Kobe: Das beste Steak unseres Lebens

Aktualisiert: 19. Apr 2019


Kobe stand eigentlich nur aus einem Grund auf unserer Liste der Städte, die wir unbedingt in Japan besuchen wollten, und zwar wegen seines Kobe Rinds.

Kobe liegt im Zentrum Japans und zählt in Bezug auf die Einwohnerzahl zu den 10 größten Städten in Japan. Berühmt für sein Kobe Rind, aber u.a. auch seinen Ikuta Schrein, der im 3. Jahrhundert gebaut wurde und somit einer der ältesten Schreine in ganz Japan ist. Man findet in Kobe auch einige Museen, u.a. das Erdbebenmuseum, das die Geschichte rund um das starke Erdbeben von 1995 erzählt, in dem mehr als 5.000 Menschen ums Leben kamen. In Kobe wurde außerdem Japans erster Golfplatz (1903) und Japans erste Moschee (1935) eröffnet.

Wie schon bei unserem Ausflug nach Nara, nahmen wir wieder den Regionalzug aus Kyoto, um unseren Tag in Kobe zu verbringen. Tipp: Auch als Tagesausflug von Osaka aus zu empfehlen, da nur 30 km entfernt.

Wir kamen nach einer knappen Stunde Zugfahrt in Kobe an. Unser erster Weg führte uns zur Touristeninformation, die sich im unteren Bereich des Bahnhofs befindet. Wir wollten wissen, wo man in der Nähe gute Kobe-Rind-Restaurants findet. Die Dame am Schalter schaute uns leicht verdutzt an und traute sich wohl zuerst nicht mit der Sprache herauszurücken. Nach einer Weile fragte sie dann aber, ob wir denn wüssten, wie teuer der ganze Spaß sei.


Wir wussten natürlich, dass das unser wahrscheinlich teuerstes Mittagessen aller Zeiten werden würde, aber einmal im Leben Kobe Rind in Kobe zu essen stand auf unserer Bucket List weit oben.

Das Wetter meinte es an dem Tag leider nicht gut mit uns. Es regnete in Strömen und somit fielen einige der in Kobe möglichen Aktivitäten und Sightseeing Spots für uns weg. Es war der einzige Tag in den vier Wochen unseres Japanbesuchs mit miserablem Wetter und Dauerregen.

Also entschlossen wir uns, nur Essen zu gehen - was sowieso unser komplettes Tagesbudget sprengen würde - danach evtl. noch ein bisschen durch die Innenstadt zu schlendern, in den Game Stores zu zocken und uns dann wieder auf den Rückweg zu machen.

Die Restaurants, die Kobe Rind anbieten, liegen in der gesamten Stadt verteilt. Wir entschlossen uns eins zu suchen, das nicht zu weit vom Bahnhof liegt, denn wir hatten natürlich keinen Regenschirm dabei. Wir gingen ein bisschen umher, schauten uns die ganzen Restaurants an, folgten unserem Bauchgefühl und spazierten einfach in eines, das uns zusagte. Anfangs sah ich gar nicht, dass vor dem Restaurant eine riesige Spiderman-Figur stand und Hermann deswegen dort eigentlich nicht essen wollte. Aber selbst wenn Restaurants in Japan einen verrückten oder trashigen ersten Eindruck vermitteln, kann man sicher sein, trotzdem qualitativ hochwertiges Essen serviert zu bekommen.

Der Innenbereich machte auf uns einen tollen Eindruck, sodass wir dann doch blieben. Wie viele Restaurants in Japan hatte auch dieses nur wenige Sitzplätze. 12 um genau zu sein. Unterteilt in zwei Bereiche, vor denen sich jeweils ein Grill befindet, an dem ein Koch für die sechs Gäste kocht.

Klar kann man mittlerweile Kobe Rind auch in Deutschland oder anderen Ländern bekommen, aber so etwas Besonderes dann auch dort zu essen, wo es seinen Ursprung hat, war für uns ein Highlight. Zudem kann man sicher sein, die absolut beste Qualität weltweit zu bekommen, denn die Japaner exportieren nur sehr wenig ins Ausland und behalten die besten Rinder im Land.

Die Neugier war riesig, wir wollten unbedingt wissen, ob das Fleisch sein Geld wirklich wert ist. Die Kühe haben teilweise ein besseres Leben, als einige von uns, werden massiert, bekommen klassische Musik vorgespielt und werden mit japanischem Reiswein eingerieben. Außerdem werden ihnen jeden Tag zwei Liter Bier serviert. Nicht schlecht, oder?

Es war noch relativ früh und wir waren die einzigen Gäste. Überall standen Trophäen, Preise und Pokale, die das Restaurant wohl für sein Rind gewonnen haben musste. Die Kellner waren alle sehr hilfsbereit und reichten uns eine Speisekarte auf englisch.

Als wir die Preise dann tatsächlich vor uns sahen, mussten wir erstmal schlucken. Der Preis galt nur für das Stück Fleisch, das man sich aussuchte. Beilagen, Getränke und alle Extrawünsche mussten separat bezahlt werden. Wir überlegten hin und her, was wir denn nun nehmen sollten, entschieden uns dann für ein Sirloin-Steak mit Beilagen, das preislich so in der Mitte der gesamten Palette zu finden war.

