meist übereinander angesiedelt. Das liegt vor allem am Platzmangel. Es lohnt sich also öfter mal ein Gebäude zu betreten und die verschiedenen Etagen mit dem Fahrstuhl abzufahren. Tsukiji Fischmarkt Wir machten uns wieder sehr früh auf den Weg, um einen der größten Fischmärkte der Welt zu besuchen. Von der U-Bahnhaltestelle waren es noch ungefähr 10 Minuten Fußweg bis zum Markt. Der eigentliche Markt ist von vielen kleinen Gassen umgeben, in denen sich Geschäfte und Stände befinden, die frisches Gemüse, frische Meeresfrüchte und alles was man sonst noch so braucht verkaufen. Wir schlenderten ein wenig um den Fischmarkt herum, aßen Austern zum Frühstück (die fleischigsten, die wir je gegessen haben), kauften japanische Messer und beobachteten die vielen Menschen, die alle hektisch und schnell in Richtung Fischmarkt brausten. Wir folgten ihnen und gingen weiter in den Innenbereich: Die Fischhallen waren immer noch für Touristen geschlossen. Man kann sie erst ab 10.00 Uhr betreten, da vorher die Einheimischen dort einkaufen und man als Tourist nur im Weg rumstehen und sie bei der Arbeit stören würde.


Einen Bereich kann man jedoch schon früher besichtigen, so machten wir uns auf den Weg dorthin. Auf einmal waren wir umgeben von Gabelstaplerfahrern, die hupten und durch die engen Gassen manövrierten, von Verkäufern, die lauthals mit Notizheften und Telefon am Ohr Tagesfang anpriesen, von Köchen mit konzentriertem Blick, die nach dem besten Tagesfang Ausschau hielten, sowie Hausfrauen, die Abschnitte für ihre Brühen kauften. Mittendrin Touristen, die sich das bunte Treiben anschauten und eigentlich immer im Weg standen. :) Es geht alles sehr hektisch zu und man muss ständig aufpassen, nicht überfahren zu werden oder jemanden beim Arbeiten zu stören. Die Auswahl auf dem Markt ist riesengroß, alles, was das Meeresfrüchte/Fisch Liebhaberherz begehrt, findet man dort. Riesenmuscheln, Kugelfische, Kalmare, Riesenkrabben, Fische in allen erdenklichen Größen, Shrimps, Königskrabben und auch Wal. Wir sahen Fischarten, die wir noch nie zuvor gesehen hatten, die Gänge sind vollgestopft mit frischem Tagesfang. Die Thunfischauktion ist natürlich DAS Highlight eines Besuchs auf dem Fischmarkt, jedoch ist dieses Privileg täglich nur 120 Menschen vorbehalten. Ab 5 Uhr morgens geht's los, man muss sich aber zuvor beim Fischinformationszentrum anmelden. Wer als erster da ist, kommt auch rein. Teilweise stehen dort Menschen schon ab 2 Uhr nachts an, um sicherzugehen, bei diesem Spektakel dabei sein zu können. Nachdem wir genug vom Trubel hatten, wollten wir eigentlich wieder zurück zur U-Bahn laufen. Wir gingen an kleinen Seitengassen vorbei, in denen wir viele Japaner vor Geschäften (dachten wir erst) anstehen sahen. Wir blieben eine Weile stehen, schauten genauer hin. Die ganzen Schilder waren auf Japanisch, wir erkannten aber, dass es Sushirestaurants und keine Shops waren. Yeah! Lass da reingehen. Sushi zum Frühstück auf dem Fischmarkt?

Wir fanden eins, an dem die Schlangen nicht allzu lang waren und wir keine zwei Stunden anstehen mussten. Wir aßen - glaube ich - das frischeste Sushi unseres Lebens. Hammer! Die Restaurants sind schlicht und einfach gehalten, mit ständigem Kommen und Gehen der Gäste, wobei wir uns zu keiner Zeit gestresst fühlten, schneller zu essen. Speisekarte auf Japanisch, allerdings mit Fotos. Sehr zu empfehlen. Achtung: Sonntags ist der Fischmarkt geschlossen. Kaiserpalast Unweit der Tokio Station (dem Hauptbahnhof) liegt der Kaiserpalast. Wir spazierten durch den Business District zum Park vor dem Palast. Der Palast selbst ist, wie für japanische Burgen üblich, von einem breitem Wassergraben und einer hohen Steinmauer umgeben. Die Anlage ist insgesamt sehr groß und streng bewacht. Der umliegende Park eignet sich gut für einen kleinen Spaziergang, um dem ganzen Trubel in der Stadt zu entkommen. Der Park ist sehr gepflegt, es gibt ein kleines Café und verschiedene Brunnen. Wirklich nah kommt man allerdings nicht heran. Der Palast, in dem Japans Kaiser residiert, ist für die Öffentlichkeit nur an zwei Tagen im Jahr zugänglich. Man kann geführte Touren buchen, die allerdings nur rund um den Palast stattfinden. Es werden keinerlei Gebäude besichtigt.


So blieb uns nur unsere Fantasie, wie es wohl drinnen aussehen mag und wie es sich wohl so lebt als Kaiser in einem abgeriegelten Bereich mitten in der Stadt.

Fazit Tokio steht wohl bei allen Japanbesuchern zurecht auf der Bucket Liste. Bevor wir dort waren, bestand unser Wissen über Tokio aus abgedrehten Berichten, die man mal irgendwo gelesen oder im Fernsehen gesehen hat. All das verrückte: kostümierte Teenies, Cafés in denen man mit Katzen, Igeln, Papageien, Schildkröten, Animegirls, Robotern oder sonst was abhängen kann. Ampeln, die Vogelgezwitscher imitieren. Menschenmassen, die alle gleich gekleidet sind, alle das selbe Handy zu haben scheinen und irgendwie, so wirkt es zumindest, alle im selben Büro arbeiten. Arbeiten bis zum Burn out. Japan ist das einzige Land der Welt, in dem es ein Wort für Tod durch Überarbeitung gibt. Es ist erstaunlich, wie alles trotz dieser “Verrücktheit” in Ruhe und Anstand zusammen findet.


Auch wenn Tokio mit dem ursprünglichen Japan fast nichts mehr zu tun hat, so findet man doch, oder auch vielleicht gerade hier, das, was Japan eigentlich wirklich ausmacht.


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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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