Okinawa: Von Whale Watching, einem Orchideenpark & dem Churaumi Aquarium

Aktualisiert: 19. Apr 2019


Die Okinawa Präfektur im Süden Japans sollte der letzter Stop unserer Reise durch Japan werden. Unser Aufenthalt in Japan hatte mit Snowboarden in Nozawa Onsen begonnen, ging weiter mit all den verrückten Dingen in Tokio. Wir bewunderten japanische Kultur in Kyoto, umwerfend schöne Tempelanlagen in Nara, "schlenderten" über den größten Friedhof Japans in Koya-San, und vergossen Tränen in Hiroshima. Um von dieser Fülle an Eindrücken nicht erschlagen zu werden, planten wir zum Abschluss ein paar entspannte Tage auf Okinawa ein. Das Wetter ist dort außerdem in der Regel besser und alles geht ein wenig entspannter zu.

Naha, die größte Stadt auf Okinawa, erreichten wir nach gut einer Stunde Flug von Fukuoka aus. Von Tokio beträgt die Flugzeit ungefähr 1,5 Stunden. Wir nutzten Naha als Ausgangspunkt unserer geplanten Aktivitäten und buchten uns schon vor unserer Ankunft ein günstiges Hotelzimmer im Stadtzentrum.


In diesem Artikel findest du:


Naha/Unser Hotel Whale Watching Wissenswertes Churaumi Aquarium Tropical Dream Centre/Orchideenpark Fazit



Wir kamen mit großen Erwartungen nach Naha und hofften etwas am Strand entspannen zu können, vielleicht sogar schnorcheln oder gar tauchen gehen.

Naha und unser Hotel

Wir verließen den Flughafen und nahmen ein Taxi zu unserem Hotel in der Stadt. Die Laune war noch gut, noch...


Schon auf der Fahrt wurden wir desillusioniert. Um uns herum waren nur noch Fast Food Restaurants. Pizza, das goldene M, U-Bahn Sandwiches, usw. Es war laut, dreckig und wenig einladend. Klar! Es gibt ja auch einen riesigen US-Stützpunkt auf Okinawa. Und mit den Amerikanern kommt ja bekanntlich auch immer "gutes" Essen und tolle Kultur. :)

Vielleicht ist das Hotel ja wenigstens gut, dachten wir uns und checkten wenig später im Smile Hotel ein. Wir nahmen den Aufzug zu der Etage, in der unser Zimmer lag. Türe auf und... Tadaa... auch diese Vorfreude war schnell verflogen, das Zimmer war schmutzig, muffig und heruntergekommen. Lächeln tut wahrscheinlich nur noch der Besitzer des Hotels.

Naja, was soll's dachten wir uns, wir sind ja nur zum schlafen hier.

Wir machten uns erstmal auf den Weg, die nähere Umgebung zu erkunden. Das Wetter spielte leider auch nicht mit. Es war März, noch etwas frisch und an baden oder schnorcheln war nicht zu denken.

Was machen wir nun?

Wir beschlossen einfach etwas herumzulaufen, vielleicht finden wir ein gutes Restaurant, eine von den verrückten Spielhallen oder eine tolle Sehenswürdigkeit, die es zu entdecken galt. Also zogen wir durch die Straßen Nahas, vorbei an Fast Food Shops und allerhand Geschäften, die irgendwie nicht mehr nach Japan aussahen. Viele der dort lebenden Japaner sind nicht besonders gut auf die stationierten Amerikaner zu sprechen und sehen in ihnen die Ursache der steigenden Kriminalität und Umweltverschmutzung in der Stadt und der Umgebung.

Im Nachhinein können wir sagen, dass wir uns nicht Naha als den Ausgangspunkt für unsere Aktivitäten hätten aussuchen sollen.

Zu spät.

Wir entschieden uns, wieder zum Hotel zurückzukehren und im Internet zu schauen, was wir unternehmen könnten. Nach einer Weile hatten wir uns ein paar von Okinawas Highlights rausgeschrieben. Whale Watching, Churaumi Aquarium, Okinawa World. Alles sehr touristisch, aber schauen wir mal.




