Koya San: Übernachten bei Mönchen am heiligsten Ort Japans

Aktualisiert: 19. Apr 2019


Hoch in den Bergen, auf dem Mount Koya, südlich von Osaka in der Wakayama Präfektur, liegt das Örtchen Koya-San. Es gilt als heiligster und spirituellster Ort in ganz Japan und wird jährlich von tausenden Pilgern und Touristen besucht. Koya San mit seiner über 1000 Jahre zurückreichenden Geschichte ist das Zentrum des Shingon Buddhismus, der im Jahre 805 von Kobo Daishi (auch Kukai genannt), begründet wurde. Dieser gehört bis heute zu den bedeutendsten religiösen Figuren in ganz Japan. Umgeben von dichten Wäldern hat man hier die Chance, einen riesigen Komplex aus Tempeln, Museen, Pagoden, Statuen und Mausoleen zu besichtigen, in einem echten Tempel bei Mönchen zu übernachten und sich mit der Geschichte, dem Leben der Mönche und der Religion vertraut zu machen. In Koya-San gibt es weit über 100 verschiedene Tempel, von denen um die 50 auch Touristen aufnehmen (Shukobu genannt) und ihnen eine mehr oder weniger authentische Erfahrung bieten. Angefangen von den traditionell eingerichteten Zimmern, mit Tatami Matten und Futon Betten, bis hin zum vegetarischen Essen (Shojin Ryori), das dort von den Mönchen verzehrt und auch den Touristen serviert wird. Einige der Tempel sind speziell auf ausländische Touristen ausgerichtet, in wenigen wird Englisch gesprochen.


Die Tempel unterscheiden sich in Größe und im Angebot des Morgengebets (unser hatte z.B. eine traditionelle Feuerzeremonie, bei der man als Gast des Tempels teilnehmen durfte), oder z.B. in der Ausstattung der Zimmer, der Onsen und natürlich der Lage. In einigen kann man sogar an Meditationen teilnehmen.



In diesem Artikel findest du: Anreise Ankunft Unser Tempel: Ichijoin Fazit Ichijoin Tempel, Schreine und Mausoleen Daimon Tor Garan Okunoin Friedhof Fazit


Anreise

Die Anreise ist sehr langwierig, dennoch unbedingt zu empfehlen. Wir fuhren zuerst mit dem Shinkansen von Kyoto nach Osaka und stiegen dann in eine Bimmelbahn um. Am besten startet man den Trip nach Koya-San direkt von Osaka aus. Teile der Strecke waren für uns nicht vom JRP (Japan Rail Pass) abgedeckt und mussten separat bezahlt werden. Man kann Kombitickets, z.B. das Koyasan World Heritage Ticket kaufen, das dann die gesamte Fahrt, als auch einige Sehenswürdigkeiten (u.a. die Daito Pagode und Kondo Hall) und die Benutzung der lokalen Busse beinhaltet.

Die Szenerie ändert sich auf der Fahrt, die Hochhäuser verschwinden, gehen über in Farmland und kleine Dörfer, bevor man langsam in Richtung Mount Koya fährt. Wälder und Berggipfel am Horizont, kleine Taldörfer, die immer mal wieder rechts und links auftauchen, wenn man aus dem Fenster blickt.


Die Stationen, an denen man Halt macht, werden ländlicher, kleine Blumentöpfe schmücken die Stops. Die Wärter mit ihren strahlend weißen Stoffhandschuhen kommen aus ihren Häuschen, den Blick auf die Uhr gerichtet, um pünktlich auf die Sekunde zu pfeifen und der Bahn eine gute Weiterfahrt zu wünschen. Egal, wohin man blickt, es liegt nur noch wunderschöne Natur vor einem. Am Endpunkt, der Gokurakubashi Station, muss man den Zug verlassen, und schon beim Aussteigen merkt man den Unterschied in der Temperatur und der Ruhe, die einen umgibt. Vor zwei Stunden noch am überfüllten Bahnhof in Osaka umgestiegen, hört man hier nichts, außer dem Bach, der direkt neben der Station fließt, Vogelgezwitscher und ein reges Treiben der Touristen, die alle in das Cable Car umsteigen, um zu ihrem Ziel, nach Koya-San, zu gelangen.

Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Regionalbahn und dem Cable Car sind perfekt aufeinander abgestimmt, Wartezeit gibt es so gut wie keine, Zeit um auf's Klo zu gehen auch nicht. Außer man beeilt sich. Es ging relativ steil aufwärts, die Durchsagen waren mittlerweile dreisprachig: Japanisch, Englisch und Französisch. Die Strecke ist einspurig, es fahren insgesamt zwei Wagen, die sich in einem Teilstück (wieder auf die Sekunde genau) treffen, um sich an dieser Gabelung zu passieren. Nach einer etwa zehnminütigen Fahrt kamen wir in Koya-San an. Wir sahen auf dem Weg nach Koya-San viele westliche Touristen und hatten schon Panik, dass unser gesamter Aufenthalt und die entspannte Stimmung an diesem heiligen Ort dadurch getrübt wird. Das Ganze verlauft sich aber recht gut, wenn man erstmal angekommen ist. Klar wird man sich bei den beliebten Spots mal über den Weg laufen, bei uns im Tempel sahen wir dann aber nur noch Japaner. Insgesamt waren wir von Kyoto – über Osaka – bis nach Koya-San um die 5 Stunden (mit Umsteigezeit) unterwegs.



Ankunft Die Ankunft war super, die klare, frische Gebirgsluft, die wir einatmeten war eine gelungene Abwechslung zur Stadtluft, die uns die letzten Tage umgab. Wir waren Anfang März dort, dementsprechend kühl war es, teilweise lag sogar noch etwas Schnee, den die einsetzende Frühlingssonne noch nicht geschmolzen hatte. Wir gingen erstmal zum Touristenbüro, um herauszufinden, welchen Bus wir überhaupt nehmen müssen und an welcher Bushaltestelle unser Tempel, Ichijoin, liegt. Die Busse fahren regelmäßig und pünktlich, man sollte allerdings beachten, dass die Fahrer KEIN Englisch sprechen und einem bei Fragen nicht weiterhelfen können. Wir waren die einzigen, die an unserer Haltestelle ausstiegen und unser Tempel sollte sich unserem Stadtplan zufolge direkt um die Ecke befinden. Wir hatten uns extra den Namen rausgeschrieben, jedoch waren alle Schilder an den Eingängen der verschiedenen Tempel auf Japanisch und für uns unlesbar. Was nun? Lass mal reingehen und fragen. Wir hatten wieder mal Glück und es war natürlich genau unser Tempel, vor dem wir da standen. Unser Tempel: Ichijoin

Der Tempel sah von außen schlicht und elegant aus, mit typisch japanisch geschwungenen Holzdächern, Bonsai Bäumen und perfekt geharktem Kiesbett. Mönche huschten an uns vorbei, nickten freundlich. Die gesamte Atmosphäre strahlte auf uns Ruhe und Geborgenheit aus. Wir zogen unsere Schuhe am Eingang aus (diese bleiben draußen bzw. können über Nacht in ein kleines Schränkchen gestellt werden) und schlüpften in die bereitgestellten Schlappen. Wir traten ein, wurden schon von einem der 5 Mönche erwartet und freundlich begrüßt, checkten schnell ein und wurden dann zu unserem Zimmer geführt.

Achtung: Späteste Check-in Zeit ist 17:00, Essen wird um 17:30 serviert. Pünktlich. Später geht nicht. Wer danach noch spazieren gehen mag: um 21 Uhr sollte man spätestens zurück sein, danach wird dicht gemacht, wer zu spät kommt, schläft draußen. Wir gingen auf knarrendem Holzboden vorbei an prächtigen, goldenen Räumen, die traditionell und schlicht eingerichtet waren, einem japanischen Garten, in dessen Teich Kois schwammen, getrimmten Bäumen, die sich überall rund um den Tempel befanden, bis wir dann an unserer Zimmertür ankamen.

