Osaka: Verrücktes Dotonbori und der Glico Mann

Aktualisiert: 19. Apr 2019


Nach Tokio ist Osaka die zweitgrößte Metropolregion in ganz Japan und der Ort, an dem viele Reisende ihre Rundreise durch Japan starten. Die Anbindungen sind super, Osaka eignet sich außerdem perfekt als Ausgangspunkt für viele Tagesausflüge in die Region, egal ob z.B. nach Koya-San oder Nara.

Osaka durfte bei unserem Besuch nicht fehlen und so machten wir uns von Kyoto aus auf den Weg, um dort einen weiteren verrückten Tag zu verbringen.


In diesem Artikel findest du:


Osaka Burg Minami & Dotonbori Tenjinbashi – suji Museen & Theater Amerikamura Tombori River, Ebisubashi Brücke & der Glico Mann Fazit



Osaka Burg

Als erstes stand die Burg auf unserem Plan, die Anbindung von der Main Station war einfach und wir kamen zackig an unserer Zielhaltestelle an. Mit einigen anderen Touristen machten wir uns auf den Weg zur Burg, durch den Osaka Schlosspark, einem beliebten Ort, um sich die Sakura (Kirschblüte) anzuschauen, oder sich einfach mit Dutzenden Japanern zum chillen auf die Wiese zu legen. Wir hatten unseren Japanaufenthalt extra in die Zeit der Kirschblüte gelegt, um dieses Highlight direkt vor Ort zu erleben.

Das Gelände ist riesig und liegt im Osten der Stadt. Die Burg war Ende des 16. Jahrhunderts die größte des Landes. Sie ist umgeben von mächtigen Steinmauern, einem Burggraben, Brücken und verschiedenen Toren. Auch diese Burg fiel einem verheerenden Feuer zum Verhängnis und wurde zerstört. Sie wurde um 1930 rekonstruiert und zuletzt 1997 renoviert. Direkt nebenan befindet sich der Nishinomaru Garten, ein öffentlicher Garten, in dem im Frühling ca. 600 Kirschbäume in voller Blüte stehen und man einen wunderschönen Blick auf das Schloss hat. Achtung: Eintritt muss für den Park bezahlt werden.

Man kann im Burggraben selbst eine Rundfahrt mit kleinen Holzbooten machen und das Schloss aus einem etwas anderen Blickwinkel bewundern. Wir gingen an kleinen Ständen vorbei, die lokale Spezialitäten verkaufen, vorbei an Steinmonumenten, bis wir endlich am Schlossgraben ankamen.

Wir gingen über die Brücke hoch zum Schloss und der Anblick war wieder einmal majestätisch. Es sah anders aus, als das Schloss, das wir in Nagoya besucht hatten. Die goldenen Verzierungen glänzten in der Sonne; das im Laufe der Zeit oxidierte Kupferdach schimmerte mintgrün.


Immer, wenn wir in Japan vor solch traditionellen Gebäuden oder Schreinen mit Jahrhunderte alter Geschichte standen, fühlten wir uns in die Vergangenheit zurückversetzt und konnten uns bildlich vorstellen, wie hier wohl das Leben vor einigen hundert Jahren ausgesehen haben muss. Wir spazierten ein wenig um das Schloss herum, knipsten Fotos und gingen dann hinein. Achtung: Auch hier muss Eintritt bezahlt werden.

Im Inneren befindet sich ein Museum, jede Etage stellt etwas anderes aus, angefangen von Samuraischwertern über Samurairüstungen bis hin zu Malerei. Die Ausstellungen variieren, wir hatten Glück, zur richtigen Zeit für die Samurai-Ausstellung dort gewesen zu sein. Auf einer Etage konnte man sich Helme und ein Schwert ausleihen und dann Fotos vor einer Fotowand schießen. So richtig schön touristisch. Warum aber eigentlich nicht? Hermann konnte nicht widerstehen, setzte sich einen Helm mit vielen, langen Stacheln auf und posierte "kämpfend" mit dem Schwert. Super!

