Hiroshima Friedenspark: Papierkraniche und bedrückende Stille

Aktualisiert: 19. Apr 2019


Der Friedenspark von Hiroshima, der mitten im Herzen der Stadt liegt und genau dort angelegt wurde, am 6.8.1945 die Atombombe explodierte. 500 m über dem Dom. Dieser steht bis heute so da, wie er direkt nach der Druckwelle und dem Feuersturm hingerichtet wurde. Wir hatten auf dem Weg dorthin beide schon ein beklemmendes Gefühl und genug Taschentücher dabei, um durch den Tag zu kommen. Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis mir/uns die ersten Tränen kommen würden. Wir wir den Tag zwischen bedrückender Stille und tausenden Papierkranichen erlebt haben, erfährst du in diesem Blogartikel.




Der Friedenspark ist wohl Hiroshimas berühmteste "Sehenswürdigkeit" und in mehrere Bereiche unterteilt. Es gibt zum einen das Friedensmuseum (Peace Memorial Museum), mehrere Bronzestatuen, die Kindergedenkstätte (Childrens Peace Memorial), umgeben von tausenden Papierkranichen, der Friedensglocke, dem Atomic-Bomb Dom, der ewigen Flamme und dem Steinmonument, in dem alle Namen der bisherigen 220.000 Opfer eingraviert sind. Des Weiteren befindet sich auf dem Gelände die National Peace Memorial Hall für alle Opfer der Atombombe.

Der Eintritt in den Park an sich ist kostenlos, es wird nur (eine geringe) Eintrittsgebühr fällig, wenn man das Museum besuchen will. Tipp: Plane genug Zeit an, um dir alles in Ruhe anzuschauen und auf dich wirken zu lassen. Wir würden auch empfehlen, den restlichen Tag danach ohne viel Trubel ausklingen zu lassen. Uns hat der Besuch zutiefst mitgenommen und wir waren danach irgendwie nicht in Stimmung, noch etwas anderes zu unternehmen.

In diesem Artikel findest du:

Alles über den Friedenspark

Unser Fazit


Friedensmuseum (Peace Memorial Museum)

Was uns beim Betreten des Friedensparks sofort auffiel, war die Stille, und das, obwohl der Park direkt im Zentrum von Hiroshima liegt. Es waren viele Touristen unterwegs, dennoch ging es recht leise und ruhig zu. Wir wollten als erstes das Museum besuchen, hatten aber wie immer mal wieder keine Ahnung, was uns dort genau erwarten wird. Das Museum besteht aus zwei Bereichen, die die Geschichte, die Auswirkungen auf Mensch/Umwelt und die Atombombe darstellen. Das Hauptmerkmal liegt allerdings im Leid der Menschen und der persönlichen Geschichte bzw. Gegenstände der Opfer.

Hinweis: Bis voraussichtlich Juli 2018 ist einer der beiden Bereiche des Museums aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen. Trotzdem lohnt sich der Besuch!

Wir waren kurz nach Öffnung da, in der Hoffnung, das Museum nicht so überfüllt vorzufinden. Wir traten ein und das erste, was wir sahen, waren überdimensionale Bilder und Wandtapeten des Atompilzes aus mehreren Perspektiven und verschiedenen Entfernungen. Wir waren gerade einmal 30 Sekunden drin und ich hatte schon einen Kloß im Hals. Bedrückung machte sich breit. Ein furchtbares Gefühl, wenn man darüber nachdenkt, was an diesem Tag eigentlich passiert ist.

Geschmolzene Glasflaschen, getragene zerfetzte Kleidung, ein kleines verschmortes Dreirad, eine Steinmauer, auf der sich ein Abdruck eines Menschen befindet, der zum Fall der Atombombe genau dort saß, zusammengeschmolzene Münzen, verbogene und deformierte Wellblechdächer, Glassplitter, die tief in Beton stecken, Papierkraniche, die von Sasaki Sadako gefaltet wurden.



Wir waren sprachlos und hatten nicht erwartet solch persönliche Gegenstände der Opfer zu sehen. Besonders schlimm war das Duplikat der Atombombe, denn sie war viel, viel kleiner als erwartet.

Überall um uns herum hörte man Schluchzen und schnaufende Nasen. Niemand sprach: Ob aus Respekt, aus Schock oder aus Trauer. Einige Menschen verließen das Museum nach kurzer Zeit wieder. Wir standen vor den Exponaten und waren fassungslos, wütend und traurig zugleich. Es fühlte sich alles so real an, so, als ob es erst vor ein paar Jahren passiert wäre. Ganz, ganz furchtbar. Und wir stehen gerade genau dort, wo das alles passiert ist!