Der Mönch schloss auf, überreichte uns den Schlüssel, wir traten ein: WOW. Wir hatten ja zuvor schon in zwei Ryokans übernachtet, aber dieses hier war wieder komplett anders. Wir hatten uns für unseren Aufenthalt ein Zimmer mit eigenem Bad und Blick in den Innenhof mit kleinem Zen Garten gemietet, es gibt allerdings auch günstigere Räume, mit geteiltem Bad und ohne besonderen Ausblick. Unser Eingangsbereich war abgetrennt, Waschbereich, beheizte hi-tech Toilette und kleiner Flur. Wir drehten uns nach links, schoben die Schiebetür auf und wieder Boom! Das Zimmer war der Knaller: groß, hell, traditionell, wir hatten zudem so etwas wie zwei kleine Abstellräume für's Gepäck und konnten das minimalistisch eingerichtete Zimmer die gesamte Zeit über genießen, ohne unsere großen Rucksäcke im Blick zu haben. Dazu verfügte unser Zimmer noch über eine riesengroße Glasfront mit Blick auf den kleinen Zen Garten mit perfekt geharkten Steinchen. Vor der Scheibe waren ein kleiner Tisch und zwei tiefe Stühle bereitgestellt, optimal ausgerichtet, um diesen beruhigenden Ausblick zu genießen.

Der andere tiefe Tisch in der Mitte des Raumes hatte eine integrierte Heizdecke, unter die man beim Essen, Tee trinken oder chillen einfach seine Beine drunter schieben und aufwärmen konnte. Das Abendessen und Frühstück wird direkt ins Zimmer serviert, sodass man die ganzen vegetarischen Köstlichkeiten, teilweise mit Blattgold versehen und wunderschön mit echten Blüten dekoriert, in Ruhe mit einem Glas Sake oder Bier genießen kann. Achtung: Gegessen wird auf dem Boden.



Tee und Gebäck steht bereit, Internet ist inklusive. Nach dem Essen werden die Futons aufgebaut und wir müssen sagen, dass dies die kuscheligsten in unserem 4 Wochen in Japan waren. Der Tempel verfügt über indoor und outdoor Onsen. Diese sind nach Geschlecht unterteilt, es gibt allerdings einen "Familien Onsen", den man stundenweise mieten kann. Die Benutzung ist im Zimmerpreis enthalten. Ich hatte direkt bei Ankunft gefragt, wie das aussieht, den Onsen zu besuchen, wenn man stark tätowiert ist. Ich zeigte dem Mönch meine Arme, er überlegte kurz, verschwand für einige Minuten, kam zurück und sagte, ich könne den Onsen kurz vor Schließung, nachdem ihn alle anderen Gäste verlassen hatten, für eine Stunde nutzen. Fazit Ichijoin Wir fanden den Tempel authentisch und fühlten uns von der ersten Sekunde an wohl. Wir hatten lange zuvor das Internet durchforstet, um nicht in einem Tempel zu landen, der ohne Liebe zum Detail gestaltet und nur als Massenabfertigung für tausende Touristen dient (diese gibt es in Koya-San nämlich auch), sondern wirklich einen authentischen, wenn auch teuren, zu finden.

Tempel, Schreine und Mausoleen Wir hatten uns bei Ankunft in Koya San eine Karte mit allen wichtigen Sehenswürdigkeiten eingesteckt, schauten schnell drüber und machten uns auf den Weg zum Ziel Nr. 1, das am nächsten zu unserem Tempel lag. Das Tokugawa Mausoleum.


Das Mausoleum war insgesamt 20 Jahre im Bau, besteht aus zwei identischen Gebäuden und liegt etwas abseits der Hauptstraße. Wir zahlten eine kleine Eintrittsgebühr, betraten den abgezäunten Bereich und gingen die Stufen hoch zum Mausoleum. Die Gebäude waren beeindruckend. Holzschnitzereien, wohin das Auge reicht, Ornamente im Stil der Edo Periode und goldene Verzierungen. Wirklich schön. Man sollte während des Aufenthalts dort nicht vergessen, dass dies eine Grabstätte ist und sich ruhig und respektvoll verhalten. Tipp: Es gibt Kombitickets für alle wichtigen Sehenswürdigkeiten und auch Tagestickets (bzw. Mehrtägige) für die Busse in Koya-San, die man in der Touristeninformation im Zentrum von Koya-San kaufen kann. Achtung: So ziemlich alle Sehenswürdigkeiten schließen ihre Tore zwischen 16:30 und 17 Uhr. Daimon Tor Dieses über 25 Meter hohe, tiefrote Tor im Westen Koya-Sans stellt den ehemaligen heiligen Eingang dieses Pilgerdorfes dar. Es ist das Ende einiger Pilgerpfade bzw. der Anfang, wenn man sich auf den Rückweg begibt. Es liegt inmitten eines Waldstückes, umgeben von dichtbewachsenen Bergen.