Wir schauten uns jede einzelne Etage in Ruhe an, viele Touristen waren am Morgen noch nicht unterwegs und so konnten wir alles ohne Gedränge genießen. Auf einigen Etagen, natürlich da wo die schönsten und ältesten Samurai Rüstungen ausgestellt sind, durfte nicht fotografiert werden. Achte da bitte auf die Aushänge. Ganz oben angekommen, kann man sich vom Außendeck das gesamte Gelände rund um das Schloss und Osaka von oben anschauen. Wirklich schön und empfehlenswert.

Achso: Wenn dir in Japan ein Souvenir besonders gut gefällt, solltest du es sofort kaufen. Die Souvenirs variieren von Stadt zu Stadt und oft sieht man sie nur einmal und ärgert sich später, sie nicht gekauft zu haben. So ging's mir jedenfalls.

Minami (Namba Station) & Dotonbori

Weiter ging es für uns in Richtung Zentrum. Wir stiegen an der Namba Station in Minami aus, in deren Nähe sich eines der beiden Stadtzentren Osakas befindet. Das zweite liegt in Kita, rund um den Hauptbahnhof (Osaka Station).

Bekannt ist Minami für sein Essen, Shopping und Entertainment. Wir verließen den Bahnhof und waren im ersten Moment erstmal sprachlos.


Tausende Menschen tummelten sich in den Straßen, ob hektisch laufende Geschäftsleute mit Telefon am Ohr, oder Touristen, die sich staunend das quirlige Treiben anschauten. Unser Blick ging aber erstmal in Richtung Dotonbori. Dotonbori ist eine bunte, verrückte Fressmeile, in der man die verschiedensten Leckereien probieren kann und Restaurants mit riesigen, bunten Figuren, die außen an den Fassaden angebracht sind und um Kundschaft buhlen.

Die Neonlichter oder die riesige Krabbe (Kani Doraku), die an der Fassade hängt, fallen einem wohl als erstes ins Auge. Einige der Restaurants haben 24 Stunden geöffnet. Man sollte Dotonbori unbedingt auch Abends einen Besuch abstatten, um die gesamte Verrücktheit auf sich wirken zu lassen.

Wir spazierten mit unzähligen anderen Menschen durch die Straße, schauten recht, links, hoch, runter. Egal, in welche Richtung wir blickten, überall blinkte und flackerte es. Große Reklamebanner, verschiedene japanische Kult-Charaktere, aufgeblasene riesige Kugelfische. Alles quietschbunt und verrückt. Die verschiedensten Gerüche lagen in der Luft. Meeresfrüchte, Zuckerwatte oder Soja. Überall gab es kleine Snacks zum Mitnehmen. Fast jeder um uns herum hatte etwas Essbares in der Hand. Auch wir snackten uns natürlich durch die Straße.

Wir gingen in einige Shops, die verrückter und vollgestopfter nicht sein konnten, um uns herum Teenies mit vollgepackten Einkaufskörben, in die noch mehr gestopft wurde. Kichern, Hektik, Freude... die Stimmung war freudig. Wir ließen uns Treiben, hatten für Osaka außer dem Schlossbesuch eigentlich nichts geplant und hatten somit genug Zeit, diesen Stadtteil zu erkunden. Es war so'n bisschen wie im Schlaraffenland und wir waren mittendrin.

Auf einmal sprang uns ein Laden ins Auge, in dem Karikaturen gezeichnet wurden. Auch hier wieder Reizüberflutung für's Auge, alles bunt und vollgeladen, überall hingen Bilder von der Decke, die Wände waren volltapeziert mit verschiedensten Karikaturen. Geplant hatten wir das eigentlich nicht, aber die Zeichnungen sahen so cool aus, dass wir uns entschieden, schnell eine von uns zeichnen zu lassen. Das Ganze ging relativ fix, der Zeichner sprach etwas Englisch und als wir unser fertiges Bild sahen, lachten wir uns tot.