Whale Watching

Okinawa ist bekannt für die großen Gruppen von Buckelwalen, die sich von Dezember bis April vor der Küste tummeln. Wir buchten einen Ausflug und begaben uns am zweiten Tag unseres Aufenthaltes zum Hafen in Naha.

Die meisten Anbieter von Whale Watching Touren starten den Ausflug vom Hafen aus und so kam es, das es am besagten Morgen recht voll war. Wir bekamen eine Einweisung, was uns erwarten würde und wie wir uns an Bord des kleinen Whale Watching Bootes zu verhalten haben. Wir waren die einzigen Europäer und außer uns waren nur Chinesen und Japaner mit an Bord. Die Boote benutzen dafür spezielle Unterwassermikrofone, mit denen man die Wale orten kann. Eine ganze Weile passierte nichts und es sammelten sich immer mehr Ausflugsboote um uns. Alle vollgepackt mit Touristen, die darauf warteten endlich einen Wal zu sehen.

Die ganze Szene wurde sehr schnell unschön anzuschauen. Boote überall um uns herum. Whale Watching ist ja immer so eine Sache, man fährt zahlende Kundschaft raus auf's Meer, um wilde Tiere zu fotografieren und fast schon zu belästigen.

Als dann der erste Wal auftauchte, ca. 100 m entfernt, setzten sich 10 volle Ausflugsboote in Bewegung und versuchten diesen zu verfolgen. Die Aufregung an Bord war groß, uns persönlich verging der Spaß bei der Sache recht schnell. Ich war mehr damit beschäftigt mich zu fragen, ob der Wal nicht genervt wird.

Dies war unsere zweite Whale Watching Tour in unserem Leben, die erste war in Kaikoura Neuseeland. Damals hatten wir beide das Gefühl, dass die Menschen dort den Tieren mit mehr Respekt begegnen. Es gab keine wilden Verfolgungsjagden und es waren außer uns nur 1-2 andere Boote unterwegs.

Die "Jagd" nach dem Wal ging jedenfalls weiter, wirklich einen zu Gesicht bekommen haben wir aber nicht. Mal kurz eine Flosse und etwas Sprühnebel. Das war's. Vielleicht ist es auch besser so. Nach ca. 1 Stunde machte das Boot kehrt und begab sich wieder in Richtung Hafen. Dort angekommen verabschiedeten sich alle freundlich voneinander und verschwanden - wie der Wal zuvor im Meer - zurück in die lebhafte Stadt.


Wissenswertes

Da wir den Fehler gemacht hatten, uns in Naha einzuquartieren, blieben für den letzten Tag auf Okinawa nicht mehr viele Optionen. Wir mussten uns zwischen Churaumi Aquarium und Okinawa World entscheiden. Okinawa World ist ein Themenpark, in dem es vorrangig um die Kultur Okinawas und deren Ursprünge geht.

Okinawa gehört erst seit 1879 zu Japan und war vorher das Königreich Ryukyu. Darüber hinaus ist Okinawa der Geburtsort einer der berühmtesten Kampfkünste der Welt: Karate. Diese waffenlose Kampfkunst verbreitete sich von diesen Inseln aus über die ganze Welt.

Weil Okinawa eigenständig war, gab es auch eine eigenständige Sprache, die heutzutage aber nur noch von den ältesten Einheimischen gesprochen wird. An Häusern und Mauern, eigentlich überall findet man die sogenannten Shisa. Shisa sind eine Art Hundestatuen, die das Böse vertreiben sollen und vor Gefahren schützen. Sie werden auf Dächern, Eingangstoren, eigentlich fast überall angebracht und sind ein wichtiger Bestandteil der Kultur und Tradition Okinawas.

Die Insel ist auch bekannt für die weltweit höchste durchschnittliche Lebenserwartung der dort lebenden Menschen. Das gilt aber nur für diejenigen Einwohner, die noch die alten Traditionen und Esskultur pflegen. Passend dazu findet man auf Okinawa auch die älteste Girl band der Welt, KBG84, deren Mitglieder im Schnitt 84 Jahre alt sind.