Wir verbrachten eine gute Stunde im Museum, in der wir einige Taschentücher verbrauchten. Man kann sich am Ende der Ausstellung kurz vor dem Ausgang noch in ein Kondolenzbuch eintragen. Viele der Menschen, die mit uns das Gebäude verließen, hatten verweinte Augen. Uns beiden war danach ebenfalls nicht zum Sprechen zumute und so gingen wir bedrückt weiter zum...

Steinmonument

Wenn man direkt vor dem Steinmonument steht, kann man den Dom im Hintergrund sehen. Das Steinmonument ist ein Gedenkstein für alle 220.000 Menschen, die direkt beim Einschlag oder an den Folgen der Atombombe gestorben sind. Jeder einzelne Name der Opfer ist eingraviert. Man kann Blumen ablegen, oder Geld spenden. Vor dem Monument sind Gedenktafeln in verschiedenen Sprachen, darunter auch in deutsch ausgestellt. Auch hier kamen uns, als wir die Zahl der Opfer lasen, sofort wieder die Tränen hochgeschossen.


Ewige Flamme

Läuft man ein Stück weiter, vorbei am Steinmonument, kommt man zur ewigen Flamme. Diese brennt durchgehend seit dem 1.8.1964 und wird erst erlöschen, wenn es keine Atomwaffen mehr auf der Welt zu finden gibt.

Kindergedenkstätte (Childrens Peace Memorial)

Weiter ging's für uns zum Kinder Memorial. Sich vorzustellen, wieviele Kinder gestorben sind: Tausende unschuldige Kinder, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Einfach ausradiert.

Das Monument sah aus wie eine langgezogene Betonglocke, auf der einige Bronzestatuen in Form von Kindern und Kranichen angebracht waren. Man konnte in das Monument hineingehen und an einer Glocke läuten, die wie ein goldener Papierkranich aussah. Um das Monument ist ein Halbkreis aus Glaskästen aufgebaut, in dem tausende gefaltete Papierkraniche in allen erdenklichen Farben und Größen aufbewahrt sind. Wir hatten auf unserer Reise ein kleines Mädchen in Tokio kennengelernt, das uns beiden je einen Papierkranich schenkte. Diese legten wir hier nieder und gingen bedrückt weiter.


Sasaki Sadako

Sie ist wohl bis heute das bekannteste Opfer, das den Abwurf der Atombombe, so schien es zumindest, unbeschadet überlebt hatte. Damals war sie gerade einmal 2 1/2 Jahre alt. Zehn Jahre später wurde nach einem Zusammenbruch und anschließendem Arztbesuch Leukämie diagnostiziert. Eine ihrer engsten Freundinnen erzählte ihr von einem Sprichwort, welches besagt, dass ein Wunsch in Erfüllung ginge, sobald man 1000 Papierkraniche gefaltet habe.

Daraufhin faltete Sasaki hunderte Papierkraniche, immer in der Hoffnung, dass der Wunsch ihrer Heilung in Erfüllung ginge. Dieser Wunsch wurde aber leider nie erfüllt - sie verstarb noch vor ihrem 13. Geburtstag. Es gibt widersprüchliche Angaben über die tatsächliche Anzahl der Kraniche, die sie faltete. Die Zahlen reichen da von 644, bis hin zu über 1000. Bis heute schicken Kinder aus aller Welt Papierkraniche nach Japan, zum Gedenken an Sasaki und alle anderen Kinder, die verstarben. Die Kraniche sind bis heute ein Symbol des Friedens.

Friedensglocke

Wenn man durch den Friedenspark geht, hört man eigentlich nichts außer zwei Glocken, die immer mal wieder die Stille durchbrechen. Die eine ist, wie oben geschrieben, die Glocke am Kinderdenkmal und die andere, weit aus größere, ist die Friedensglocke.

Jeder darf sie läuten, man sollte das jedoch nicht mit zu viel Schwung tun, der Gong ist ziemlich laut und hallt lange nach. Auf dieser Glocke ist eine Weltkarte eingraviert ist, die keine Grenzen besitzt. Es heißt, dass man mit dem Läuten dieser Glocke eine Art "Schwur" oder "Statement" abgibt. Man spricht sich damit gegen jede Form von Kriegsführung aus, für alle Zeiten. Und da man diesen Schwur an einer Stelle abgibt, an der tausende Menschen gestorben sind, sollte man sich daran halten.

Weiter ging es über die Brücke zum Dom. Man kann auf dem Fluss verschiedene Bootsfahrten buchen oder sich zum Beispiel Paddleboards ausleihen. Uns war aber nicht danach zumute.

