Mount Ijen - Abstieg in einen aktiven Vulkankrater

Aktualisiert: 20. Apr 2019



Java ist die am stärksten bevölkerte Insel Indonesiens mit rund 140 Mio. Einwohnern. Quer über die gesamte Insel zieht sich eine Kette an Vulkanen, einige aktiv, einige schlummernd.

Herman und Miya, die Inhaber unseres Home Stays, erzählten uns eines Abends vom Mount Ijen, einen 2800 m hohen Vulkan, der in einem Vulkankomplex im Osten Javas liegt und blaues Feuer speit. Ausgebrochen ist er das letzte Mal 1999. Wow, klingt super. Wir überlegten nicht lange und buchten die Tour sofort.

Der Ausflug sollte 12 Stunden dauern, inklusive Autofahrt zum Hafen, Fährüberfahrt nach Java und nochmal eine Autofahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung auf den Mt. Ijen, mit anschließendem Kraterabstieg zu den blauen Flammen. Das alles aber in kompletter Dunkelheit, denn man sieht das blaue Feuer bei Tageslicht nur sehr schwer. Zustande kommt es durch entflammtes Sulfurgas, das aus den Vulkanspalten hochschießt. Auf Mount Ijen sind die blauen Flammen die höchsten, die es weltweit zu sehen gibt. Sie können bis zu 5 m hochschießen und über 600 Grad heiß werden.

Wir fuhren gegen 20 Uhr los und sollten am nächsten Tag um 8 Uhr morgens wieder am Homestay sein. Das war der Plan. Wir hatten einen eigenen Fahrer und einen Tourguide, der aber eher ein Freund der Familie war. Wir fuhren los und stellten ziemlich schnell fest, dass es zwei super Typen sind, aufgeschlossen und freundlich. Nach einer Weile kamen wir am Hafen an, wo schon die Fähre des Grauens auf uns wartete. Man hört ja immer mal wieder, dass gerade in Indonesien gerne mal Fähren absaufen. Als wir unsere dann betraten, konnten wir erahnen, warum.

Die Überfahrt mit der sehr rostigen und klapperigen Fähre von Bali nach Java, von der wir dachten, sie würde jede Sekunde sinken, war nicht so schön. Exkremente der Passagiere schwappten unaufhörlich im Rhythmus der Wellen durch die Toilettengänge. Der Geruch war furchtbar, sicher fühlten wir uns zu keiner Sekunde.

Nachdem wir dann endlich im Hafen auf Java angelegt hatten, wurden wir von unserem Fahrer abgeholt und fuhren im dunkeln los Richtung Mount Ijen. Erst durch den lebendigen Hafenbereich und die City, bevor es langsam ruhiger wurde, die Häuser und Menschen verschwanden und die Steigung hoch zum Vulkan begann. Der Geruch veränderte sich, wurde stärker, es roch nach Schwefel, verfaulten Eiern. Aufregung machte sich breit, wir sind bald da!

Wir machten in einem Camp am Fuße des Mt. Ijen halt, von wo aus auch die Arbeiter ihren Arbeitstag beginnen (dazu später mehr).

Anstieg, Abstieg & das blaue Feuer

Der Anstieg war für mich zeitweise anstrengend, weil ich im dunkeln keine Orientierung hatte und nicht wusste, wie lange der ganze Fußmarsch noch dauern würde. Der Anstieg dauerte dann zwei Stunden bis zum Kraterrand und Hermann ist wieder ohne Probleme raufmarschiert. Oben angekommen konnten wir den Rauch sehen, der Geruch wurde extrem, auch das blaue Feuer konnten wir schon erkennen.

Wir wollten so schnell es geht runter, um keine Zeit zu verlieren. Der Abstieg war mühselig und steil (bis zu 60 Grad), für die 300 m bergab brauchten wir ungefähr 45 Minuten, um uns herum lag überall loses Geröll. Es war stockdunkel, gesehen haben wir nichts, außer den blauen Flammen, die tief unten im Krater loderten. Wir kletterten über Steine, rutschten mehrere Male ab, bevor wir dann endlich unten ankamen. Da standen wir also. Die Augen wurden größer.

Wahnsinn. Das es sowas gibt! Schau dir mal die Farben an!


