Hakone: Ryokans, Onsen und das ländliche Japan

Aktualisiert: 19. Apr 2019


Das ländliche Japan durfte bei unserem Aufenthalt nicht zu kurz kommen und so entschieden wir uns für einen Stopp in Hakone, um einen kleinen Urlaub vom Urlaub einzulegen.

Die Region rund um Hakone gehört zum Fuji-Hakone-Izu National Park und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet der Einwohner Tokios. Viele verbringen dort ihr Wochenende im Kreise ihrer Lieben in den traditionellen Ryokans. Das Gebiet rund um Hakone liegt rund 100 km von Tokio entfernt und ist bequem per Shinkansen mit Weiterfahrt entweder mit der Hakone-Tozan-Linie oder dem Bus erreichbar.

Bei klarem Himmel und gutem Wetter hat man einen grandiosen Blick auf den Fuji-San. Die beste Chance ihn zu bewundern hat man früh Morgens. Es gehört allerdings viel Glück dazu, weil das Wetter sowohl in Hakone, als auch am Fuji-San direkt, gut sein muss.

Die gesamte Region ist bekannt für seine heißen Quellen, seine Ryokans, Wanderwege, schöne Natur und etliche Museen. Man hat außerdem die Möglichkeit, mit verschiedenen Seilbahnen bzw. dem Cable Car zu diversen Aussichtspunkten zu gelangen, eine Fahrt mit einem "Piratenschiff" auf dem Ashinoko See zu unternehmen und den berühmten Hakone Jinja Shrine zu bewundern, die Orte Moto-Hakone oder Hakone-machi zu besuchen, oder die lokale Spezialität, die schwarzen Eier, zu probieren. Diese werden in Owakudami direkt im brodelnden Vulkanwasser gegart.


Anfahrt aus Tokio

Nach Hakone zu gelangen, gestaltete sich für uns irgendwie schwieriger als gedacht. Am Bahnhof in Yumoto Hakone mit dem Schinkansen aus Tokio angekommen, mussten wir erstmal den richtigen Bus in Richtung unseres Ryokans finden, dank Infoschalter ging das aber recht fix. Wir teilten der netten Mitarbeiterin einfach mit, wie unser Ryokan hieß und sie suchte uns die Buslinie und die Station raus, an der wir aussteigen mussten. Easy.

Busfahren in Japan läuft etwas anders ab, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Man steigt in den Bus ein, zieht ein Ticket, auf dem eine Ticketnummer aufgedruckt ist, und bezahlt dann erst beim Ausstiegen, wenn's geht möglichst passend.

Während der Fahrt kann man auf einer Anzeige im Bus ablesen, wieviel man bis zum augenblicklichen Zeitpunkt bezahlen muss. Neben der Ticketnummer wird der Fahrpreis angezeigt, der sich je nach Entfernung ändert.

Nach einer knappen Stunde Fahrt durch Täler und über Berge mit weitläufigen Ausblicken über die Region, Gebirgsbächen und verschiedenen kleinen, verschlafenen Örtchen, erreichten wir endlich unser Ziel.

Wir hatten ein tolles Ryokan in Shisseikaen gebucht, mit privatem Onsen direkt an unserem Zimmer, und mit einem traditionellen japanischen Abendessen, das am Abend in unserem Zimmer serviert wurde.

Dank Hermanns gutem Orientierungssinn und im Voraus notierter Wegbeschreibung fanden wir unser Ryokan recht schnell. Übernachtungen in Ryokans, gerade in guten, können ins Geld gehen, sind unserer Meinung nach aber ein Must Do, wenn man Japan besucht.

Unser Ryokan: Rikyuan

Das von uns gebuchte Ryokan hieß Rikyuan und war der absoluter Wahnsinn. Stilvoll eingerichtet, ruhig und einladend. Schon beim ersten Betreten der Anlage fühlten wir uns wohl und irgendwie sofort entspannt. Der Empfang war herzlich, wir wurden in gebrochenem Englisch begrüßt, unsere Rucksäcke wurden uns abgenommen und schonmal ins Zimmer gebracht. Wir erhielten Hausschlappen und wurden anschließend in einen kleinen Empfangsraum geleitet, in dem Tee und Gebäck für uns bereitstand. Ein Geruch von Räucherstäbchen lag in der Luft.

Man überreichte uns Yukatas, ein traditionelles japanisches Kleidungsstück, das einem Kimono ähnelt und bei Aufenthalten in Ryokans aber auch in der Öffentlichkeit von Japanern getragen wird. Wir waren die einzigen westlichen Touristen und fühlten uns anfangs etwas unpassend angezogen. Die japanischen Gäste und Gastgeber gaben uns aber durch Nicken und Lächeln zu verstehen, dass unsere Sorge unbegründet war.

Man führte uns den schön beleuchteten Flur entlang zu unserem Zimmer, die Tür ging auf... und wow.

Auch hier, wie in unserem Ryokan in Nozawa Onsen war die Einrichtung minimalistisch, stilvoll und typisch japanisch. Wir hatten uns sehr auf den privaten Onsen gefreut, sodass wir sofort den Shoji öffneten um einen Blick auf die uneinsehbare, traditionelle Bademöglichkeit zu werfen. Hammer! Wir zögerten nicht lange und ab ging's erstmal zur Entspannung ins eigene outdoor Bad.


Wir hatten uns zuvor über alle Regeln eines Onsenbesuchs informiert und obwohl wir nur zu zweit in dem kleinen Pool saßen und dieser uneinsehbar war, wollten wir irgendwie alles richtig machen.