Der Koyasan Choishi Michi ist wohl der bekannteste Pilgerweg und führt über 23 km und mit einer Wanderdauer von um die sieben Stunden hoch nach Koya San zum Daimon Tor. Obwohl heutzutage die meisten Menschen mit dem Cable Car anreisen, ziehen immer noch viele Gläubige diesen traditionellen Weg vor. Es gibt noch weitere Pilgerpfade, einige kürzer, einige dauern bis zu sieben Tagen. Wir hatten leider nicht genug Zeit, um einen dieser Wege selbst zu gehen.

Das Daimon Tor wurde Anfang des 21. Jahrhunderts zum Weltkulturerbe ernannt. Es hat drei Durchgänge, viel Holzschnitzerei und wachende/schützende Statuen, die sich rechts und links an den Seiten des Tores befinden. Auf einer Infotafel kann man nachlesen, dass der Geist Kobo Daishis hier jeden Morgen seine Runde drehen soll und Erlösung für die Suchenden anbietet. Wir liefen einen kurzen Teil des Pilgerweges ab, durch viele hölzerne, rot gestrichene Torii Tore, bis wir schließlich an einem Schild mit "Achtung Bären" vorbeikamen. Bären? Frei lebend? Hier? Lass mal lieber umdrehen.

Garan

Im Herzen von Koya-San liegt dieser Tempel-, Schrein- und Pagodenkomplex. Über 20 Bauwerke stehen hier inmitten jahrhundeter alter Bäume, einem Park und kleinen Waldstücken. Sobald man das Gelände betritt, vergisst man, dass es direkt an der Straße liegt. Da in Koya-San nur wenig Verkehr herrscht, wird man aus dieser friedlichen und magischen Atmosphäre nicht ein einziges Mal herausgerissen.

Egal, wo man hinschaut, bieten sich einem tolle Perspektiven auf diese wunderschönen Bauwerke mit ihrer uralten Geschichte. Anfang des 9. Jahrhunderts begann Kobo Daishi mit dem Bau einiger dieser prächtigen Gebäude. Man kann den Komplex entweder durch verschiedene Tore oder über eine kleine traditionelle, zinnrot gestrichene Brücke, die in einem kleinen Park liegt, betreten.

Hermann und ich waren so fasziniert von der Ruhe, Perfektion und der Schönheit, dass wir beide unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen spazierten und den jeweils anderen und die Zeit komplett vergaßen.

Als erstes springt einem wohl die prachtvolle Konpon Daito Pagode ins Auge. Mit fast 50 Metern das höchste Gebäude in ganz Koya-San, in typisch japanischem knall orange gestrichen. Sie beherbergt eine Statue des kosmischen Buddhas, dem bedeutendsten Buddha im Shingon Buddhismus. Die Pagode kann besichtigt werden, eine kleine Eintrittsgebühr wird fällig. Schuhe müssen, wie bei fast allen Tempelbesichtigungen in Koya-San, ausgezogen werden. Fotografieren im Inneren ist tabu.

Ein Besuch lohnt sich, meist sieht man vor Ort betende Mönche und kann sich aus der Entfernung in Ruhe das Gebet anschauen. Wir besuchten einige der Tempel und Pagoden auf dem Gelände und jede einzelne war ihren Besuch wert und zeigte einen anderen Ausschnitt aus der Jahrtausende alten Geschichte Koya-Sans. Direkt neben der Pagode befindet sich ein über tausend Jahre alter Baum, der einen anderen Höhepunkt für die Pilger darstellt. In genau diesem Baum steckt ein Gokosho, eine Art dreizackige "Waffe", die aber nur wenige Zentimeter groß ist und von Kobo Daishi stammt. Er soll Anfang des 9. Jahrhunderts, als er nach seinem Studium in China nach Japan zurückkehrte, einen heiligen Ort für den Bau seiner Tempel gesucht haben.