Wenn du planst nach Okinawa zu reisen und Lust hast, etwas außergewöhnliches zu probieren, wie war's mit Sea Grapes? Sie sehen aus wie ein Mix zwischen Minigurke, Weintrauben und Kaviar, schmecken fischig und die kleinen Kügelchen ploppen im Mund. Wir haben sie zu jeder Mahlzeit dazu bestellt und fanden sie echt lecker.


Churaumi Aquarium

Nach langem Hin und Her entschieden wir uns an unserem letzten Tag zum Churaumi Aquarium zu fahren. Okinawa World und das Aquarium waren zeitlich nicht machbar, da wir kein Auto gemietet hatten und deswegen nur begrenzt mobil waren. Ein weiteres Problem war, dass der öffentliche Verkehr viel schlechter organisiert ist als im restlichen Japan. Wir waren es gewohnt das spätestens alle 15 Minuten ein Zug oder Bus pünktlich an der Haltestelle steht und einen zum gewünschten Ziel bringt.


Nicht so auf Okinawa. Alleine die Buslinie herauszusuchen, die uns von Naha zum Aquarium fahren sollte, war eine Herausforderung. Ein für uns unverständliches Nummernsystem, gepaart mit einem Bus der die 2,5 Stunden Strecke nur drei mal am Tag fährt.

Wir fragten bei unserer Hotelrezeption nach dem Weg zur Haltestelle. Dort angekommen warteten wir auf den Bus. Bus um Bus hielt vor uns an und keiner schien eine richtige Zielanzeige zu haben. Etwas verspätet und gut getarnt (ohne erkennbare Nummer und Richtung) kam dann aber unser Bus, dessen Fahrer uns auf Nachfragen bestätigte, zum Aquarium zu fahren. Die Fahrt führte uns endlich raus aus der Stadt.

Hoffentlich sehen wir so wenigstens ein bisschen vom Rest der Insel.

Es ging vorbei an kleinen dicht bewachsenen Hügeln, durch verschlafene Örtchen und entlang schöner Strände. So hatten wir uns Okinawa eigentlich vorgestellt. Wieder wurde uns bewusst, welchen Fehler wir gemacht hatten, uns in Naha ein Hotel zu suchen.

Nach etwa 2,5 Stunden kamen wir dann schließlich an der Haltestelle zum Aquarium an. Es war immer noch recht früh, gerade mal 9.00 Uhr und wir gehörten mit zu den ersten Besuchern. Wir gingen in Richtung Eingang des Aquariums. Alles wirkte wie im Themenpark, bunte Figuren, verrückte Musik aus Lautsprechern. Nichts wie rein. Schnell bezahlten wir den Eintritt und los ging's.


Der Churaumi Aquarium Komplex ist riesig und in mehrere Abschnitte unterteilt. Als erstes gelangt man zu einem kleinen Becken mit Seesternen and andere Tieren, die man anfassen kann. Danach gelangt man durch verschiedene Bereiche, die jeweils einem speziellen Thema zugeordnet sind. Tiefsee, Korallenriff, Süßwasser, um ein paar zu nennen. Wie heutzutage üblich, kann man sich mit Audio Guides unterwegs über alles informieren.

Überall sind kleine Infotafeln angebracht, die einem die Tierwelt näher bringen. Rochen, Korallen, Quallen, Haie und gruselige Tiefseefische, die Vielfalt dieses Aquariums hat uns gut gefallen, denn man hatte das Gefühl, dass man sich bei der Konstruktion große Mühe gegeben hat.

Eines der Highlights waren fluoreszierende Tiere, die in völliger Dunkelheit neonfarben leuchteten. Sowas hatten wir bisher noch nie in einem Aquarium gesehen. Aber das eigentliche Highlight ist der Haupttank mit seiner riesigen Plexiglaswand. In diesem Becken befinden sich drei Walhaie und riesige Mantarochen sowie viele kleinere Fische. Als wir den Raum betraten konnten wir erst garnicht glauben, wie riesig das alles war. Wir gingen langsam auf diese blaue Wand zu, in denen die Walhaie langsam ihre Runden drehten.

Wir persönlich sind keine Freunde von Tieren in Gefangenschaft, wir gehen nicht mehr in Zoos, da die Tiere da einfach nicht hin gehören. Aber auf Okinawa müssen wir leider zugeben: Wir konnten wir nicht anders, als staunend die armen Tiere zu bewundern.