Wir brausten uns ab, platzierten das kleine Handtuch auf dem Kopf und betraten den Onsen. Das Wasser roch nach Sulfur und dampfte. Es plätscherte heißes Quellwasser aus dem Hahn. Man konnte je nach Belieben die Temperatur regulieren und kaltes (oder heißes) Wasser hinzufügen. Tolles Erlebnis draußen in der Kälte (es war Anfang März) ein heißes Bad zu nehmen.

Das Ryokan verfügte noch über einen Onsen, der allen Gästen zur Verfügung stand. Man konnte dort aber in den Abendstunden pro Zimmer eine halbe Stunde vorreservieren, in der man dann die gesamte Anlage für sich hatte. Gesagt, getan.

Für mich war unser Aufenthalt in Hakone die perfekte Möglichkeit, Onsen zu nutzen. Ich bin stark tätowiert und wollte niemandem zu Nahe treten bzw. respektlos erscheinen, hätte ich ein öffentliches Bad besucht. Uns ist es wichtig, Traditionen und Kultur zu respektieren und zu achten, wenn wir Länder bereisen.

Zwischendurch gönnten wir uns eine traditionelle japanische Ganzkörpermassage. Es war anders, als das, was man so aus Bali oder Thailand kennt, nicht so "grob" und fest, was aber nicht heißen soll, dass es lasch war. Einfach anders und schwer zu beschreiben. Uns beiden hat's super gefallen und wir würden es auf jeden Fall wiederholen.

Der Massageraum war elegant eingerichtet, sehr sauber und wohlig, man wurde mit einer Tasse Tee begrüßt. Obwohl die Masseurin kein Wort Englisch sprach, konnten wir uns dennoch mit Händen und Füßen verständigen.

Traditionelles Essen – Kaiseki Ryori

Am Abend wurde uns dann das traditionelle japanische Essen aufs Zimmer serviert. Das stand auf unserer “in Japan To Do Liste” ganz oben. Komplett andere Texturen vom Essen, als das was wir gewohnt sind. Ich würde es mit glibberig, weich, schleimig und relativ geschmacklos beschreiben, was aber keinesfalls negativ gemeint ist!

In der traditionellen japanischen Küche wird kein Salz verwendet. Das 11-Gänge-Menü wurde nach und nach direkt in unserem Zimmer serviert, wir bekamen eine englische Übersetzung des Menüs. Der Kellner versuchte uns bei jedem Gang zu erklären, was das genau ist und wie es hergestellt wird. Bei einem der Gänge mussten wir mit einem kleinen Kocher das Essen selbst "fertigkochen". Ein Teil wurde kalt serviert, ein Teil war fermentiert, ein Teil roh, die meisten Zutaten stammten direkt aus der Region. Sehr abwechslungsreich.



Die kleinen Schälchen waren in Perfektion angerichtet, schön dekoriert mit Sakura-Blüten und kleinen Zweigen. Wir konnten nicht anders, als von jedem neuen Gang, der uns serviert wurde, erstmal ein Foto zu machen und uns einige Minuten über das Essen zu unterhalten. Sake durfte da nicht fehlen und rundete den gesamten Abend ab.

Auch diese Erfahrung können wir jedem, der nach Japan reisen will, uneingeschränkt empfehlen.

Das Frühstück am nächsten Morgen wurde im traditionellen Speisesaal serviert. Niedrige Tische, Sitzkissen. Wir saßen mit lauter japanischen Familien zusammen, alle trugen Yakutas, die Stimmung war herzlich, das Essen wieder wunderbar. Frisch gebrühter grüner Tee, eingelegter Fisch, Reis wurden ebenso serviert, wie die lokalen schwarzen Eier oder Tofu. Hinweis: Grüner Tee wird in Japan ungesüßt getrunken.

Bootsfahrt über den Ashinoko See

Anschließend machten wir eine Bootstour über den Ashi See mit den dort berühmten "Piratenschiffen". Auch hier wieder relativ viele Touristen, allerdings größtenteils aus Japan. Im See stehen einige Shinto Schreine, unter anderem den Hakone Jinja Shrine, der vor Hakone-machi liegt. Man hat einen tollen Blick auf die Natur und die umliegenden Berge, bei gutem Wetter auch auf den Mount Fuji. Wir hatten leider Pech mit dem Wetter, es war zwar teils sonnig, aber leider zu bewölkt und diesig, als dass man den Fuji-San hätte sehen können.


Man kann mit dem Boot entweder eine Rundfahrt machen oder von Ort zu Ort fahren, absteigen und sich dann dort die Highlights, wie z.B. den Schrein anschauen.

Tipp: Es gibt in der Region viele Kombitickets für verschiedene Buslinien oder Attraktionen. Wenn man dort mehrere Tage verbringt, lohnt sich der Kauf.

Am nächsten Tag fuhren wir mit der gleichen Buslinie zurück nach Yumoto Hakone. Der Bus schlängelte sich durch enge Bergstraßen, vorbei an verschlafenen Orten mit seinen alten japanischen Brücken und Mühlen, die so aussahen, als würden die Uhren dort langsamer ticken.

Die Kirschblüte setzte gerade ein, was für ein toller Abschluss unseres Aufenthaltes, bevor es für uns weiterging in unsere, wie sich rausstellen sollte, absolute Lieblingsstadt: Kyoto.

Fazit

Die gesamte Region rund um Hakone bietet ein komplettes Kontrastprogramm zum Trubel und zur Hektik in Japans Städten.

Als Tagesausflug von Tokio aus würden wir Hakone nicht empfehlen, es gibt einfach zu viel zu sehen und die Entfernungen in der Region sollten nicht unterschätzt werden. Falls du aber auf deinem Weg von Tokio nach Kyoto ein wenig Zeit hast, wäre Hakone ein idealer Stop, um mehr vom ländlichen Japan zu sehen und zu erleben.


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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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