Fitzroy Crossing - Eine Tierrettungsstation am Ende der Welt

Aktualisiert: 19. Apr 2019


Und wo liegt das Ende der Welt Genau, in Fitzroy Crossing!

Jedenfalls haben wir uns das schon ein paar mal so gedacht. Fitzroy Crossing ist ein kleiner Ort mitten im Nirgendwo des australischen Outbacks. Es ist buchstäblich am A.... der Welt. Die nächste "Stadt" ist schlappe 300 km entfernt und es gibt in Fitzroy Crossing nur einen kleinen Supermarkt, eine winzige Post, ein Geschäft, in dem man Werkzeuge und dergleichen kaufen kann und ein Geschäft, das ein paar Klamotten verkauft. Super, denkt sich vielleicht der ein oder andere jetzt... Da würde ich gerne mal hin!

Aber wirklich dort leben wollen wohl nur die wenigsten. Warum man hier dennoch anhält, ist schnell erklärt, es gibt zwei Tankstellen und ein paar Übernachtungsmöglichkeiten. Und den Geiki Gorge National Park. Ein überschaubares Areal mit einer wirklich wunderschönen Schlucht, die der Fitzroy River über Jahrmillionen in den Fels gefräst hat.

Das Schöne an dieser ruhigen 1000-Einwohner-Stadt ist, dass es hier nur so von wilden Tieren wimmelt. Wir sind umgeben von Wallabies, Kakadus, Papageien, Goanas, Schlangen und Süßwasserkrokodilen, um nur einige zu nennen. Um es kurz zu fassen - es ist ein wahres Naturparadies. Wir leben hier nun schon mehr als 3 Jahre und starten Ende diesen Jahres unsere Weltreise von hier aus.

Jeden Morgen wachen wir auf und Dutzende von süßen Wallabies hocken vor unserem Wohnbereich und mampfen genüsslich das immergrüne Gras, das Dank der zahlreichen Rasensprenger das ganze Jahr über wächst. Wallabies haben kaum Scheu. Schleicht man sich an, vor allem im Dunkeln, kann man recht nah an die flauschigen Tierchen gelangen. Das mag zwar süß sein, doch das Problem ist ein anderes, und zwar, wenn sich statt eines Menschen ein Auto "anschleicht". Irgendwie scheint diesen Tieren der Sinn für Gefahr zu fehlen oder sie finden Autos so anziehend, dass sie sich Nachts "reihenweise" davor stürzen.

In der Trockenzeit, wenn die Stadt von Durchreisenden belagert wird und sich die Aboriginals längst in ihre Communities abseits des Ortes verzogen haben, liegen die toten Tiere zu Dutzenden auf der Straße. Viele sind sofort tot, manche nicht. Sie liegen halb benommen, schwer verletzt und blutend am Straßenrand, während über ihnen schon wartend die Adler ihre Runden drehen.

Tierrettungsstation

Doch es gibt eine Rettung: Tamela ist ihr Name. Wer auch immer ein verletztes oder krankes Tier findet, der bringt es zu ihr. Sie ist eine Einheimische, die eine Art Tierrettungsstation betreibt.


Wenn ich hier Tierrettungsstation schreibe, meine ich eher, dass sie die verletzten Tiere bei sich zu Hause aufnimmt, pflegt, füttert, aufzieht, ihnen ein Heim gibt und sie nach einer gewissen Zeit wieder in die Wildnis entlässt. Es ist das ehrgeizige Projekt einer "Crazy Animal Lady". Sie nennt sich selber so, wohlwissend, dass wenn man den ganzen Umfang ihrer Rettungsstation sieht, man denken könnte, sie hat das grösste Herz von allen. So viele Tiere und Gehege, um die sie sich kümmert.

Wir hatten schon vor einer Weile von ihr gehört, wollten mal vorbei schauen, um zu sehen, was sie so macht und ihr unter die Arme greifen. Hilfe ist bei ihr immer erwünscht. Alles was sie macht ist freiwillig, soll heißen, dass sie keinerlei Unterstützung vom Staat oder sonst einer offiziellen Stelle erhält. Sie geht einem normalen Job nach und steckt fast das gesamte Geld, das sie verdient, in Ihre Herzensangelegenheit.