Dom (Atomic Bomb Dome)

Der Atomic Bomb Dome steht wie ein Mahnmal mitten im Zentrum von Hiroshima. Es wird alles dafür getan, dieses Bauwerk so gut es geht intakt zu halten und vor dem Kollaps zu schützen. Wir fanden eine Gedenktafel mit Inschrift und Bild, wie das Gebäude vor dem Einschlag ausgesehen hatte.

Außer im Museum wird einem auch hier, wenn man vor dem Dom steht, bewusst, welch unglaubliche Verwüstung in ganz Hiroshima stattgefunden haben muss. Was für ein Leid aus dem Nichts über die gesamte Stadt hereinbrach. Wie die Menschen am lebendigen Leib verbrannten und einige von ihnen jahrzehntelang gelitten haben, bevor sie qualvoll an den Folgen gestorben sind. Ein absoluter Albtraum.


Vor dem Dom werden einige Führungen angeboten, teils auch auf Englisch. Aber auch hier wollten wir lieber alles auf uns wirken lassen und einfach in Ruhe erkunden. Als wir glaubten, so ziemlich alles gesehen zu haben und wieder zurück zum Museum gehen wollten, kamen wir an einem Memorial vorbei, das uns zuvor gar nicht aufgefallen war.

National Peace Memorial Hall

Auch dies ist eine Gedenkstätte für alle Opfer der Atombombe. Am Eingang befindet sich ein Steinmonument in Form einer Uhr, die auf 8:15 Uhr steht, der Uhrzeit, in der die Bombe explodierte. Um die Uhr sind verschiedene originale Steinreste von Häusern, kaputten Ziegeln und Schutt gelegt, vom Morgen des 6.8.1945.

Betritt man die Halle, wird man von einer netten Dame begrüßt. Sie gab uns eine Broschüre mit allen Infos, übergab uns eine kleine gefaltete Papierbox mit zwei mini Papierkranichen und wünschte uns einen "schönen" Aufenthalt.

Wir gingen vorbei an etwas, das ich bis heute Wahnsinn finde. Ein Querschnitt der Erde in Hiroshima. Quasi, als ob jemand 10 Meter in die Erde gebohrt hat, einen Quadratmeter ausgeschnitten hat und ihn als Display aufgebaut hat. Man sieht die Erde, wie sie vor dem Einschlag aussah. Ganz normal, einfach dunkelbraune, sandige Erde. Dann kommt die Schicht um und nach dem A-Bomb Einschlag. Normale Erde sieht man keine mehr, nur Schrott, Gerümpel, Ziegel, Steine, verzogene Dinge, alles zusammengepresst und kompensiert. Dann, einige Jahre später fängt die Erde an wieder normal auszusehen.

Wir gingen weiter, einen Rundweg in die eigentliche Halle hinab, der aus reliefartigen Steinwänden bestand, in denen Hiroshimas Zentrum (nach dem Abwurf) eingraviert war. In der Mitte war ein kleiner Steinbrunnen, wieder mit der Uhrzeit des Abwurfs, umgeben von einigen Steinbänken.

Das Licht war gedimmt, ich weiß nicht wieso, wahrscheinlich war die Stille zu viel für uns, aber wir verloren beide die Fassung. Dadurch, dass man einen 360 Grad Blick auf das Zentrum nach dem Fall der Bombe hat, fühlte man sich, wie der einzige Überlebende, der nun auf die zerstörte Stadt blickt.

Fazit

Wir können jedem nur ans Herz legen, auch abseits der Osaka - Kyoto - Tokio - Route zu reisen. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu entdecken, so viel Geschichte, und gerade in Hiroschima sollte man auf jeden Fall mehr als nur einen Tag einplanen.

Wir können verstehen, wenn man auf seiner Reise nur Spaß, Halligalli und gute Laune haben will, dennoch sollte man seine Augen nicht vor der furchtbaren Vergangenheit verschließen, und wenn man Japan bereist, auf jeden Fall entweder in Hiroshima oder Nagasaki Halt machen.

Unser Japanaufenthalt wäre nicht derselbe gewesen, hätten wir Hiroshima nicht besucht. Mit eigenen Augen zu sehen, was damals passiert ist, lässt einen nachdenken, überdenken und Dinge wertschätzen. Das Leben kann so schnell vorbei sein, morgen, in zwei Jahren, in zehn! Seitdem wir Deutschland 2012 verließen, haben wir gelernt, unser Leben im Hier und Jetzt zu leben, und Hiroshima hat uns wieder einmal darin bestärkt, dass wir den richtigen Weg für uns gefunden haben.

ありがとうございます. Danke.


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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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