Motueka: Fallschirmsprung

Aktualisiert: 20. Apr 2019


Wer mich kennt, weiß, was für Höhenangst ich habe. Egal ob steile Treppe mit Blick nach unten, schmaler Weg am Abgrund oder Glasböden in Aussichtstürmen. Hilfe!

Ich habe immer mal wieder darüber nachgedacht, wie das wohl wäre einen Fallschirmsprung oder Bungee Jump zu machen, aber das war eher so theoretisch. Nie hätte ich gedacht, wirklich den Mut zu einem Sprung zu haben. Neuseeland ist ja bekannt für seine tollen Locations für Fallschirmsprünge. Egal ob Lake Taupo, Queenstown oder eben Motueka.

Wir hatten gerade unsere 3-tägige Wanderung durch den Abel Tasmal National Park hinter uns gebracht und wollten wieder zurück Richtung Picton fahren, um uns von dort aus auf den Weg Richtung Kaikoura zu machen. In Motueka wollten wir eigentlich nur ein paar Besorgungen erledigen und weiterfahren.

Wir sahen auf dem Weg einige Schilder mit “Skydive Motueka”.



Was meinst Du, soll ich das heute noch machen?

Fragezeichen in Hermanns Augen. Ich hatte es - glaube ich - Sekunden später schon wieder bereut, es überhaupt ausgesprochen zu haben. Es stand dem aber eigentlich nichts im Wege. Wir hatten keinen Zeitdruck, kein Stress, es war erst vormittags. Ich redete mir ein, dass ich meine Höhenangst überwinden kann, wenn ich nur erst einmal einen Fallschirmsprung hinter mir hätte!

Na los, lass mal hinfahren und schauen, ob die für heute oder morgen noch was frei haben.

Gesagt, getan. Dort angekommen, waren noch ein paar andere Touristen da. Ich schaute in den Himmel und sah kleine Pünktchen näher kommen. Scheiße, ist das hoch! Ich kann das nicht!

Wir informierten uns über den Preis, die verschiedenen Optionen mit Fotos und Videos. Für heute wäre sogar noch etwas frei. Oh man, was nun? Ich schaute Hermann an. Ich weiß nicht wieso, aber ich überlegte nicht lange und sagte:

Okay, tragt mich für heute ein, ich mach’ das!

Vor meinem Sprung gingen noch zwei andere Flieger mit Touris hoch, ich hatte also genug Zeit, mich drauf einzustellen. Dachte ich. Je näher meine Zeit kam, desto nervöser wurde ich, mit mir warteten noch drei andere darauf mitzufliegen, darunter eine Deutsche. Mir gingen die wildesten Dinge durch den Kopf: Wir werden abstürzen! Mein Fallschirm wird sich nicht öffnen! Mein Magen spielte verrückt.

Wir wurden gebrieft, bekamen unsere Ausrüstung, die ersten kleinen Videosequenzen wurden gefilmt. Erst als das alles passierte, merkte ich, was da gerade auf mich zukam. Als es dann losging, konnte ich meine Nervosität nicht mehr zurückhalten, ich hatte im Voraus Bescheid gesagt, dass ich akute Höhenangst habe. Für die Kamera versuchte ich, mir nix anmerken zu lassen, aber innerlich wollte ich nicht in dieses Flugzeug einsteigen und am liebsten alles abblasen!

Es gab verschiedene Optionen bezüglich der Fallschirmsprunghöhe, drei Mal dürft ihr raten, für welche ich mich entschieden habe. Es gab die Wahl zwischen 9,000ft, 13,000ft und dem Maximum 16,500ft.

Natürlich die höchste! 16,500 ft, 5029 m. Wenn schon, denn schon!

Wir waren zu neunt im Flieger, 4 Touris, 4 Tandemspringer und der Pilot. Der Flug an sich war schön ruhig, die Aussicht war der Wahnsinn, man konnte die Nordinsel sehen, den Abel Tasman Nationalpark mit seinem türkisen Wasser, die schneebedeckten Berge im Süden. Das weiß ich aber alles nur, weil ich mir mein Fallschirmsprung Video angeschaut habe. Zu dem Zeitpunkt des Fluges konnte ich mich auf nichts konzentrieren.

Schnappatmung, Herzrasen, Panik.

Die Tür ging zum ersten Mal auf. Ich wusste aber, dass ich noch ein bisschen Zeit habe. Komplette Panik stieg in mir hoch. Ein paar Minuten später öffnete sich wieder die Tür. Diesmal für mich!

Mein Tandem Master war die ganze Zeit über total aufbauend gewesen, hat Witze gemacht und rumgealbert um mich aufzuheitern.

Als er dann aber meinte, dass es jetzt losgehe, konnte ich mich nicht mehr bewegen, ich war steif vor Panik. Er zog mich regelrecht zur geöffneten Tür. Im Voraus hatte er mir erzählt, dass ich einige Sekunden aus der geöffneten Tür hängen werde, um gute Videoaufnahmen zu bekommen. Oh mein Gott! Es war so hoch und so windig.

Und dann: Merkte ich den Ruck! Es ging los!

Ich konnte während der gesamten Zeit an nix denken, der Adrenalinschub war unfassbar. Für die Kamera machte ich die üblichen Posen, die man so bei einem Fallschirmsprung macht, aber auch hieran konnte ich mich nicht erinnern, bis ich mir dann das Video anschauen konnte!

Ich schaute mich um und konnte zum ersten Mal die wunderschöne Landschaft sehen und genießen. Aus Panik wurde Glück, ich war so stolz, dass ich mich das tatsächlich getraut hatte!

Ich falle gerade aus über 5000 m aus einem Flugzeug!

Als sich dann der Fallschirm öffnete und wir langsam runter segelten, war ich komplett entspannt und wollte am liebsten gleich noch einmal springen. Irgendwie ging das alles zu schnell vorbei. Ich hatte mich zu keiner Sekunde unsicher gefühlt. Der Kameramann und mein Tandem Typ waren super. Nach der Landung ging alles ganz schnell. Ich zog mich um, bekam was zu trinken und wurde gefragt, was ich gerne für Hintergrundmusik für das Video hätte. Irgendwas rockiges, sagte ich.

Wir mussten eine Weile auf die Fotos und die Videos warten. Ich war immer noch total aus dem Häuschen und voller Adrenalin, als einer der Mitarbeiter auf uns zu kam und sagte, es gäbe da ein Problem! Oh nein, das Video wurde nicht aufgezeichnet, war mein erster Gedanke.

Der Großteil der Fotos während des Sprungs seien nix geworden, das Video ist aber komplett gefilmt. Ich würde das Video umsonst bekommen, er sagt schnell an der Kasse bescheid. Juhuuuuu! Jackpot!

Rückblickend muss ich sagen, dass das eine der krassesten Erfahrungen meines Lebens war, ich aber meine Höhenangst dadurch nicht überwunden habe.


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Kati + Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben. Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

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