Wir riefen sie an, um einen Tag auszumachen, an dem wir mal vorbei schauen könnten. Sie freute sich riesig, dass jemand interessiert war zu helfen.

Als wir an ihrem Haus ankamen, hörten wir es schon gackern. Überall flitzten kleine Hühnchen umher und Hähne buhlten um die Aufmerksamkeit der Hennen. Wir warteten am Eingangstor auf Tamela. Wir konnten im Vorgarten schon ein kleines Gehege sehen, in dem sich Baby Wallabies tummelten. Die Tür des Hauses öffnete sich und Tamela kam, gefolgt von einer Schneeflocke auf uns zu. Ja, eine Schneeflocke! Eine laufende noch dazu. Kati taufte sie sofort Lydia und für alle die es nicht glauben, hier das Beweisfoto.

Tamela begrüßte uns, als würden wir uns schon ewig kennen und führte uns in ihr Haus. Wir zogen unsere Schuhe aus und gingen in Richtung Küche. Auf dem Fußboden stand ein kleiner Korb, der mit plüschigen Decken ausgelegt war. Wir setzten uns auf die Küchenbank und bekamen ein Kaffee angeboten. Kati und ich starrten beide auf diesen Korb mit den bunten Decken. Warum steht der da? Sind da etwa..? Kleine....?

Schau, es bewegt sich!

Kati fragte sofort, ob sie mal einen Blick hinein werfen darf.

Sure! Go ahead, it's four in there.

Vier? Kati schob die Decken etwas zur Seite und schon sprangen ihr zwei riesige, schwarze Knopfaugen entgegen. Babywallabies! Süüüüüüüüssss!

So klein und so zerbrechlich. Eines war schon etwas größer, sofern man überhaupt "größer" sagen kann, ein weiteres hatte noch nicht einmal Fell und war ganz tief in den warmen Decken eingehüllt. Alle vier Babies teilten aber das gleiche Schicksal. Ihre Mütter wurden von Autos angefahren und verstarben noch an der Unfallstelle, während die Babies im Beutel überlebten und zur Rettungsstation gebracht wurden. Nun sind sie hier, werden umsorgt, aufgepäppelt und auf ein Leben in der freien Wildbahn vorbereitet.

Tamela erzählte uns von all den Tieren, um die sie sich kümmert. Dass sie verschiedene Gehege für verschiedene Altersstufen der Tiere hat. Kängurus, Wallabies, Bush Turkeys, Eulen, Cockatoos, Emus, Hühnchen, Tawny Frogmouths und Skates (eine Art australischer Bussard) wachsen hier auf.

Darüber hinaus kommen allerlei wild lebende Tiere vorbei, weil sie anscheinend auch von Tamelas Gastfreundschaft gehört haben. Darunter ist ein Paar Brolga Kraniche. Einer von ihnen hat sich durch einen Unfall den Schnabel verdreht. Er kann nur schwer trinken und eigentlich nicht alleine fressen. Sein Partner hilft ihm aber, und versucht ihn mit kleinen Insekten zu füttern. Die beiden Kraniche kommen jeden Tag von alleine zur Station geflogen, wo sie dann von Tamela gefüttert werden. Ohne sie wäre der eine von ihnen wohl schon längst verhungert.

Wir persönlich finden es komplett abgefahren, dass so viele verschiedene Tiere dort so friedlich miteinander leben und teilweise von alleine dort hin kommen, um Hilfe zu erhalten.

Ran an die Arbeit!

Nachdem wir unseren Kaffee getrunken und einen ersten Eindruck bekommen hatten, machten wir uns an die Arbeit. Wir waren ja schließlich hier, um zu helfen. Tamela gab uns die Instruktionen und wir führten sie aus. Als erstes stand das gemischte Gehege mit Kängurus und Wallabies auf dem Programm.