Draußen warten noch Skelette von Walen und riesigen Tintenfischen, die es zu bestaunen gilt.

Alles in allem können wir ehrlich sagen, dass das Churaumi Aquarium das beste und eindrucksvollste Aquarium ist, das wir je besucht haben und definitiv einen Besuch Wert ist. Wir waren weltweit schon in einigen Aquarien, u.a in Dubai, Perth oder Berlin, aber das Churaumi Aquarium war mit Abstand das Beste.

Der Park beherbergt noch ein paar weitere tierische Sehenswürdigkeiten, die aber zumindest für uns dann nicht mehr schön waren. Etwas vom Aquarium entfernt gibt es ein Becken, in welchem Dugongs leben. Eine Art Seekühe, die vom dem Aussterben bedroht sind. Wir sind keine Tierpfleger und auch keine Experten der Tierhaltung, aber das Becken der Dugongs sah aus wie aus einem Horrorfilm. Ein Becken von oben bis unten gefliest, keine Deko, keine Pflanzen, kein Sand, nichts außer nackten, vergilbten Fliesen und zerpflückte Salatblätter. Und dann schwamm da dieses Dugong einsam umher... einfach nur traurig anzusehen.

Wir gingen schnell weiter und kamen zu einer weiteren Horrorshow. Delfine, die in winzigen Becken Tricks vorführten. Die nächste Show sollte gleich anfangen. Nichts wie weg!, dachten wir uns und gingen weiter durch den Park. Es wurde immer ruhiger und es waren fast keine Leute mehr zu sehen. Wir kamen schließlich an einem Gewächshaus an. Gewächshaus ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn es war eher eine riesige Gewächshausanlage, das Tropical Dream Centre.

Tropical Dream Centre/Orchideenpark

Der Eintritt zum Tropical Dream Centre war im Ticketpreis des Aquariums inbegriffen. Wir wurden herzlich von den Angestellten begrüßt und hineingeleitet. Das Tropical Dream Centre ist - wie der Name vermuten lässt - eher zum entspannen gedacht. Es gibt dort nur Pflanzen, die normalerweise in tropischen Regionen zu Hause sind und Orchideen, Hunderte, Tausende, sie sind überall.


Es gibt sie dort in allen erdenklichen Größen und Farben. Alles ist sehr ruhig und komplett zugewachsen. Hier und dort mal ein kleiner Teich, in dem Fische umherschwimmen. Kakao, Sternfruchtbäume, Mango und Zehntausende Blumen. Es gibt zahlreiche Bänke und Aussichtspunkte sowie Fotospots, an denen man Halt machen kann, um die ganze Schönheit zu genießen.

Wir verbrachten den restlichen Tag dort, bevor wir uns zurück auf den Weg zur Busstation machten und nach Naha zurückfuhren.

Fazit

Ein definitives Fazit zu Okinawa zu schreiben wäre an dieser Stelle vermessen. Wir hatten den großen Fehler gemacht uns direkt in Naha ein Hotel zu suchen. Wir hatten kein Auto und waren so auf den nur mittelmäßigen Nahverkehr angewiesen, der wiederum ein Erkunden auf eigene Faust erschwerte.

Wir würden jedem davon abraten, in Naha zu bleiben, zu dreckig und wenig einladend. Es gibt im Süden der Hauptinsel einige tolle Strände und auf ganz Okinawa kleinere authentische Orte, in denen man wohl eher einen Einblick in die dortige Kultur erhaschen kann. Ein Auto ist ein Muss, wir hatten darüber im Voraus gelesen, konnten uns aber nicht wirklich vorstellen, dass es zu Japans Hauptinsel solche gravierenden Unterschiede im öffentlichen Nahverkehr gibt.

Das Aquarium und der Orchideenpark haben uns super gefallen, der Rest des riesigen Geländes eher nicht.

Wenn wir eines Tages nach Okinawa zurück kehren sollten, dann wohl eher auf die südlicheren Inseln, mit den atemberaubenden Stränden und mit mehr Authentizität.


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Kati &   Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben.

 

Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

Kati + Hermann

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