Das Schicksal sollte entscheiden und so warf er den Gokosho in alle Richtungen, bis dieser in einem Baum stecken blieb. Daraufhin beschloss er, genau an diesem Ort mit dem Bau zu beginnen. Seit fast 1200 Jahren steckt dieses kleine Werkzeug genau in diesem Baustamm, der mittlerweile eingezäunt ist und sowohl von Gläubigen, als auch von Touristen mit Staunen betrachtet wird. In unmittelbarer Nähe liegt außerdem der Kongobu-ji Tempel, der den größten Steingarten in ganz Japan beherbergt. Des weiteren befindet sich auf dem Areal die Kondo Hall, ein großer, hölzerner Tempel, in dessen Saal Koya-Sans wichtigste Zeremonien stattfinden. Er ist in den letzten Jahrhunderten mehrere Male vollständig abgebrannt und wurde das letzte mal 1932 erneuert. Im Inneren befindet sich ein Schrein für den Buddha der Medizin und der Heilung und es ist eines der ersten Gebäude, die in Koya-San erbaut wurden. Auch dieser Tempel kann besichtigt werden. Was mich besonders fasziniert hat, war zum einen das Saito, eine 27 Meter hohe Holzpagode, die majestätisch inmitten riesiger Bäume steht, zum anderen die Rokkaku-Kyozo Pagode, ein sechseckiger, weißer Tempel, der sich wieder perfekt in seine Umgebung einfügt und aussieht, als ob er genau an diesen Platz gehört.

Dreht man sich ein Stückchen um, sieht man mitten in dem kleinen Waldstück ein Torii, einen anderen hölzerner Schrein, an dem viele kleine Laternen vom Dach hängen, oder ein Gebäude mit einem von Moos zugewachsenen Dach, das die Nachmittagssonne in sattem grün erscheinen lässt. Egal, wo wir hinschauten und in welche Richtung wir gingen, folgte Staunen. Die Natur, die Gebäude, die Geschichte, die Steinlaternen... es gab so viel zu entdecken und so viel Information, dass wir locker noch einen gesamten Nachmittag dort hätten verbringen können.



Bis heute sind die paar Stunden, die wir dort unterwegs waren, mit die schönsten unseres Japanaufenthalts gewesen: die Ruhe an diesem heiligen Ort, die Jahrtausende alte Geschichte und die perfekt in die Natur eingegliederten Bauwerke, untermalt von Vogelgezwitscher und Sonnenschein auf einem knapp 1000 Meter hohen Berg. Okunoin Friedhof Am nächsten Morgen machten wir uns wieder sehr früh auf den Weg, um ein weiteres Highlight Koya Sans zu besuchen. Es ging zu Fuß zum Friedhof. Aber nicht irgendein Friedhof, sondern dem größten und heiligsten Friedhof in ganz Japan, mit über 200.000 Steingräbern, hunderten Toros (Steinlaternen), die rechts und links am Weg angebracht sind, sowie verschiedensten Stein- und Bronzestatuen, sowohl von Buddhas als auch von Mönchen. Wir betraten den Friedhof über die Ichino-hashi Brücke, dem traditionellen Eingang. Der Friedhof ist in einem Waldstück mit Jahrhunderte alten, sehr hohen Zedernbäumen gelegen, deren Blätter sanft im Wind raschelten.

Die Morgendämmerung setzte ein, die Torii Laternen leuchteten noch, außer uns waren nur ein paar Japaner unterwegs. Das Sonnenlicht brach sich im leichten Nebel, der über dem Friedhof lag, Vogelgezwitscher... ein neuer Tag begann. Das sind die Momente, die wir auf unseren Reisen besonders genießen. Heilige Plätze, voller Geschichte und ohne eine Menschenseele um uns herum. Einfach raus, entdecken, Dinge auf sich wirken lassen und seinen ganz eigenen Nutzen daraus ziehen.