Harke? Check!

Schlauch? Check!

Bürste? Check!

Schubkarre? Schubkarre! Die werdet Ihr brauchen.

Ok...

Also rein ins Gehege und los ging's. Erstmal die ganzen Kökel und die trockenen Blätter und Äste zusammen harken. Oh je, hier ist ja alles voll, überall! Ich konnte nicht glauben was ich sah, alles voller Kökel. Das soll von einem Tag sein?

Ich beobachtete die Tiere kurz und konnte tatsächlich sehen, wie sie etwas Heu fraßen und im selben Moment daraus einen Köttel produzierten. Haha, so schlimm wars nun nicht... aber fast. Den Beweis sieht man in unserem Video gleich am Anfang. Wir harkten alles zusammen, reinigten die Wassernäpfe und füllten das Futter nach. Als ich die Futtertonnen im Gehege öffnete, um etwas Heu heraus zu holen, bemerkte ich etwas, das mir unendlich leid tat.

Alle Wallabies und Kängurus waren etwas nervös und nahmen Reißaus, da sie uns noch nicht kannten. Nur eines schien nicht vom Fleck zu kommen, es wollte weghüpfen, schien aber mehr zu stolpern und immer wieder zu stürzen ohne irgendwie vorwärts zu kommen. Dann sah ich, dass dem Tier ein Bein fehlt. :( Ein Bein reicht leider nicht um wegzuhüpfen, noch nicht mal ansatzweise. Das arme Ding würde hundertprozentig sterben, wäre es nicht bei Tamela in der Tierrettungsstation. Was aber wiederum heißt, dass dieses Känguru für immer dort leben und nicht mehr in die Freiheit kommen wird.

Die erste Schubkarre war mittlerweile voll mit Kötteln und es sollten noch viele mehr folgen. Wir arbeiteten uns von Gehege zu Gehege und wurden mal mehr mal weniger freundlich von den Tieren dabei beobachtet. In einem Gehege liefen ein paar Bush Turkeys, zu deutsch Buschtruthähne, herum. Diese Truthähne sind nicht zu vergleichen mit Truthähnen, wie man sie aus Deutschland kennt. Diese hier waren viel größer, gingen mir bis etwas über die Hüfte, und viel "böser", zumindest einer von ihnen.


Der alte "Angeber". Er war nicht wirklich erfreut, dass wir zwei dort sauber machen wollten und knurrte uns die ganze Zeit an. Jedesmal wenn ich ihm meinen Rücken zudrehte, bauschelte er sich hinter mir auf und machte irgendwelche Bewegungen, um mich einzuschüchtern. Aber wie bei allen Angebern hilft es, sie einfach mal zu ignorieren. Schon bald verlor er das Interesse und ließ uns in Ruhe arbeiten. Anschließend ging es noch in das große Kängurugehege, aus dem wir noch zwei weitere Schubkarren mit Kötteln herausfuhren.

Nach getaner Arbeit war dann der große Moment gekommen.

Fütterungszeit der Babies!

Tamela kam mit zwei vorgewärmten Fläschchen Milch auf uns zugelaufen und führte uns zum Babygehege. Dort war ein kleiner Beutel aufgebaut, also wie eine Art Miniaturschaukel, an der ein plüschiger Sack befestigt ist, in dem die kleinen Wallabies chillen. Sie gab uns kleine Stoffbeutel und bat uns darum, dass jeder von uns ein Wallaby aus dem Gehege holt, sich auf den Schoß setzt und dann mit dem Fläschchen füttert.

Gesagt, getan.

Es war ziemlich einfach die kleinen in die Beutel zu bekommen. Wir mussten ihn nur aufhalten und sie machten quasi von alleine einen Purzelbaum hinein. Easy!