Super getroffen, vor allem Hermann. Wir kauften noch schnell einen passenden Rahmen und machten uns weiter auf den Weg zur Tenjinbashi – suji Einkaufsstraße, die nicht weit entfernt lag.

Tenjinbashi – suji (Einkaufsmeile)

Wir hatten gedacht, dass es in Dotonburi schon voll war, was wir aber dann sahen, ließ uns kurzzeitig überlegen, ob wir uns wirklich mit ins Getümmel stürzen sollten. Wahnsinn. Aber hey, wir sind in Japan: NATÜRLICH stürzen wir uns ins Getümmel! Es wurde geschoben, wir hatten Probleme, überhaupt etwas von den Shops rechts und links zu sehen, alles was wir sahen waren Köpfe, so überfüllt war es.

Wir drückten uns durch die Menge in eine Richtung der Straße, sodass wir zumindest die Shops auf der einen Seite sehen konnten. Die Straße ist Japans längste Einkaufsstraße mit über 2 Kilometern Länge. Glücklicherweise ist sie überdacht, sodass man auch bei schlechtem Wetter in Ruhe durchschlendern kann. Man findet dort alles, viele Restaurants, Souvenirs, Klamotten, Karaokebars oder japanische Handwerkskunst. Es ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei. Selbst, wenn man nichts kaufen möchte, ist ein Abstecher dorthin lohnenswert.

Wir gingen in einige Arcarde Shops und versuchten unser Glück an verschiedenen Spielautomaten. Ich habe in unserer Zeit in Japan einen kleinen Fetisch für Gudetama entwickelt (ein faules Ei, faul im Sinne von lazy wohlgemerkt), dessen Merchandise man überall in den Spielshops gewinnen bzw. erwerben konnte.

Diese Arcade Spielzentren sind in Japan meist mehrere Etagen hoch, in jeder wird eine andere Zielgruppe bedient. Angefangen mit Spielen und Konsolen für Kinder im Erdgeschoss, dann der übliche Teenietrash, bis auf der höchsten Etage meist die ganzen Ballerspiele an den Automaten gezockt werden können. Egal, ob in Tokio oder hier in Osaka, wir hatten dort immer einen Riesenspaß und blieben teilweise mehrere Stunden.


Wenn man es authentischer mag, sollte man unbedingt die Nebenstraßen besuchen. Dort fanden wir z.B. auch ein kleines, schnuckeliges Restaurant, wo wir uns etwas vom Trubel erholten und ein wenig stärkten. Frischgepresster Limettencocktail und am Tisch flambierte Makrele inklusive.


Museen & Theater

Direkt in der Umgebung findet man auch das Osaka Museum of Housing & Living, es ist ein kleines authentisches, nachgebautes Dörfchen aus früheren Zeiten, in dem man sehen kann, wie Japaner eigentlich so lebten, wie es früher bei ihnen zuhause aussah und wie die Lebensumstände der damaligen Zeit waren.

Desweiteren hat Osaka eine große Theater- und Museenszene. Angefangen vom Bunraku Theater, in dem, ähnlich wie bei Kabuki, mit meterhohen Puppen Theaterstücke aufgeführt werden, bis hin zum Nationalen Kunstmuseum.

Amerikamura

Was Harajuku für Tokio ist, das ist Amerikamura für Osaka. Hier trifft sich die hippe Jugend, bunt und verrückt zurechtgemacht: hier geht's um sehen und gesehen werden. Shops, die vollgepackt sind mit allem möglichen Klimbim, Cos Play Kostümen und den passenden Accessoires. In Amemura, wie es die Japaner nennen, findet man außerdem viele einzigartige Cafés, einige mit Livemusik, andere mit süßen Katzen, die beim Kaffeetrinken um die Gäste herumschwänzeln. Wir stolperten durch ein paar Geschäfte, kauften einige verrückte Dinge, die eigentlich kein Mensch braucht und machten uns wieder zurück auf den Weg in Richtung Dotonburi.