Viele der Grabsteine sind Jahrhunderte alt und mit dichtem Moos bewachsen, andere hingegen etwas neuer. Von Grabsteinen, Laternen und Statuen bis zu Monumenten berühmter religiöser Persönlichkeiten sieht man dort wirklich eine Vielfalt verschiedener Grabsteine. Wieder hatten wir das Gefühl, dass jeder einzelne genau an diesen einen Spot gehört. Alles fügte sich perfekt zusammen. Viele Japaner wollen genau auf diesem Friedhof beerdigt werden, um ihrem spirituellen Anführer Nahe zu sein.

Tipp: Man kann natürlich auch abends den Friedhof besuchen, wenn alle Laternen leuchten und eine ganz spezielle Atmosphäre herrscht. Am heiligsten Ort Japans. Wenn man dem gesamten Weg mit seinen knapp 2 Kilometern bis zum Ende folgt, gelangt man zum Okunoin Tempel, in dessen Mausoleum der Gründer des Shingon Buddhismus ruht. Es wird daran geglaubt, dass er sich, anstatt gestorben zu sein, in einer unendlichen Meditation befindet. Und das Ganze seit dem Jahr 835. Dieser Tempel ist eine der heiligsten Stätten Japans und ein beliebter Wallfahrtsort der Pilger. Der Weg zum Okunoin Tempel führt über zwei Brücken. Vor beiden sollte man sich aus Respekt verbeugen. Ab der zweiten Brücke, der Gobyonohashi, ist essen, trinken und fotografieren untersagt. Auf dem Weg findet man außerdem ein kleines Gebäude, von dem wir erst nicht genau wussten, was es sein sollte. Der Asekaki Jizo Schrein, dem Beschützer der Seelen der Unterwelt. Rechts daneben befand sich ein kleiner Brunnen, der Sugatami-no-ido.

Wir lasen die Infotafel, die besagte, dass wenn man in den Brunnen schaut und keine Reflektion des eigenen Spiegelbildes von sich sieht, man innerhalb der nächsten 3 Jahre sterben wird. Oh Man. Irgendwie hatten wir beide Panik hineinzuschauen. Nach einigen zögernden Minuten überwanden wir uns aber und warfen einen Blick hinein. Glücklicherweise sahen wir beide unser Spiegelbild. Puh! Kurz vor dem Mausoleum befindet sich die Toro-do Hall mit 10.000 Laternen, die alle gespendet wurden und durchgehend brennen. In der Halle befinden sich außerdem über 50.000 kleine Statuen, die 1984 zum 1150. Jubiläum der ewigen Meditation gespendet wurden. Es gibt noch eine lustige Anekdote über den Friedhof: Eine globaler, japanischer Elektronikhersteller hat sich auf einem Grabstein bei den Ameisen dafür entschuldigt, einige ihrer Artgenossen für die Platzierung des Steins vertrieben zu haben. Im ewigen Kreislauf des Buddhismus werden selbst die kleinsten Lebewesen mit Respekt behandelt. Finden wir gut! Fazit Koya-San war einer unserer Lieblingsorte in Japan. Selbst wenn die Anreise mühsam und die Züge voller Touristen sind, kann man, wenn man zu den richtigen Zeiten unterwegs ist, die gesamten Tempelanlagen und Sehenswürdigkeiten für sich alleine haben. Die Ruhe, die an diesem spirituellen und heiligen Ort herrscht, war für uns eine gelungene Abwechslung zum Trubel in Japans Städten. Man hat dort die Zeit und Ruhe, sich zu sortieren, in sich zu kehren, nachzudenken und verlässt Koya San positiv, erfrischt und inspiriert. Wir können nur empfehlen, mehr als eine Nacht in Koya-San zu bleiben. Auch wenn die Preise für die Übernachtungen im Tempel hoch sind, es lohnt sich. Wir wären am liebsten länger geblieben, dies ließ sich aber leider nicht mit unserem straffen Zeitplan vereinbaren, den wir uns für Japan aufgestellt hatten.



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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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