Nachdem wir bestellt hatten, kam der Koch kurz raus, schaltete den Grill an und bereitete sein Mise en Place vor. Wir bekamen unseren ersten Gang serviert, eine Miso Suppe. Der Kellner sah, dass wir die ganze Zeit Fotos schossen und platzierte einige der Pokale direkt vor uns, damit wir das perfekte Foto machen konnten. Als der Koch dann kurze Zeit später mit dem Fleisch aus der Küche kam:

Endlich!

Das Fleisch lag in all seiner Pracht auf einem Holzbrett, war viel marmorierter, als das, was wir sonst so an Fleischstücken gesehen haben und hatte einen relativ breiten Fettrand. Ich hatte eigentlich gedacht, dass der Koch das Fleischstück einfach anbrät und uns auf den Teller legt. Wie man's halt so kennt. Falsch gedacht, der Koch zelebrierte das Fleisch förmlich, es wurde in kleinere Stücke geschnitten, die dann nacheinander separat, auf verschiedenen Zonen des Grills mit verschiedenen Temperaturen angebraten wurden.


Zuvor wurden wir nach der Garstufe gefragt, die wir gerne essen würden. In kleinen Häppchen bekamen wir dann perfekt angebratenes Fleisch auf unsere schwarzen Steinteller serviert. Der große Moment war gekommen. Wir zückten unsere Stäbchen und schwups war das erste Stück im Mund.

Stille.

Der erste Happen war wie eine Erleuchtung, ein ganz anderer Geschmack und eine ganz andere Fleischstruktur, als alles, was wir bisher in unserem Leben an Fleisch gegessen hatten.

Es war so butterweich, dass man es hätte mit der Zunge am Gaumen zerdrücken können. Der Geschmack war leicht nussig, und mehr nach Rind als üblich, ohne penetrant oder säuerlich zu wirken.

So muss Fleisch schmecken! So weich, zart und butterig. Wahnsinn. Dazu wurden getrocknete feine Knoblauchscheiben, Wasabi, und Fleur de Sel serviert. Den Geschmack werden wir nie vergessen und werden wahrscheinlich in Zukunft nicht mehr so leicht vom Hocker zu hauen sein mit Steaks. Der Koch hatte ein Timing, das seines Gleichen sucht, genau im richtigen Moment, nicht zu früh und nicht zu spät, wurden die nächsten Stückchen auf unsere Teller platziert.


Die passenden Beilagen wurden zeitgleich vom Kellner serviert. Perfekter Service ohne aufdringlich zu wirken. Das haben Japaner perfektioniert. Wirklich toll. Obwohl wir nicht wie die typischen, gut betuchten Touristen aussahen, sondern in Kapuzenpulli, wuscheligen Haaren und Chucks reinkamen, wurden wir respektvoll und höflich behandelt.

Der Fettrand des Steaks wurde bis zum Schluss aufgehoben, fein gewürfelt, als letztes angebraten und dann perfekt kross gebraten auf einem kleinen japanischen Blattsalat serviert. Wir entschieden uns an dem Tag gegen Sake, es geht doch nichts über ein kühles Bier zum Steak. Wir hatten wieder Glück, die einzigen im Restaurant zu sein, sodass wir die volle Aufmerksamkeit aller Kellner und des Koches bekamen.

Insgesamt dauerte unser Lunch etwas über 1,5 Stunden, die wir von der ersten bis zur letzten Sekunde genossen. Wir erfüllten uns schon wieder einen unserer Träume, da war auch das tiefe Loch, das dieses Mittagessen in unseren Geldbeutel riss, schnell wieder vergessen. Bis heute das teuerste (aber auch mit das beste) Steak, das wir uns jemals bestellt haben. Jeden Cent wert und unbedingt zu empfehlen, wenn man am Thema Kochen, Essen und Genuss interessiert ist.

Was kostete das Ganze denn nun?

Der gesamte Spaß kostete uns umgerechnet um die 300 Euro. Hammer! Aber für uns war das das beste Steak aller Zeiten.

Nachdem wir noch einige Zeit in den riesigen Game Stores unweit vom Bahnhof verbracht und Videospiele gezockt hatten, machten wir uns auf den Rückweg nach Kyoto, denn am nächsten Tag sollte ein weiterer Traum erfüllt werden. Japan meinte es aber auch wirklich gut mit uns, denn es stand ein privates Treffen mit einer Maiko-San, einer auszubildenden Geisha auf dem Plan.

Fazit

Kobe besucht man wohl in erster Linie wegen des Kobe Beefs. Wenn man das unbedingt mal probieren möchte (was wir wirklich empfehlen können), lohnt sich ein Besuch. Der Geldbeutel sollte für den Tag allerdings gut gefüllt sein. Wir würden Lunch vorziehen, da beim Dinner locker noch einige Euros drauf gerechnet werden können. Guten Appetit.


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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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