Tombori River, Ebisubashi Brücke & der Glico Mann

Es wurde langsam dunkel und wir wollten unbedingt nochmal zurück und uns das ganze Treiben rund um die Dotoburi Straße im Dunkeln anschauen. Parallel zu ihr liegt der Tombori Fluss. Die Ebisubashi Brücke, die den Fluss überspannt, ist wohl einer der beliebtesten Foto Spots in ganz Japan. Man kann auf dem Fluss eine kurze Rundfahrt (ca. 20 min) auf einem kleinen Boot buchen, dies ist besonders im Dunkeln zu empfehlen.

Die riesigen, bunten Reklametafeln, die aus allen Richtungen leuchten, geben einem das Gefühl, man sei gerade am Times Square unterwegs. Der Favorit und beliebteste Selfiespot der Japaner in Osaka ist wohl der Glico Mann. Glico ist einer von Japans größten Knabberartikelherstellern und seit 1935 super erfolgreich mit seiner Süßigkeitenproduktion. Warum das Logo allerdings ein durch's Ziel laufender Mann mit hochgezogenem Knie ist, bleibt für uns unverständlich.

Wir schmissen uns ins Getümmel, schossen Unmengen an Fotos, filmten ein wenig, als auf einmal eine Gruppe weiblicher Teenies zu uns rüberkam und schüchtern fragte, ob sie ein Foto mit uns zusammen machen könnten. Sie hatten uns wohl schon eine ganze Weile beobachtet und fanden uns "total cool". Wir grinsten in die Kamera, machten alle zusammen das Peace Zeichen... die Mädels waren total aufgeregt, bedankten sich mehrere Male, schauten sich freudig das Foto an, kicherten und verschwanden dann wieder in den Massen.

Wir blieben noch eine Weile, wollten noch schnell einen Snack aus dem Krabbenrestaurant mitnehmen, bevor wir wieder nach Kyoto zurückfuhren. Leider war alles restlos ausverkauft und es würde für den Abend nichts mehr nachproduziert werden. Schade. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir auf jeden Fall schon etwas bei unserer Ankunft gekauft.

Wir fuhren mit der Regionalbahn zurück nach Kyoto, es war noch nicht allzu spät und so schlenderten wir noch ein wenig durch den Bahnhof, dann weiter in die umliegenden riesigen Elektronikgeschäfte, in denen wir locker noch ein oder zwei Stunden verbrachten. Abgefahrene Handyhüllen, USB-Kabel in Hello Kitty oder anderen verrückten Charakter Designs oder Japans einmalige Hightech-Toiletten. Von unserem Hostel aus war es sehr bequem, zu Fuß den Bereich rund um den Bahnhof in Kyoto zu erkunden.

Irgendwann taten uns die Füße weh, da wir schon seit Tagen von frühmorgens bis abends unterwegs waren und so machten wir uns auf den Weg zurück in's Hostel. Wir freuten uns schon unglaublich auf den nächsten Tag, denn wieder sollte ein Traum von unserer Bucket Liste gestrichen werden, diesmal in Kobe.

Fazit

Osaka ist definitiv einen Besuch wert. Von Deutschland aus gibt es Direktflüge und die Stadt eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt um Japan zu erkunden. Wir würden wahrscheinlich bei unserem nächsten Japanbesuch in Osaka mit der Rundreise beginnen.

In Osaka selbst sollten 2-3 Tage eingeplant werden, je nachdem, was man vorhat und sehen möchte. Nach Tokio wird uns Osaka als quirligste Stadt in Japan in Erinnerung bleiben.


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Kati &   Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben.

 

Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

Kati + Hermann

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