Unser Guide zog sich zurück, gab uns soviel Zeit, wie wir wollten und wir gingen los, alles zu erkunden, was um uns herum passierte. Wir hatten Glück mit dem Wind, der die meiste Zeit in die andere Richtung wehte, sodass wir den perfekten Blick auf die blauen Flammen hatten. Wir wollten so nah wie möglich ran, um gute Fotos zu schießen, die Gase und die Hitze machten dies aber unmöglich. Einen Tripod hatten wir zu dem Zeitpunkt leider noch nicht und so sind die Nachtfotos alle etwas unscharf und verwackelt.

Der Geruch war zeitweise so beißend, dass wir Probleme hatten zu Atmen, Atemmasken hatten wir nämlich keine, schlau war das nicht. Dennoch konnten wir nicht anders, das blaue Feuer war einfach zu spektakulär und so blieben wir so lange es ging in der Nähe und staunten über dieses einzigartige Naturschauspiel. Die knallblauen Flammen direkt vor uns, der Anblick erinnerte uns an eine überdimensionale Herdflamme.

Abbau von Sulfur per Hand

Direkt im Krater gibt es außerdem eine Sulfurabbauanlage, in welcher der gesamte Prozess vom Abbau bis hin zum Verkauf von Hand erledigt wird. Einheimische Männer tragen 75 - 90 kg erkalteten Sulfur in Körben auf dem Rücken den Krater hoch und wieder runter in den nächsten Ort. Vorstellen kann man sich das so: Ein alter Besenstiel, der über die Schultern gelegt wird, an dem zwei geflochtene Körbe rechts und links angebracht sind und jeder von ihnen bis zu 45 kg wiegt. Hammerhart! Was für eine Qual das sein muss, diese dann zweimal am Tag aus dem Krater ins nächste Dorf zu befördern. Dort angekommen, müssen sie noch einige Kilometer zur Paltuding Valley weitergehen, wo sie das Sulfur dann verkaufen. Das Ganze machen sie zwei mal am Tag. Wir haben die Körbe mit dem Sulfur gesehen und versucht anzuheben, geschafft haben wir es nicht.

Die Lebenserwartung dieser Männer ist gering. Es kann einem schon leid tun, aber es ist die einzige Möglichkeit, dort in der Region überdurchschnittlich gutes Geld zu verdienen. (Tageslohn von ca. 6-8 US$/Tag).

Das Sulfur wird durch Rohre gewonnen, durch welche es abfließt. Die Farbe ist dunkelrot, wenn es heiß und flüssig ist, gelb, wenn es erkaltet. Anschließend wird das erkaltete Sulfur mit Hilfe einer Metallstange in kleine Brocken aufgebrochen und in die Körbe gelegt.

Einer der Männer hatte einen kleinen Hocker und Metallförmchen vor sich liegen, direkt im Krater, und goss vor Ort kleine Förmchen aus Sulfur. Diese ließ er erkalten und verkauft sie dann für ein paar Dollar an Touristen. Dieser Nebenverdienst ist wichtig für die Männer und sie freuen sich über jedes noch so kleine verkaufte Förmchen.


Wir hatten geplant, zum Sonnenaufgang wieder oben am Kraterrand zu sein, wollten uns aber unbedingt noch den Kratersee im Sonnenaufgang/Tageslicht anschauen. Als wir auf White Island, einem aktiven Vulkan in Neuseeland waren, war der Kratersee dort leider ausgetrocknet. Hier konnten wir im Dunkeln das Wasser glitzern sehen und überredeten unseren Guide noch zu bleiben.

Kawah Ijen, der Kratersee

Es wurde langsam hell und der Anblick war magisch. Der Dampf, dieses mystische, die Farbe des Kratersees - verschiedenste helle Blautöne bis hin zu Türkis - die Atmosphäre war einmalig. Der Kawah Ijen ist der größte vulkanische Kratersee der Welt und wir stehen gerade davor. In einem aktiven Vulkan! Mittendrin! Hammer!

Wir schauten uns um, die meisten Touristen waren schon lange wieder weg, wir schauten hoch zum Kraterrand. Das ganze Geröll, die Asche, die sich wie ein Teppich über einem Teil des Kraters legte. Der heiße Dampf, der aus den Ritzen schoss, die Arbeiter, die sich mit ihren vollgepackten Körben auf den Schultern auf den Weg nach oben machten.