Das Füttern an sich war auch umständlich. Wir hielten den Wallabies die Augen zu, damit sie den Mund öffneten und anfingen zu saugen. Fläschchen rein und schon tranken sie, bis sie satt waren. Unsere Fütterung blieb allerdings nicht unbemerkt. In der Nähe des Geheges liefen die ganze Zeit schon neugierig Emus herum, die sichtlich daran interessiert waren, was wir da so machen. Einer von ihnen schlich sich von hinten an Kati heran, als sie gerade dabei war eines der Wallabies zu füttern. Ich filmte gerade für unser Video und konnte mich innerlich vor Lachen nicht mehr halten. Kati hat nichts gemerkt und der Emu schaute ihr die ganze Zeit über die Schulter. Das Füttern der Kleinen war unser Highlight des Tages und wir verbrachten den Rest des Nachmittags im Babygehege.

Eine ganze Weile später sind wir dann ins Haus zurück, wo uns Tamela noch einmal zu dem Korb führte, in welchem wir zu Beginn schon einmal hineingeschaut hatten. Fütterungszeit, die Zweite.

Nun waren die kleinsten an der Reihe, schließlich haben die auch Hunger. Das Erste konnten wir einfach heraus nehmen und setzten es auf den Küchenboden. Es fing sofort an zu hoppeln und machte sich auf in Richtung Fressnapf, in dem schon frische Äpfel und Süßkartoffelscheiben bereit lagen. Dann wühlten wir vorsichtig tiefer im Korb. Schicht um Schicht schoben wir die Decken zur Seite, bis wir ein klitzekleines, noch nacktes Wallaby vorfanden. Vorsichtig hoben wir es heraus und Tamela bat uns, es einzucremen.


Normalerweise herrscht im Beutel eines Kängurus immer eine gewisse Feuchtigkeit, die die verletzliche Haut des Neugeborenen in Takt und geschmeidig hält. Da dieses Baby aber keinen natürlichen Beutel seiner Mutter mehr hatte, mussten wir mit einer speziellen Feuchtigkeitscreme nachhelfen. Das Ganze musste relativ schnell gehen, weil die Gefahr bestand, dass das Junge sonst unterkühlt. Also husch husch, das Schwänzchen zuerst, dann die Füßchen und zu guter Letzt noch ein wenig den kleinen Kopf. Alles eingecremt? Dann nichts wie zurück in die warmen Decken im Körbchen.

Wir hatten noch nie zuvor so ein junges Kängurubaby gesehen, so verletzlich und hilflos.

Das etwas größere der beiden hoppelte derweil immer noch munter in der Küche umher und aß genüsslich die Apfelscheiben.

Es näherte sich so langsam das Ende unseres Tages in der Tierrettungsstation. Wir gingen noch einmal in den Hinterhof, fütterten noch eine Eule, deren Flügel gebrochen war und einen schwarzen Kakadu, der so lieb war, dass sich alleine ein Besuch, nur um ihn zu sehen, gelohnt hätte. Er war sehr zutraulich und aufgeweckt. Wir sammelten noch ein paar frisch gelegte Hühnereier ein, schauten den Emus dabei zu, wie sie aus den Wassernäpfen tranken, bevor wir uns langsam auf den Heimweg machten.

Fazit

Um es kurz zusammen zu fassen: Wir haben uns verliebt!

Seit unserem Besuch bei Tamela und ihren Tieren gehen wir nun so oft es geht dort hin und helfen mit, alles in Stand zu halten und die Tiere aufzupäppeln. Ich kann es nur nochmal schreiben, sie betreibt dieses gesamte Projekt zu 100% freiwillig und freut sich deswegen über jede Hilfe, die Sie bekommen kann. Es ist der Hammer, dass es hier in Fitzroy Crossing jemanden gibt, der sich um all die verletzten und kranken Tiere kümmert.


Wir nehmen diese Erfahrung auch auf unsere Weltreise mit und haben uns vorgenommen, dass wenn wir wieder mal so einem Projekt über den Weg laufen, wir wieder mit anpacken und helfen werden.

Und so hat Tamelas Tierrettungsstation nicht nur den Tieren, sondern auch uns etwas gebracht.

Cheers Tamela


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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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