Wir wollten noch garnicht los, aber unser Guide sagte wir müssen uns mit dem Anstieg beeilen. Der Wind beginnt sich zu drehen, es könnte gefährlich werden.

Der Anstieg war bei Tageslicht spektakulär. Es gab keine festen Wege, nur Trampelpfade mit losem Geröll, die sowohl von den Touristen, als auch den Arbeitern genutzt werden. Oh man, hier sind wir im dunkeln runter? Es gab auf dem gesamten Weg keine Sicherung, wenn man falsch tritt, kann man locker mehrere Meter in den Abgrund fallen. Gott sei Dank war es zu unserem Abstieg dunkel, sonst hätte ich wahrscheinlich doppelt so lange gebraucht.


Oben am Kraterrand angekommen konnte man nichts mehr sehen. Um uns herum war alles voller dichtem, beißenden Qualm. Der Wind hatte gedreht und alle Touristen, die in den Krater absteigen wollten, wurden wieder zurückgeholt, es wurde zu gefährlich. Das Atmen fiel uns schwer, aber glücklicherweise ging es für uns ja nur noch bergab. Wir drehten uns noch ein letztes Mal um, Asche bedeckte den Großteil dessen, was wir sahen.

Auf dem gesamten Rückweg sahen wir große Touristengruppen, (ob die schon wissen, dass sie nicht in den Krater können?) alle komplett ausgestattet mit Wanderstöcken und und und. Wir nicht. Wir hatten normale Klamotten und Sportschuhe an, was auch völlig ausreichte. Wir wurden die gesamte Zeit über ungläubig von den ganzen Touristen angeschaut mit Fragezeichen in den Augen, wie wir uns so eine Privattour leisten können und nicht wie sie im Rudel hochlaufen mussten. Was sie nicht wussten war, dass wir nur geringfügig mehr zahlten, als sie.

Auf dem Weg gibt es einige kleine „Raststationen“ für die Arbeiter/Touristen. Diese Häuschen bieten Getränke, aber auch z.B. heiße Suppen und andere Snacks an. Die Toiletten dort sind einfach nur ein Loch im Boden.

Rund um den Mount Ijen an den Hängen wird Kaffee angebaut, man kann Ausflüge zu Wasserfällen oder zu heißen Quellen unternehmen.

Wir kamen wieder am Camp an. Uns bot sich ein komplett anderes Bild als nachts, als wir uns auf den Weg machten. Überall waren Menschen: Touristen, Arbeiter, Tourguides und Fahrer. Garküchen, an denen man sich nach der Wanderung wieder stärken oder etwas zu trinken kaufen konnte. Viele Bänke und Tische, an denen Einheimische beisammen saßen und den Morgen genossen.



Fazit

Wir sind dankbar für diese Erfahrung und so froh, dass das Wetter und vor allem der Vulkan mitgespielt haben! Statt um 8 Uhr morgens waren wir erst gegen 10:30 Uhr wieder in unserem Homestay. Wir rochen nach Schwefel, setzten uns erschöpft in den Eingangsbereich und tranken erstmal einen Arak (Schnaps) mit unserem Guide auf den gelungenen Ausflug. Unsere Klamotten haben mehrere Waschgänge gebraucht um wieder schwefelfrei zu riechen.

Wir können diesen Ausflug nur empfehlen. Wir hatten die totale Freiheit, keinen Zeitdruck, keinen Stress. Ich bin wirklich langsam hochgelaufen und es war vollkommen ok. Ich wurde nicht gehetzt oder getrieben und konnte mir die Zeit nehmen, die ich brauchte.

Wir sahen viele Touristen kommen und gehen, während wir immer noch im Krater standen, staunten und uns immer wieder vor Augen hielten, was für einen besonderen Moment wir da eigentlich gerade erleben.


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Kati &   Hermann

Wir sind zwei Backpacker und Reiseblogger, die ihr konventionelles Leben vor vielen Jahren hinter sich gelassen haben.

 

Auf unserer Weltreise erkunden wir ferne Länder und lassen uns gerne treiben. Am liebsten abseits des Mainstream. 

Kati + Hermann

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